Neues Konzept: Kunden beteiligen sich an Bio-Höfen

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Eine Kundin stellt auf dem Mirandahof in Sottrum (Kreis Rotenburg-Wümme) ihre Biogemüse-Auswahl für das Wochenende zusammen.

Sottrum  - Nicht nur bio, sondern auch regional wollen umweltbewusste Verbraucher ihr Obst und Gemüse beziehen. Bei solidarischer Landwirtschaft können sich Kunden direkt an Höfen beteiligen. Wie das funktioniert:

Biologisch angebaute Kartoffeln aus Ägypten, Möhren aus Holland und Zwiebeln aus Argentinien. So ziemlich jeder Supermarkt bietet inzwischen eine große Auswahl an Bio-Gemüse - und das über das ganze Jahr. Dafür legen mit Früchten beladene Schiffe, Flugzeuge und Lastwagen oft tausende Kilometer zurück. Umweltfreundlich sieht anders aus. Deshalb rückt der regionale Konsum wieder in den Fokus: also Obst und Gemüse am besten vom Bauern um die Ecke. Dabei beteiligen sich manche an den Bio-Bauernhöfen. Sie zahlen eine ausgemachte Summe an den Bauern und bekommen dafür Lebensmittel. “Solidarische Landwirtschaft“ ist das Stichwort.

Thomas Kröger gehört zu den Landwirten, die das auf Solidarität basierende Modell anbieten. Auf dem Mirandahof in Sottrum, knapp 40 Kilometer von Bremen entfernt, bauen der 49-Jährige und seine Frau auf sieben Hektar Rüben, Kartoffeln, Kohl, Erdbeeren und andere heimische Lebensmittel an. 44 Familien ernähren sie damit. Zweimal die Woche stellt Kröger Kisten mit frischem Gemüse auf den Hof - seine Kunden dürfen sich nach Bedarf bedienen. “Jeder nimmt mit, was er braucht.“

Dafür erhält der Öko-Bauer monatlich von jeder Familie eine Pauschale von etwa 100 bis 160 Euro, abhängig von deren Zahlkraft. Der Rest basiert auf Vertrauen, denn keiner überprüft, wer wie viel mit nach Hause nimmt. Doch bisher sei keiner zu kurz gekommen, ist sich Kröger sicher. Das Konzept heißt solidarische Landwirtschaft: Eine Gruppe von Menschen beteiligt sich an den Kosten eines Hofes und erhält dafür einen Teil der Ernte. Ein guter Deal für beide Seiten.

Der Bauer ist gegen Ernteausfälle und schwankende Preise abgesichert. Die Kunden wissen, woher ihre Lebensmittel stammen und wie sie angebaut wurden. Sprit oder Kerosin für lange Transporte werden nicht verbraucht. Während sich diese Idee in den USA, Kanada und Großbritannien seit Mitte der 80er Jahre unter dem Begriff “Community Supported Agriculture“ verbreitete, blieb es in Deutschland bei einigen wenigen Höfen. Als Vorreiter gilt der Buschberghof nahe Hamburg.

19 Mitgliedsbetriebe zählt das kürzlich gegründete Netzwerk Solidarische Landwirtschaft zurzeit. Doch ihre Zahl wird in Zukunft steigen, meint Christina Eiling von dem Netzwerk. “Die Zeit ist reif.“ Lebensmittelskandale, Horror-Berichte über Massentierhaltung, mit Chemikalien belastetes Gemüse sowie nicht nachvollziehbare Handelswege hätten die Verbraucher verunsichert. Immer mehr Menschen setzten deshalb auf regional statt global.

Doch das Angebot an heimischen Bio-Produkten bleibt weit hinter der Nachfrage zurück, wie aus einem Bericht des Verbands Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) zur Entwicklung der Branche hervorgeht. Danach bewirtschafteten 2010 rund 22 000 Bio-Höfe mehr als eine Millionen Hektar - im Vergleich zu 2009 ein Flächenzuwachs von knapp sechs Prozent und damit in etwa so viel wie in den Vorjahren.

Dennoch sind in den vergangenen Jahren die Importe kontinuierlich gestiegen, um den Bedarf decken zu können. Dadurch wächst die Konkurrenz für die deutschen Erzeuger und der Preisdruck steigt. Daher sieht Elmar Seck von der Initiative Ökolandbau die solidarische Landwirtschaft vor allem als Chance für kleine Betriebe, die auf dem Massenmarkt nur schwer Fuß fassen können. “Das ist ein Modell, das noch in Deutschland zunehmen wird.“

In eine ähnliche Richtung stoßen sogenannte Ökokisten und Bauernläden, die auch auf den direkten Verkauf setzen. “Die Landwirte haben einen verlässlichen Absatz und einen höheren Gewinn, weil die Zwischenhändler ausgeschaltet sind“, erläutert Peter Bargfrede von der Bremer Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaft, die seit Ende der 80er über einen Bauernladen Lebensmittel aus der Region vertreibt.

Noch wirft der Mirandahof von Bauer Kröger nicht genug ab, um alle Kosten zu decken. Doch Kröger hat seine Entscheidung nicht bereut. Die Entwicklung lässt den Bauern hoffen: Vor drei Jahren startete er mit 15 festen Kunden, inzwischen sind es fast sechsmal so viele.

dpa

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