"Occupy"-Anhänger stören Ackermann-Vortrag

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Gut ein Dutzend Anhänger der “Occupy“-Bewegung haben am Dienstag den Vortrag des Deutsche-Bank-Vorstands Josef Ackermann durch Zwischenrufe gestört.

Hamburg - Gut ein Dutzend Anhänger der “Occupy“-Bewegung haben am Dienstag den Vortrag des Deutsche-Bank-Vorstands Josef Ackermann durch Zwischenrufe gestört. Der reagierte souverän.

Der Vorstandschef war als Redner der Versammlung “Eines Ehrbaren Kaufmanns“ (VEEK) der Handelskammer eingeladen. Dort betonte er, dass er ein Festhalten an Europa für unabdingbar halte. “Es gibt keinen anderen Weg, als neu zu überdenken, wie wir Europa gestalten können“, sagte Ackermann am Dienstagabend in der Hamburger Handelskammer vor mehreren hundert Gästen. Die politische Debatte darüber werde aber dauern. “Ein Auseinanderbrechen des Systems ist mit noch höheren Kosten verbunden“, mahnte er.

Sein Vortrag wurde für etwa zehn Minuten von Anhängern der “Occupy“-Bewegung unterbrochen. Ackermann lud das gute Dutzend Störer - darunter ein Teilnehmer mit Guy-Fawkes-Maske - zur Diskussion auf das Podium ein. “Ich stelle mich sehr gern der Debatte“, sagte Ackermann. “Aber etwas vorzulesen, hinter einer Maske, das finde ich feige.“ Ohne weiteren Wortwechsel zogen sich die “Occupy“-Mitglieder friedlich unter die Zuhörer zurück.

Bilder: Occupy-Anhänger stören Vortrag

Occupy-Anhänger stören Ackermann-Vortrag

Gut ein Dutzend Anhänger der “Occupy“-Bewegung haben am Dienstag den Vortrag des Deutsche-Bank-Vorstands Josef Ackermann durch Zwischenrufe gestört. Der reagierte souverän. © dpa
Gut ein Dutzend Anhänger der “Occupy“-Bewegung haben am Dienstag den Vortrag des Deutsche-Bank-Vorstands Josef Ackermann durch Zwischenrufe gestört. Der reagierte souverän. © dpa
Gut ein Dutzend Anhänger der “Occupy“-Bewegung haben am Dienstag den Vortrag des Deutsche-Bank-Vorstands Josef Ackermann durch Zwischenrufe gestört. Der reagierte souverän. © dpa
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Gut ein Dutzend Anhänger der “Occupy“-Bewegung haben am Dienstag den Vortrag des Deutsche-Bank-Vorstands Josef Ackermann durch Zwischenrufe gestört. Der reagierte souverän. © dpa
Gut ein Dutzend Anhänger der “Occupy“-Bewegung haben am Dienstag den Vortrag des Deutsche-Bank-Vorstands Josef Ackermann durch Zwischenrufe gestört. Der reagierte souverän. © dpa
Gut ein Dutzend Anhänger der “Occupy“-Bewegung haben am Dienstag den Vortrag des Deutsche-Bank-Vorstands Josef Ackermann durch Zwischenrufe gestört. Der reagierte souverän. © dpa
Gut ein Dutzend Anhänger der “Occupy“-Bewegung haben am Dienstag den Vortrag des Deutsche-Bank-Vorstands Josef Ackermann durch Zwischenrufe gestört. Der reagierte souverän. © dpa
Gut ein Dutzend Anhänger der “Occupy“-Bewegung haben am Dienstag den Vortrag des Deutsche-Bank-Vorstands Josef Ackermann durch Zwischenrufe gestört. Der reagierte souverän. © dpa
Gut ein Dutzend Anhänger der “Occupy“-Bewegung haben am Dienstag den Vortrag des Deutsche-Bank-Vorstands Josef Ackermann durch Zwischenrufe gestört. Der reagierte souverän. © dpa
Gut ein Dutzend Anhänger der “Occupy“-Bewegung haben am Dienstag den Vortrag des Deutsche-Bank-Vorstands Josef Ackermann durch Zwischenrufe gestört. Der reagierte souverän. © dpa

“Wir sind in einer ganz, ganz schwierigen Situation“, sagte Ackermann zur aktuellen Staatsschuldenkrise in Europa. Es müsse gelingen, Griechenland so zu strukturieren, dass es seine Schulden wieder alleine tragen könne. Andere europäische Länder wie Italien müssten ihre Haushalte konsolidieren, um die Glaubwürdigkeit an den Märkten zurückzugewinnen. Die angeschlagenen Länder müssten zudem ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Zur Zwischenfinanzierung wird nach den Worten Ackermanns ein europäischer Rettungsschirm im Volumen von bis zu 1,5 Billionen Euro erforderlich sein.

Auflösungstendenzen kann sich Europa nach Auffassung des Bankenchefs nicht leisten. “Vor allem Deutschland hat mit seiner sehr exportorientierten Wirtschaft größtes Interesse an einem möglichst tief integrierten, politisch und wirtschaftlich starken Europa. Nur ein solches Europa vermag den Wohlstand, den wir erreicht haben, zu sichern“, sagte Ackermann. Und nur ein solches Europa wird nach seinen Worten auch in Zukunft selbstbewusst gegenüber anderen großen Akteuren wie den USA oder China auftreten und in der Welt Gestaltungseinfluss ausüben können.

