Metall- und Elektroindustrie in Südostbayern

"Die Zeichen in der Weltwirtschaft sind schlecht"

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Felix Kleinert, Geschäftsführer von Netzsch und Mitglied im Vorstand der vbm Region Südost-Bayern, sieht das wirtschaftliche Umfeld der Metall- und Elektrounternehmen in Bayern kritisch
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Waldkraiburg - Vor der neuen Tarifrunde mit den Arbeitnehmern ist die Botschaft der Metall- und Elektrounternehmen eindeutig: Große Lohnzuwächse kann es nicht geben.

Felix Kleinert aus dem Vorstand des Verbands der bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeber (vbm) in Südostbayern, zugleich Geschäftsführer der Netzsch Pumpen und Systeme GmbH aus Waldkraiburg, hat sich am Dienstag gemeinsam mit Frank Eberle, Geschäftsführer der ALPMA Alpenland Maschinenbau GmbH aus Rott am Inn, kritisch zur konjunkturellen Lage in der Branche geäußert. Der Zeitpunkt der Pressekonferenz war nicht zufällig gewählt: Anfang 2016 stehen Tarifverhandlungen an und zumindest ein Teil der Unternehmen fand den letzten Tarifabschluss zu hoch.

"Nur was wir erwirtschaften, können wir verteilen"

"Es reicht nicht, dass die Produkte der bayerischen Metall- und Elektroindustrie besser sind als ihre Konkurrenten. Sie müssen auch zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten werden, damit die Unternehmen überleben", sagte Kleinert am Dienstag. Lohnerhöhungen sollen sich nach Vorstellung der Unternehmen deshalb an der Produktivitätssteigerung orientieren. "Nur das, was wir zusätzlich erwirtschaften, können wir auch in Form höherer Entgelte verteilen", so Kleinert.

Aktuell sehen die Metall- und Elektroarbeitgeber hier eine Diskrepanz. Kleinert sprach von einem stetigen Anstieg der Arbeitskosten bei einem nur "sehr moderaten Produktivitätswachstum". Dennoch liege die Beschäftigung in den Metall- und Elektrounternehmen auf "Rekordniveau", womit die Unternehmen in der Hoffnung auf künftige Produktivitätsgewinne "in Vorleistung" gehen.

Deutsche Produkte werden für Argentinier viel teurer

Dabei bewerten die Unternehmen der Branche das wirtschaftliche Umfeld gerade alles andere als rosig. Die Konjunktur hat sich verlangsamt, die Kapazitätsauslastung ist seit Jahresbeginn zurückgegangen (von 85 auf 83 Prozent), und die Auftragseingänge sind zwar gestiegen, allerdings auch dank Großaufträgen.

Sorge bereiten auch die Schwellenländer. Von den BRIC-Staaten etwa steche derzeit nur Indien hervor, so Kleinert. In Brasilien drückt der schwache Real aufs Geschäft und in Argentinien rechnet Kleinert demnächst mit einer Abwertung des Pesos um 40 bis 80 Prozent. Dass deutsche Maschinenbauer danach noch groß nach Argentinien verkaufen, erwartet Kleinert nicht: "Das werden sich die Argentinier nicht mehr leisten können."

Netzsch spürt außerdem die Folgen des niedrigen Ölpreises. Neue Felder würden erst gar nicht mehr erschlossen und Fracking sei derzeit "tot", weil es sich nicht lohne, so Kleinert. "Wir haben eine Durststrecke zu überwinden, die uns schon Schwierigkeiten macht."

"Flexibilität ist ein zentrales Element"

ALPMA vertreibt Anlagen für die Lebensmittelindustrie weltweit - und ist damit von verschiedensten Einflüssen direkt betroffen. Geschäftsführer Frank Eberle nannte exemplarisch China, Südamerika, Russland und die Türkei. Immerhin ist laut Eberle Nordamerika ein "positiver Markt" für ALPMA.

Frank Eberle, Geschäftsführer der ALPMA Alpenland Maschinenbau GmbH

Als weltweit tätiges Unternehmen müsse ALPMA aber zwangsläufig Schwankungen abfedern. "Das Thema Flexibilität ist ein ganz zentrales Element in unserem Unternehmen", so Eberle. Bei der Stammbelegschaft ist es für das ALPMA zum Beispiel hilfreich, wenn ältere Mitarbeiter in wirtschaftlich guten Zeiten nicht vorzeitig in Ruhestand gehen. Viel Flexibilität bieten allerdings vor allem Werkverträge. "Ohne das geht das gar nicht", so Eberle. Große Aufträge mit der Stammbelegschaft abzufedern sei unrealistisch.

Klares Ja zu Werkverträgen

Die Botschaft der Metall- und Elektroarbeitgeber vor der neuen Tarifrunde ist deshalb eindeutig. Die Beschränkung von Werk- und Dienstverträgen halten die Unternehmen für kontraproduktiv, weil mit ihnen Auftragsspitzen abgefangen und Personalausfälle zeitlich überbrückt werden können. Und auch bei der Stammbelegschaft fordern die Arbeitgeber Flexibilität. "In die Tarifverträge müssen vermehrt Öffnungsklauseln und flexible Elemente eingebaut werden", so Kleinert. So sollen die Unternehmen die Möglichkeit bekommen, Tariferhöhungen zeitlich zu verschieben und Sonderzahlungen flexibel zu gestalten.

Noch hat die neue Tarifrunde nicht einmal begonnen, konkrete Prozentzahlen wurden am Dienstag keine in den Raum gestellt. Dass es mittelfristig viel zu verteilen gibt, glauben die Metall- und Elektroarbeitgeber aber nicht. "Die Zeichen in der Weltwirtschaft sind schlecht", so Kleinert.

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