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Habeck: „Sind in einer Gaskrise“

Notfallplan Gas: Netzagentur befürchtet Totalausfall russischer Lieferungen

Habeck zu Energiesicherheit
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Wirtschaftsminister Robert Habeck erklärt den Notfallplan Gas. Die zuständige Bundesnetzagentur ist alarmiert.

Die Bundesnetzagentur warnt vor dem Komplett-Stopp russischer Gaslieferungen - und spricht schon von der Notfallstufe im Gasplan. Die Alternativen sind rar.

Bonn - Robert Habeck hatte es schon angekündigt. „Gas ist von nun an ein knappes Gut“, sagte der Bundeswirtschaftsminister vergangene Woche – und rief die zweite Stufe im Notfallplan Gas aus. Wegen gedrosselter russischer Lieferungen gebe es eine Störung der Gasversorgung, die zu einer „erheblichen Verschlechterung der Gasversorgungslage führt“, sagte der Grünen-Minister und appellierte zum Gassparen. „Wir sind in einer Gaskrise.“

Notfallplan Gas: Netzagentur befürchtet Totalausfall russischer Lieferungen

Ähnlich markige Wort wählt nun die Bundesnetzagentur. Netzagentur-Chef Klaus Müller befürchtet einen Totalausfall der russischen Gaslieferungen. Die Frage sei, ob aus der bevorstehenden regulären Wartung der Gaspipeline Nord Stream 1 „eine länger andauernde politische Wartung wird“, sagte Netzagentur-Chef Klaus Müller den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Hintergrund: Russland begründet die Drosselung der Gaslieferungen mit Wartungsarbeiten oder technischen Problemen an der Pipeline. Der russische Erdgaskonzern Gazprom berichtete etwa von angeblichen fehlenden Kompressoren des deutschen Siemens-Konzerns am Startpunkt der Pipeline. Die Bundesregierung bewertet das als vorgeschoben. Habeck geht davon aus, dass bei den nun bevorstehenden Wartungsarbeiten „irgendetwas gefunden“ werde, womit Russland weitere Drosselungen rechtfertigen könnte.

Energiekrise: Netzagentur appelliert ans Gassparen

Was bedeutet das nun für Deutschland? Wenn der Gasfluss aus Russland „politisch motiviert länger anhaltend abgesenkt wird“, sagt Netzagentur-Chef Müller, „dann müssen wir ernsthafter über Einsparungen reden“. Die verbleibenden Wochen bis zum Beginn der Heizsaison müssten genutzt werden, um Vorbereitungen zu treffen.

Müller appellierte an alle Haus- und Wohnungsbesitzer, ihre Gasbrennwertkessel und Heizkörper rasch zu überprüfen und effizient einstellen zu lassen. „Eine Wartung kann den Gasverbrauch um zehn bis 15 Prozent senken“, sagte der Behördenchef. „Das muss jetzt passieren und nicht erst im Herbst.“ Handwerker sollten sich daher auf den Bereich Heizung und Warmwasserversorgung konzentrieren.

Video: Gaskrise: Was bedeutet die Alarmstufe für Verbraucher?

Netzagentur sieht „kein Szenario, in dem es gar kein Gas gibt“

Die Lage scheint ernst, aber nicht aussichtslos. Müller betonte, die Netzagentur sehe „kein Szenario, in dem gar kein Gas mehr nach Deutschland kommt“. Deutschland könne unter anderem aus Norwegen und aus den Niederlanden versorgt werden. Das mag stimmen, es geht hier aber um deutlich andere Größenordnungen, wie der Blick auf Deutschlands Gasimporte zeigt.

Die Bundesrepublik bezieht mehr als die Hälfte seines Erdgas aus Russland, knapp ein Drittel kommt aus Norwegen und nur ein kleiner Teil aus den Niederlanden. Zudem ist die Lage in den jeweiligen Bundesländern deutlich unterschiedlich. Norwegisches Gas wird allein schon wegen der Lage eher im Norden verbraucht. „Bayern hängt derzeit fast vollständig am russischen Erdgas“, sagte Detlef Fischer, Geschäftsführer vom Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft im März Merkur.de von IPPEN.MEDIA. „Das ist die bittere Wahrheit.“

Notfallplan Gas: Was passiert bei Stufe 3?

Jene bittere Wahrheit könnten auch Unternehmen ereilen, wenn Stufe drei des Gasnotfallplans ausgerufen werden sollte. Dann greift der Staat in den Gasmarkt ein. Heißt: Kein Gas für alle. Die Bundesnetzagentur regelt, wer mit Gas versorgt wird.

  • Stufe 1: Frühwarnstufe, Einrichtung eines Krisenstabs
  • Stufe 2: Alarmstufe, enge Marktbeobachtung, Appell ans Gassparen, Reaktivierung von Kohlekraftwerken
  • Stufe 3: Notfallstufe, Eingreifen des Staates in die Gasversorgung

Wie könnte Stufe drei aussehen? „In einer Gasnotlage können wir nicht jeden Betrieb als systemrelevant einstufen“, sagt Müller. „In kritischen Bereichen wie Teilen der Lebensmittel- und Pharmabranche müssen wir sehr vorsichtig sein. Dagegen wären Produkte und Angebote, die in den Freizeit- und Wohlfühlbereich fallen, eher nachrangig. Schwimmbäder gehören wohl nicht zum kritischen Bereich, genauso wie die Produktion von Schokoladenkeksen.“ (as)

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