Chef-Einkäufer von Adidas kommt

Puma-Chef verlässt Unternehmen

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Puma-Chef Franz Koch verlässt den fränkischen Sportartikelhersteller nach nur eineinhalb Jahren an der Unternehmensspitze.

Herzogenaurach - Puma-Chef Franz Koch verlässt den fränkischen Sportartikelhersteller nach nur eineinhalb Jahren an der Unternehmensspitze.

Puma trennt sich überraschend von seinem Vorstandsvorsitzenden Franz Koch. Nach nur eineinhalb Jahren legt der 33-Jährige zum 31. März 2013 „in beiderseitigem Einvernehmen“ sein Amt an der Spitze des Sportartikelherstellers nieder und scheidet auch als Mitglied aus der Geschäftsführung des französischen Puma-Mehrheitsaktionärs PPR aus, wie der MDAX-Konzern aus dem fränkischen Herzogenaurach am Mittwoch mitteilte. Koch wird damit das Unternehmen, dem er seit 2007 angehörte, ganz verlassen.

Zur Begründung für den überraschenden Rücktritt wurde in einer Erklärung betont, nach dem Ausscheiden des langjährigen Puma-Chefs Jochen Zeitz als Vorsitzender des Puma-Verwaltungsrats zum 1. Dezember gehe ein Kapitel in der Firmengeschichte zu Ende. Das Unternehmen trete jetzt in eine „neue Phase seiner Unternehmensentwicklung“ ein und verändere angesichts dieser Herausforderungen auch seine Topmanagement-Struktur.

Aus Unternehmenskreisen hieß es, dass der Verwaltungsrat lediglich die Doppelspitze Zeitz/Koch unterstützt habe. Nach dem ebenfalls unerwarteten Rückzug von Zeitz aus dem Puma-Verwaltungsrat sei Koch wohl die in den vergangenen Monaten schlechtere Unternehmensentwicklung zum Verhängnis geworden. Allerdings seien ihm bei der Übernahme des Vorstandspostens auch mehr Hausaufgaben überlassen worden, als er erwartet habe.

Wer sein Nachfolger wird, ist noch unklar. „Die Suche läuft“, sagte Puma-Sprecher Ulf Santjer. Der neue Chef solle spätestens im Frühjahr 2013 benannt werden und dann die „geplante Transformation“ weiter forcieren und „gezielt Produkt- und Marketinginnovationen“ fördern. Bis Koch ausscheidet, werde er eng mit dem neuen Vorsitzenden des Verwaltungsrats von Puma, Jean-Francois Palus, zusammenarbeiten.

Nach dem Umsatzrekord brachen schwere Zeiten an

Koch hatte die Puma-Führung im Juli 2011 von Zeitz übernommen. Dieser hatte Europas zweitgrößten Sportausrüster mit der Fokussierung auf Lifestyle-Produkte 18 Jahre lang geleitet und zu einem hoch profitablen Unternehmen gemacht.

Nachdem 2011 noch ein Rekordumsatz von knapp über drei Milliarden Euro und ein Konzerngewinn von mehr als 230 Millionen Euro angefallen waren, brachen schwere Zeiten für Puma an: Trotz Fußball-Europameisterschaft und Olympischer Sommerspiele in London kassierte Koch Mitte 2012 die bisherigen Umsatz- und Gewinnprognosen und kündigte eine deutliche Ergebnisverschlechterung für das Gesamtjahr an.

Bereits bei der Vorlage der Bilanz für 2011 hatte er eingeräumt, dass die Marke schon einmal begehrter gewesen sei und erklärt, Puma wieder stärker als Sportausrüster positionieren und für junge Menschen attraktiver machen zu wollen. Bisher habe das Unternehmen 65 Prozent seines Umsatzes mit Lifestyle-Produkten und nur 35 Prozent mit Sportausrüstung gemacht.

Im Oktober kündigte Koch weitere Kostensenkungen für den Rest des Jahres an und stellte zudem das noch von Zeitz ausgegebene Umsatzziel von vier Milliarden Euro bis 2015 zur Disposition.

In den ersten neun Monaten 2012 war der Gewinn um 43 Prozent auf 112,8 Millionen Euro zurückgegangen und der Umsatz nur noch um 3,3 Prozent auf 2,46 Milliarden Euro gestiegen. „Über die Umsatz- und Gewinnentwicklung sind wir im Moment nicht erfreut“, hatte Koch damals gesagt.

Er hätte mehr Zeit gebraucht

Zafer Rüzgar, Aktienanalyst bei Independent Research, hält den Fortgang Kochs für übereilt. Der von ihm begonnene Strategiewechsel, damit das Unternehmen wieder mehr als Sportausrüster wahrgenommen werde, sei richtig, betonte er. Der Verwaltungsrat hätte Koch mehr Zeit geben müssen, dies weiter zu verfolgen und umzusetzen.

Das Beispiel Adidas zeigt, dass ein Sportausrüster weniger anfällig für konjunkturelle Schwankungen zu sein scheint. Adidas-Chef Herbert Hainer erklärt dies stets damit, dass die Menschen auch in schlechten Zeiten dazu bereit seien, Geld für ihren Sport auszugeben. Entsprechend verzeichnete Europas Nummer eins der Brache auch 2012 Umsatz- und Gewinnsteigerungen.

Wie das „Manager Magazin“ vorab unter Berufung auf Insider berichtet, soll der bisherige Adidas-Manager Andy Koehler neuer Chief Operating Officer bei Puma werden. Bisher kümmert sich Finanzvorstand Klaus Bauer auch um das operative Geschäft, er verlässt aber - wie schon seit Sommer bekannt - zum 31. Dezember das Unternehmen. Neuer Finanzvorstand wird dann Michael Lämmermann, der schon jetzt den Bereich Finanzen bei Puma leitet.

Die Puma-Aktie verlor bis zum Nachmittag rund 1,6 Prozent.

dapd

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