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Ein Plädoyer für Europa

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Georg Fahrenschon.

Neubeuern - Mehr als 600 Menschen haben am Freitagabend in der Beurer Halle einer Rede von Georg Fahrenschon gelauscht, ehemaliger bayerischer Finanzminister.

Beim Empfang von Landrat Josef Neiderhell zum bevorstehenden Tag der Arbeit hat der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes Georg Fahrenschon die deutschen Stärken in der Wirtschaft gelobt und für eine europäische Zukunft geworben. Deutschland Beitrag dazu können die Ideen und Konzepte sein, die die Belastungen der letzten Jahre bestanden haben, sagte Fahrenschon.

Mehr als 600 Gäste waren der Einladung des Landrats in die Beurer Halle in Neubeuern gefolgt. In seiner Begrüßung erinnerte Neiderhell an die Finanzmarktkrise, die mit der geplatzten Immobilienblase in den USA begann und die ganze Welt erfasste. In Europa kriseln Banken von Island über Irland bis jetzt in Zypern. Der Landrat lobte in diesem Zusammenhang die regionalen Banken, deren Verantwortliche ihre Geschäfte ganz anders betreiben.

Mit einem Lob begann auch Georg Fahrenschon: Die Region Rosenheim gehöre mit seiner ausgeprägten mittelständischen Wirtschaft, seiner niedrigen Arbeitslosigkeit und seiner hohen Lebensqualität zu den Kraftzentren Bayerns und der Bundesrepublik Deutschland. In seiner Rede führte der ehemalige bayerische Finanzminister eine ganze Reihe von Gründen an, warum es Deutschland gelingt, trotz der Wirtschafts- und Finanzprobleme weltweit, stabil zu bleiben.

Ein Faktor ist für Fahrenschon das Wirtschaftssystem: Die Soziale Marktwirtschaft wurde von Anfang an mit der Betonung auf „sozial“ verwirklicht. Auch wenn sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Einzelfragen gegenüber stehen, sie arbeiten trotzdem gedeihlich zusammen. In den Krisen in den 70er und 90er Jahren sowie in den letzten Jahren leisteten beide Seiten Beiträge, um Stabilität zu erreichen. Fahrenschon führte zudem die Wandlungsfähigkeit der Sozialen Marktwirtschaft an. Deutschland gelingt es, in Krisen die Lage flexibel zu bewältigen. Die Vollbremsung der Weltwirtschaft 2009 führte am Ende nicht zu Massenarbeitslosigkeit und Verunsicherung.

Ein zweiter wichtiger Faktor ist für den Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes die Dezentralität. Im Unterschied zu Frankreich übernehmen kleinere Einheiten wie Kommunen oder Bundesländer Verantwortung. Ehren- und hauptamtliche Kommunalpolitiker stellen sich die Frage, was muss ich tun, damit meine Heimat für die Menschen Zukunft bietet.

Ein breiter Branchenmix und die Wirtschaftsstruktur sind für Fahrenschon ein weiterer Grund für die Stabilität Deutschlands. Es gibt leistungsstarke Großkonzerne, aber auch enorm starke mittelständische Unternehmen und in allen Regionen erfolgreiche Familienunternehmen.

Ebenfalls im Unterschied zu vielen anderen europäischen Ländern sieht Fahrenschon in der dezentralen Kreditwirtschaft einen Erfolgsgrund der deutschen Wirtschaft. Wir haben Privatbanken, Volks- und Raiffeisenbanken sowie öffentlich-rechtlich getragene Sparkassen und Landesbanken, die unseren Mittelstand in die Lage versetzen, sich verlässlich über Fremdkapital zu finanzieren. In Deutschland können erfolgreiche Unternehmen erfolgreich weiterentwickelt werden, so Fahrenschon. Er lobt auch hier die dezentrale Grundstruktur: Eine regional verankerte Bank muss sich dauerhaft an den Bedürfnissen vor Ort ausrichten.

Die Soziale Marktwirtschaft, die Dezentralität, die Wirtschaftsstruktur und die Kreditwirtschaft, das sind für Fahrenschon die Faktoren, mit denen Deutschland Vorbild sein kann in Europa. Und dann wirbt er für diesen Kontinent: Wir sind aufs Engste mit unseren Nachbarn verbunden, 60 Prozent der deutschen Exporte gehen in die Europäische Union und wir brauchen die Sicherheit, die uns der Euro in den letzten Jahren gegeben hat. Hätte es in Europa in der Finanzmarktkrise alle Einzelwährungen noch gegeben, dann wäre die D-Mark als stärkste Währung automatisch zum Spielball der internationalen Akteure geworden, sagte Fahrenschon. Die Ausgaben für die Absicherung für Währungsgeschäfte und Währungsschwankungen hätten alle Betriebe an den Rand ihrer wirtschaftlichen Handlungsfähigkeit gebracht.

Und noch ein Argument führte Fahrenschon zugunsten des Euro ins Feld: Wenn wir 12einhalb Millionen Bayern, so fleißig sie auch sind, gegen eine Milliarde Chinesen verargumentieren wollen, machen wir keinen Stich. Stattdessen muss laut Fahrenschon die Frage diskutiert werden, wie Europa stärker und stabiler gemacht werden kann.

Als Antwort rät Fahrenschon, die Fehler der Vergangenheit anzugehen. Der Wachstums- und Stabilitätspakt wurde zu oft gebrochen, auch von Deutschland. Das schuldengetriebene Wachstum galt lange als Erfolgsstroy, deshalb hatte auch keiner Interesse daran, die zweite Aufgabe, die politische Union Europas, zu erledigen. Die Beseitigung von Ursachen wie hohe Staatsverschuldung und mangelnde Wettbewerbsfähigkeit sind nicht geschafft. Auch die Europäische Zentralbank kann die Symptome nur dämpfen und die Ursachen nicht aus der Welt schaffen. Fahrenschon sieht hier die Politik am Zug.

Abschließend sprach sich der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands noch gegen eine europäische Einlagensicherung aus. Fahrenschon bevorzugt stattdessen eine nationale Einlagensicherung, damit es in schwierigen Lagen kein Überspringen der Sorgen der Sparer auf andere Länder gibt. Wörtlich sagte Fahrenschon: "Für die Sparkassen darf ich erklären, das gilt auch für die Volks- und Raiffeisenbanken, wir sichern die Einlagen der Kunden in unbegrenzter Höhe, weil wir uns gegenseitig absichern. Der Präsident ergänzte, der beste Schutz vor Finanzmarktkrisen ist eine geerdete Kreditwirtschaft, die sich ihrer dienenden Funktion auch bewusst ist."

Das Plädoyer für Europa schloss Landrat Neiderhell mit dem Hinweis, dass dieser Verbund den Frieden für die nächsten Jahrzehnte sichern wird.

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim

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