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Milliarden-Betrüger Madoff: Erstes Interview

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Zum ersten Mal seit seiner Inhaftierung vor gut zwei Jahren hat der Milliarden-Betrüger Bernard Madoff ein Interview gegeben.

New York - Zum ersten Mal seit seiner Inhaftierung vor gut zwei Jahren hat der Milliarden-Betrüger Bernard Madoff ein Interview gegeben. Darin nimmt er seine Familie und Mitarbeiter in Schutz - und attackiert die Banken.

Der zu 150 Jahren Haft verurteilte Bernard Madoff wirft Banken und Hedge-Fonds Komplizenschaft bei seinem Milliardenbetrug vor. Sie hätte bei seinem illegalen Schneeballsystem “bewusst weggesehen“ und Warnzeichen ignoriert. “Sie mussten es wissen“, sagte der 72-Jährige der “New York Times“ (Mittwoch). “Die Einstellung war aber nach der Art: “Wenn Du was Falsches machst, wollen wir es nicht wissen“.“

Es war nach Angaben der Zeitung das erste Mal seit seiner Inhaftierung Ende 2008, dass Madoff ein Interview gegeben hat. Zwei Stunden lang stand er im Besuchsraum der Haftanstalt in Butner im US-Bundesstaat North Carolina Rede und Antwort. Er habe dabei khakifarbene Sträflingskleidung getragen, notierte die Reporterin Diana Henriques. Madoff habe deutlich dünner gewirkt als früher, stellte Henriques fest. Und er habe einen “zerbrechlichen“ und “aufgewühlten“ Eindruck auf sie gemacht. Vielleicht, so mutmaßte sie, weil er im Dezember einen seiner beiden Söhne verloren habe.

Mark Madoff hatte sich zum Jahrestag der Entdeckung des Betrugs in seinem New Yorker Appartement erhängt, weil er mit der Schmach, die sein Vater über die Familie gebracht hatte, nicht fertig wurde. Er hinterließ eine Frau und vier Kinder. Gegenüber der Reporterin unterstrich Madoff erneut, dass seine Familie nichts von seinen illegalen Machenschaften gewusst habe. Er habe sich nie vorstellen können, dass der Zusammenbruch seines Betrugssystems sich so zerstörerisch auf seine Familie auswirken könne, sagte er. Geprellte Anleger hatten seine Angehörigen mit Klagen überzogen. Mehrfach tauchten die Namen der Familienmitglieder in der Presse auf.

Nach Schätzungen soll Madoff über Jahrzehnte hinweg bei mehreren tausend Investoren rund 20 Milliarden Dollar eingesammelt und in einer Art Schneeballsystem angelegt haben. Er bezahlte die vermeintlichen “Traumprofite“ der Anleger einfach mit dem frischen Geld neuer Investoren. Es war der größte Wirtschaftsbetrug der Geschichte. 2009 wurde Madoff zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt, der Fall ist aber noch lange nicht abgeschlossen. Der Treuhänder Irving Picard müht sich, den Geschädigten zumindest einen Teil ihres Geldes zurückzubringen. Dafür hat er eine ganze Reihe von Großbanken und anderen Nutznießern mit Klagen überzogen - mit dem Argument, der Betrug sei offensichtlich gewesen.

Im Mittelpunkt steht die ehemalige Hausbank von Madoff, JPMorgan Chase, von der Picard insgesamt 6,4 Milliarden Dollar verlangt. Der Vorwurf lautet, dass Bankmitarbeiter schon vor Jahren Verdacht geschöpft hätten, aber schwiegen, um ihr Geschäft nicht zu gefährden. “Ich lese nun mehr darüber, wie argwöhnisch sie waren, als ich es damals jemals realisiert habe“, sagte Madoff. Er nannte allerdings keine Namen im Interview. Wie die Journalistin feststellte, vermied Madoff es, über jene weniger gut betuchten Opfer zu reden, die durch seinen Betrug in schwere Not geraten waren. Stattdessen unterstrich er im persönlichen Gespräch und in E-Mails, dass er Treuhänder Picard mehrfach nützliche Informationen geliefert habe. Den Betrug, darauf beharrt Madoff weiterhin, habe er ganz alleine begangen.

dpa

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