Tarifstreik

Lufthansa: Regierung ruft zu rascher Einigung auf

Berlin - Zum Beginn des auf drei Tage angesetzten Pilotenstreiks bei der Lufthansa hat die Bundesregierung das Unternehmen und die Gewerkschaft Cockpit zu einer raschen Tarifeinigung aufgerufen.

"Jeder Tag mit Streik schränkt die Mobilität hunderttausender Menschen ein", sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) der "Bild"-Zeitung vom Mittwoch. Angesichts des großen Ausmaßes des Ausstands dauerte die Debatte über eine Reform des Streikrechts an.

Von Mittwoch bis Freitag wollen die Piloten jeweils ganztägig gegen Einschnitte bei der Übergangsversorgung vor dem Renteneintritt streiken. Rund 3800 Flüge fallen aus, etwa 425.000 Passagiere sind betroffen. Die Kosten des Streiks schätzt die Lufthansa auf einen zweistelligen Millionenbetrag pro Tag. Bereits am Dienstag strich die Lufthansa nach eigenen Angaben mehr als 60 Verbindungen, um unter anderem zu vermeiden, dass Passagiere später an Flughäfen stranden.

Die Piloten kämpfen gegen Einschnitte bei der sogenannten Übergangsversorgung, einer Art Frührente. Bislang können Piloten bereits mit 55 Jahren aufhören zu fliegen, die Lufthansa bezahlt dann bis zum Renteneintritt die Übergangsversorgung in Höhe von bis zu 60 Prozent des Bruttoverdiensts. Die Fluggesellschaft will das Austrittsalter aber auf lange Sicht auf 60 Jahre anheben. Neu eingestellte Piloten sollen sich zudem an der bislang allein vom Arbeitgeber finanzierten Leistung beteiligen.

Cockpit verteidigte den Ausstand. Dieser sei "die einzige Möglichkeit, die Lufthansa zu einem Entgegenkommen zu bewegen", sagte Vorstandsmitglied Jörg Handwerg der "Passauer Neuen Presse" vom Mittwoch. Der Arbeitskampf sei die Antwort auf einen "aggressiven Kurs" des Unternehmens. Die Lufthansa dürfe Piloten "nicht zwingen, allein aus politischen Gründen heraus" nach dem 55. Lebensjahr weiterzufliegen. "Das geht auf Dauer zu Lasten der Verkehrssicherheit", sagte Handwerg.

"Streik absolut unverantwortlich"

Der Vizechef der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Fuchs (CDU), sagte der "Bild"-Zeitung, der Streik sei "absolut unverantwortlich". Er bringe die Lufthansa in ernste Schwierigkeiten und nehme eine halbe Million Fluggäste als Geiseln. "Bei Leuten, die in einigen Fällen so viel verdienen wie die Kanzlerin, habe ich dafür wenig Verständnis", sagte Fuchs.

Klaus Barthel, Chef des SPD-Arbeitnehmerflügels, kritisierte in der Zeitung, "dass Minigewerkschaften die Interessen weniger auf Kosten vieler vertreten". Bereits am Dienstag hatte Arnold Vaatz (CDU), ebenfalls Vizechef der Unionsbundestagsfraktion, Änderungen im Streikrecht ins Gespräch gebracht.

Dies forderte am Mittwoch auch der Generalsekreär des CDU-Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger. "Die massive Erpressbarkeit der gesamten Wirtschaft durch Streiks an Schaltstellen der Infrastruktur ist so nicht mehr hinnehmbar", sagte er dem Portal "Handelsblatt Online". Nun müssten "die notwendigen Konsequenzen gezogen werden".

Zur Kritik an der Macht von Spartengewerkschaften sagte der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, der Zeitung "Die Welt" aus Berlin, er sehe "die Tarifeinheit als ein richtiges Ziel an". "Allerdings wollen wir dies nicht mit Eingriffen ins Streikrecht verbunden sehen", fügte er hinzu.

Lufthansa rechnet nicht mit schneller Einigung

Die Lufthansa rechnet in den Verhandlungen mit ihren streikenden Piloten nicht mit einer zügigen Einigung. Das sagte Konzernsprecherin Barbara Schädler am Mittwochmorgen am Frankfurter Flughafen. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte rund 5400 Kapitäne und Co-Piloten zu einem dreitägigen Streik aufgerufen, der um Mitternacht begann.

„Wir sind ständig gesprächsbereit. Wir glauben, dass wir Angebote vorgelegt haben, auf deren Basis man miteinander sprechen kann“, sagte Schädler weiter. In Frankfurt sind nach ihren Angaben bereits knapp 900 Lufthansa-Verbindungen gestrichen, insgesamt wurden rund 3800 Flüge abgesagt. Anlass der Aktion sind die von Lufthansa einseitig gekündigten Übergangsrenten, die den Piloten bislang ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf ermöglichten.

Piloten halten Angebote für „Mogelpackung“

Die streikenden Lufthansa-Piloten lehnen die Angebote der Konzernleitung weiter ab. Markus Wahl von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit sprach am Mittwochmorgen am Flughafen Frankfurt von einer „Mogelpackung“: „Nach außen hin gibt sich Lufthansa gesprächsbereit.“ Die Angebote seien aber immer die gleichen. „Für uns ist Lufthansa klar der Wolf im Schafspelz.“

Wahl bestätigte, dass die Piloten nach dem Ende des Streiks am Freitag bis nach den Osterferien nicht noch einmal die Arbeit niederlegen werden. „Sollte uns natürlich Lufthansa danach zwingen, erneut in den Ausstand zu gehen, müssen wir das tun“, fügte er hinzu.

Die Gewerkschaft hatte die rund 5400 Kapitäne und Co-Piloten zu dem Streik aufgerufen, der um Mitternacht begann. Anlass der Aktion sind die von Lufthansa einseitig gekündigten Übergangsrenten, die den Piloten bislang ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf ermöglichten.

AFP/dpa

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