EU-Kommission ermittelt

Osteuropäer beklagen Qualität von Westware: Der Nutella-Krieg

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In Ungarn soll Nutella angeblich nicht so cremig sein, wie in Österreich. 

Osteuropäische Länder beklagen sich darüber, dass die westeuropäischen Konzerne in den Supermarktregalen in Budapest oder Bratislava Ware mit schlechterer Qualität zum gleichen Preis anbieten wie in München oder Wien. Die EU-Kommission ermittelt.

Brüssel - Butterkekse mit Palmöl. Schweinefleisch mit Hühnchenresten, Fischstäbchen mit wenig Fisch: Unsere östlichen Nachbarn beklagen sich darüber, dass die westeuropäischen Konzerne in den Supermarktregalen in Budapest oder Bratislava Ware mit schlechterer Qualität zum gleichen Preis anbieten wie in München oder Wien. Die EU-Kommission ermittelt.

Vorige Woche wurde der slowakische Ministerpräsident Robert Fico bei der EU in Brüssel vorstellig. Mit im Gepäck hatte der Sozialdemokrat je zwei Packungen Lenor-Waschmittel, Iglo-Fischstäbchen und Jacobs-Instantkaffee, einmal gekauft in der slowakischen Hauptstadt Bratislava und einmal im 15 Kilometer entfernten österreichischen Hainburg. Stein des Anstoßes: In den Hainburger Fischstäbchen waren laut Fico zum gleichen Preis von 2,99 Euro 300 Gramm Inhalt, 20 Gramm mehr als in denen aus Bratislava. Und der Fischanteil lag in Österreich bei 65 Prozent, in der Slowakei nur bei 58 Prozent. In den Lenorflaschen waren in der Slowakei nur 930 statt 990 Milliliter drin und die Kaffeepäckchen enthielten statt 18 Gramm nur 15,2 Gramm.

Schon seit Monaten rumort es auch in Polen, Tschechien und Ungarn wegen schlechterer Qualität und kleinerer Mengen dort verkaufter Produkte westeuropäischer Konzerne. Im Februar klagte Ungarn über die Nutella-Qualität in seinen Regalen. Die Lebensmittelbehörden vor Ort hatten einen Bericht vorgelegt, wonach die Nuss-Nougatcreme in Wien cremiger sei als in Budapest. Seitdem ist vom „Nutellakrieg“ die Rede. 24 Produkte hatten die Ungarn laut n-tv bei Lidl, Aldi, Metro und Spar geprüft, etwa Coca-Cola oder Knorr-Tütensuppen wurden moniert.

Coca-Cola erklärte laut SZ, die Rezeptur basiere auf örtlichen Geschmackstests – und Geschmäcker seien nun mal unterschiedlich, andere Hersteller argumentierten ähnlich. Bahlsen verwendete laut Die Presse im Osten Palmöl für seine Butterkekse. Das wurde am 1. Juli umgestellt. Doch es gibt auch Schweinefleisch mit Hühnerresten.

Fico erklärte in Brüssel, er wisse, dass er keine rechtliche Handhabe habe, Strafmaßnahmen zu erlassen und drohte mit einem Boykott. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker gab ihm am Donnerstag recht: Dass Bürger in der Slowakei wie Bürger zweiter Klasse behandelt würden und schlechtere Produkte bekämen, sei völlig inakzeptabel. Im September will die Kommission den Ländern Leitlinien zur Auslegung der Verbraucherschutzregeln geben. Eine Gesetzesinitiative sei nicht ausgeschlossen. Fico lud zu einem „Nutella-Gipfel“ nach Bratislava und warnte, die Beschwerden der östlichen Staaten als lächerlich abzustempeln. Sie könnten dortigen Europafeinden als Argument gegen die EU dienen.

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