EFSM, EFSF oder ESM: Das bedeuten die Kürzel der Finanzkrise

EFSM, EFSF oder ESM: Das bedeuten die Kürzel der Finanzkrise

EFSM: Wenn vom EFSF-Rettungsschirm die Rede ist, fällt manchmal auch diese Abkürzung. Der Krisenfonds setzt sich nämlich aus dem Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus (EFSM) und dem EFSF zusammen. © dpa
ESM: Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) wird der Nachfolger des EFSF-Fonds. Spätestens Mitte 2013 soll er den befristeten Rettungsschirm dauerhaft ablösen und 500 Milliarden Euro an Kredithilfen bereitstellen. © dpa
EZB: Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die Hüterin der europäischen Währung. Daher ist die Notenbank an allen wichtigen Beschlüssen in der Schuldenkrise beteiligt. Oberstes Entscheidungsgremium ist der EZB-Rat. Ihm gehören die Chefs der 17 nationalen Notenbanken und ein sechsköpfiges Direktorium an, an dessen Spitze der EZB-Präsident. © dpa
IWF: Der Internationale Währungsfonds (IWF) spielt zur Bekämpfung der Euro-Schuldenkrise eine wichtige Rolle. Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen greift ein, wenn Staaten Geldprobleme haben. Finanzhilfen sind meist an strenge Auflagen geknüpft - etwa an die Sanierung des Staatshaushalts. Bei allen Hilfsaktionen im Euroland, ob in Griechenland, Irland oder Portugal, war der IWF mit im Boot. © dpa
SPIV: Als Option zur Euro-Rettung gilt auch ein Special Purpose Investment Vehicle (SPIV). Bei der “Investment-Zweckgesellschaft“ würden öffentliches und privates Kapital zusammengeführt. Eine oder mehrere Zweckgesellschaften könnten zentral oder gesondert in einem Land errichtet werden, das Hilfen bekommt. Die Zweckgesellschaft soll die Finanzierung von Euro-Ländern erleichtern. Sie würde in Staatsanleihen eines Landes investieren. © dpa
Troika: Das Wort Troika ist eigentlich keine klassische Abkürzung. Es kommt aus dem Russischen und bedeutet “Dreiergespann“. In der Schuldenkrise werden damit aber verkürzt drei Expertengruppen bezeichnet - nämlich EZB, IWF und EU-Kommission. © dpa
G20: Die Gruppe der 20 (G20) bezeichnet die Top-Wirtschaftsmächte. Zwei Drittel der Weltbevölkerung werden durch sie repräsentiert, ihre Beschlüsse haben globalen Einfluss. Anfang November beraten ihre Mitglieder erneut über die Euro-Rettung. Der Zusammenschluss wurde 1999 als Reaktion auf die Finanzkrisen in Asien, Brasilien und Russland gebildet. © dpa
PSI: Die Politik will private Gläubiger wie Banken und Versicherungen stärker an der Griechenland-Rettung beteiligen. In Fachkreisen wird dabei stets von PSI (“Private Sector Involvement“, also Beteiligung des Privatsektors) gesprochen. Der Streit dreht sich darum, in welchem Ausmaß die Privaten auf Ansprüche gegen Griechenland verzichten. © dpa
CDS: Ein Schuldenschnitt ist auch deswegen so sehr umstritten, weil er Kreditausfallversicherungen (CDS oder “Credit Default Swaps“) auslösen könnte, sobald die Ratingagenturen für ein Land das Urteil “Zahlungsausfall“ (“Default“) ausrufen. Es gibt Experten, die befürchten, dass dann eine unkontrollierbare Kettenreaktion in Gang kommt, die etliche Kreditinstitute in den Abgrund reißen könnte. © dpa

In der Staatsschuldenkrise trage die Deutsche Bank, aber auch die deutsche Wirtschaft insgesamt, besondere Verantwortung - allerdings nicht weil die “Unternehmen für diese Krise ursächlich gewesen wären“, sagte Ackermann. Vielmehr sei Deutschland eines der wenigen Länder, das überhaupt noch stark genug sei, um zu helfen. “Daneben wären wir aber auch von einem Scheitern der Rettungsbemühungen wohl am stärksten betroffen.“

Eine “Occupy“- Anhängerin warf Ackermann und der Deutschen Bank in einer Fragerunde vor, alle ethischen Regeln außer Acht zu lassen. “Sie vereiteln eine wirkliche Lösung der Finanzkrise“, sagte sie. Ackermann hielt ihr entgegen, dass die Deutsche Bank keine Geschäfte mit Streubomben-Herstellern mehr mache und seine Handelsaktivitäten daraufhin überprüfe, ob sie wesentlich zu einem “unbegründeten Anstieg der Nahrungsmittelpreise“ beitragen könnten. “Wenn wir uns Ihnen anschließen, werden wir keine Stimme mit Gewicht in der Welt mehr haben“, entgegnete Ackermann. Sein Ziel sei, dass Deutschland stets über eine global operierende Bank verfügt.

Bank soll Krise ohne Geld der Steuerzahler bewältigen

Staatsgelder für die Deutsche Bank lehnt der Manager weiterhin kategorisch ab. Wie in der Bankenkrise 2008 betrachte er es als wesentlichen Teil der gesellschaftlichen Verantwortung des Geldinstituts, die Staatsschuldenkrise ohne Geld der Steuerzahler, aus eigener Kraft, zu bewältigen. “Jeder Steuerzahler und Politiker sollte froh darüber sein, wenn Unternehmen ohne Staatshilfe auskommen“, sagte Ackermann.

Die Versammlung “Eines Ehrbaren Kaufmanns“ sieht sich als größte wirtschaftsethische Vereinigung Deutschlands - mit einer Tradition seit 1517. Der “Ehrbare Kaufmann“ bekennt sich zur Internationalität und zum Freihandel. Er steht zu seinem Wort, sein Handschlag gilt.

dpa

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