Kredit für Quelle vereinbart - große Erleichterung

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Der rettende Kredit für Quelle ist unter Dachund Fach.

Berlin - Der dringend benötigte Kredit über 50 Millionen Euro für das insolvente Versandhaus Quelle ist nach tagelangem Tauziehen vereinbart.

Die Regierungen von Bayern und Sachen wollen an diesem Dienstag nach entsprechenden Kabinettsbeschlüssen die Auszahlung anweisen, sagte der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) in einer gemeinsamen Erklärung nach Beratungen in Berlin. Der Bund werde die Staatsbank KfW beauftragen. Die Zustimmung der EU-Kommission stand allerdings noch aus: Sie werde an diesem Dienstag erwartet, hieß es.

Der Quelle-Katalog früher und heute

Der Quelle-Katalog: Früher und heute

Bei Quelle wurde die Entscheidung mit riesiger Erleichterung aufgenommen. “Jetzt gehts los!“, jubelte Quelle- Gesamtbetriebsratschef Ernst Sindel. Er sprach von einer richtungsweisenden Entscheidung der Bundesregierung und der Landesregierungen. “Das gibt wahnsinnige Motivation.“ Der Kredit versetze Quelle in die Lage, den Geschäftsbetrieb wieder aufzunehmen. “Vor uns liegt eine Menge Arbeit“, sagte Sindel. “Aber wir haben jetzt die Chance zu beweisen, dass unsere Konzepte tragen.“ Allein in Bayern hängen mehr als 10 000 Arbeitsplätze von Quelle ab.

25 Millionen von Bayern und Sachsen

Mit dem Kredit soll Quelle den Geschäftsbetrieb zunächst aufrechterhalten können. Bayern und Sachsen übernehmen zusammen 25 Millionen Euro. Die anderen 25 Millionen Euro kommen vom Bund und werden über die KfW ausgezahlt. Der sogenannte Massekredit soll bis zum 31. Dezember 2009 laufen. Fahrenschon sagte, das sei das langersehnte positive Signal für Quelle. Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg gab sich dagegen verhalten optimistisch. Er erklärte: “Ich hoffe sehr, dass wir jetzt eine Basis haben, auf der wir beginnen können, die Gesellschaft zu reorganisieren.“ Dies sei aber kein “Selbstgänger“. Er hoffe jedoch auf einen “guten Ausgang“, sagte Görg.

Quelle kann seine Lieferanten schon nicht mehr bezahlen und ist seit Wochen darauf angewiesen, dass sie im Vertrauen auf die Staatshilfe in Vorleistung gehen. Auch die Druckerei des Quelle- Katalogs begann Freitagabend im Vertrauen auf Staatshilfe mit der Auslieferung von mehr als 100 000 Katalogen. Eigenes Geld hat Quelle nicht mehr, weil das Unternehmen kurz vor dem Insolvenzantrag alle finanziellen Mittel an den Mutterkonzern Arcandor überweisen musste.

Seehofer: „Quelle bekommt faire Chance“

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) begrüßte die Entscheidung. “Damit bekommt Quelle in schwieriger Lage endlich eine faire Chance“, sagte er laut Mitteilung am Montagabend in München. Dies hätten das Unternehmen und die 10 000 Familien der Quelle-Mitarbeiter verdient, und es sei auch verantwortbar. Die nächsten Wochen und Monate müssten nun konsequent genutzt werden, denn Quelle habe noch einen schwierigen Weg vor sich.

Zeil: „Irritationen sind beendet“

Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) bezeichnete den Massekredit für Quelle als positives Signal für Unternehmen und Mitarbeiter. “Damit sind die Irritationen der letzten Tage beendet. Diese Zitterpartie hätten wir uns sparen können“, erklärte er laut Mitteilung. Das Ergebnis der Verhandlungen schaffe auch für die zahlreichen Zulieferer die nötige Sicherheit.

Quelle-Geschäftsführer Konrad Hilbers sagte, man werde alles tun, um die jetzt eröffnete Chance zu nutzen und das Quelle-Geschäft erfolgreich weiterzuentwickeln. Der Chef der Versandsparte Primondo des Arcandor-Konzerns, Marc Sommer, betonte, Quelle habe in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung vollzogen weg vom traditionellen Versandhändler hin zum Internet-basierten Homeshopping-Anbieter. “Damit hat sich Quelle eine Perspektive erarbeitet, die durch die jetzige Entscheidung bestätigt wird.“

Fürther OB: „Spät, aber nicht zu spät“

Erleichtert zeigte sich auch der Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD). “Spät, aber nicht zu spät“ sei der weitere Geschäftsbetrieb vorerst abgesichert, erklärte er. Auch wenn vor dem Fürther Versandhaus noch ein dorniger Weg liege, so könne dieser Weg jetzt wenigstens weiter beschritten werden.

Die Beratungen über den Kredit hatten am Montagnachmittag begonnen. Sie dauerten bis in den späten Abend hinein. An den Gesprächen nahmen Staatssekretäre der Bundesregierung, Vertreter der Länder Sachsen und Bayern, der Banken sowie von Quelle und der vorläufige Insolvenzverwalter Görg teil.

dpa

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