Streik am Flughafen in Frankfurt

Ein Viertel der Lufthansa-Flüge gestrichen

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Flugbegleiter stehen am frühen Freitag (31.08.2012) am Flughafen in Frankfurt am Main als Streikposten vor der Einfahrt zur Lufthansa-Basis.

Frankfurt - Seit 5 Uhr streiken die Flugbegleiter der Lufthansa in Frankfurt. Die Fluggesellschaft musste deshalb ein viertel der geplanten Flüge streichen. Passagiere müssen mit Verspätungen rechnen.

Die Flugbegleitergewerkschaft UFO hat am frühen Freitagmorgen begonnen, die Lufthansa am Frankfurter Flughafen zu bestreiken. Mitglieder des Kabinenpersonals von Lufthansa-Maschinen legten um 5 Uhr ihre Arbeit nieder, wie der Chef der Flugbegleitergewerkschaft UFO, Nicoley Baublies, sagte. Der Ausstand sollte bis 13 Uhr andauern.

Hunderte Passagiere, die am Freitag ab Frankfurt mit der größten Fluggesellschaft Deutschlands reisen wollten, mussten sich wegen des Streiks auf Behinderungen einstellen: Die Lufthansa hat wegen des Ausstands zunächst etwa ein Viertel (insgesamt 64) der geplanten Flüge gestrichen. Betroffen seien nach dem derzeitigen Stand Kurz- und Mittelstreckenflüge, sagte eine Lufthansa-Sprecherin in Frankfurt am Main. Derzeit gehe die Lufthansa davon aus, dass im Streik-Zeitraum zwischen 5 Uhr und 13 Uhr drei Viertel von 360 vorgesehenen Starts und Landungen auch stattfinden. Weitere Streichungen sowie Verspätungen seien aber möglich.

Auch Langstreckenflüge und Airport in München betroffen

Auch bei Langstreckenflügen vom Flughafen Frankfurt aus, die zwar „oberste Priorität“ hätten, seien Verspätungen nicht ausgeschlossen.

„Wir werden jetzt aber auch sukzessive Langstreckenflüge annullieren müssen“, sagte ein anderer Lufthansa-Sprecher knapp drei Stunden nach Beginn des Ausstands. Zuvor hatte es geheißen, Langstreckenflüge seien "bewusst erst mal nicht angefasst“ worden, da sie höhere Priorität hätten. In den Terminals bildeten sich am Freitagvormittag lange Schlangen vor den Umbuchungsschaltern der Lufthansa. Die meisten Reisenden wussten bereits von drohenden Ausfällen und Verspätungen.

Obwohl eigentlich in Frankfurt gestreikt wird, sind auch andere Flughäfen in Deutschland von den Ausständen betroffen - so auch Flüge am Münchner Airport. Wie viele Maschinen am Boden bleiben, stelle sich erst am Vormittag heraus, sagte ein Mitarbeiter der Verkehrsleitung am Münchner Flughafen am Freitagmorgen. Erwartet werde ein Ausfall von 10 bis 15 Flügen.

Geringe Auswirkungen des Streiks an anderen Flughäfen

An Deutschlands drittgrößter Flughafen in Düsseldorf gab es lediglich einen Flug, der nicht von Frankfurt nach Düsseldorf starten konnte. Daher falle auch der Flug zurück nach Frankfurt aus. Flughafen-Sprecher Christian Hinkel sagte, er erwarte für Nordrhein-Westfalen einen ganz normalen Flugtag. Flugpassagiere sollen gegebenenfalls umgebucht werden. Innerhalb der Streikzeit bis 13 Uhr seien lediglich vier Abflüge nach Frankfurt und drei Ankünfte geplant.

In Berlin-Tegel hieß es bei der Flughafen-Information, bis zum offiziellen Streikende fallen zwei Flüge nach Frankfurt und drei Flüge von Frankfurt nach Berlin aus. Am Stuttgarter Airport wurde lediglich ein Flug der Lufthansa von Stuttgart nach Frankfurt am Morgen storniert, wie eine Sprecherin mitteilte. Die betroffenen Fluggäste könnten entweder auf die Bahn umsteigen oder einen späteren Flug nach Frankfurt nehmen.

Streik: Was Passagiere wissen sollten

Über die Auswirkungen wollte die Lufthansa unter anderem auf ihrer Website informieren. Reisende, die ihre Handynummer oder eine E-Mail-Adresse angegeben hätten, würden „nach Möglichkeit“ über diesen Weg von Verzögerungen, Flugstreichungen und Umbuchungen erfahren. Die Lufthansa wollte am gesamten Freitag 840 Starts und Landungen abfertigen, 140 davon entfielen auf Regionalpartner.

Auch für das Wochenende müssen sich die Fluggäste möglicherweise auf Behinderungen einstellen. „Da kann ich tatsächlich keine Entwarnung geben“, sagte der Chef der Kabinengewerkschaft Ufo, Nicoley Baublies, am Donnerstagabend. „Unsere zentrale Streikleitung ist da ganz autark. Die planen im Hintergrund, wie es weitergeht.“ Mit einem Vorlauf von sechs Stunden könnte der am Morgen in Frankfurt am Main begonnene Ausstand noch am Freitag auf andere deutsche Flughäfen ausgeweitet werden, sagte Baublies.

Lufthansa will wieder verhandeln

Die Lufthansa hat die Gewerkschaft Ufo unterdessen aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das von der Airline vorgelegte Angebot sei dafür eine ausreichende Grundlage, sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther am Freitagmorgen am Frankfurter Flughafen.

Die UFO hatte am Dienstag die Tarifgespräche mit der Fluglinie unter anderem wegen deren starrer Haltung beim Thema Leiharbeit für gescheitert erklärt und zu dem Ausstand aufgerufen. Die Gewerkschaft fordert aber auch ein höheres Entgelt. Baublies zufolge sind etwa zwei Drittel des Kabinenpersonals der Lufthansa in der UFO organisiert.

dapd/dpa

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