Die Supermacht verliert ihren Nimbus als Top-Schuldner

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Bonität der USA von der Bestnote "AAA" auf "AA+" herabgestuft.

Washington - Kalte Dusche für Barack Obama und die US-Wirtschaft. Die Ratingagentur S&P stuft die US-Bonität herab. Die Versuche von Regierung und Kongress, die Schulden in den in Griff zu bekommen, seien nicht überzeugend.

Mit der Herabstufung der Bonität Washingtons hat die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Angst vor einer weltweiten Krise verstärkt. Zur Begründung hieß es, die beschlossenen Schritte zum Abbau des Staatsdefizits gingen nicht weit genug, um die Schuldenkrise nachhaltig zu stabilisieren. Zuvor hatte bereits ein Kurssturz an den internationalen Börsen die Furcht vor einer schweren Krise genährt. In Deutschland reagierten Ökonomen und Politiker mit einer Mischung aus Warnungen und Beschwichtigungen.

Die Senkung um eine Stufe, von “AAA“ auf “AA+“, erfolgte am Freitagabend (Ortszeit) nach Handelsschluss an der Wall Street. Mit der Herabstufung senkte S&P zugleich der Ausblick für die US-Bonität auf “negativ“. Demnach könnte innerhalb der nächsten zwei Jahre eine weitere Korrektur der Bonitätsbewertung auf “AA“ erfolgen, falls die von der US-Regierung ausgegeben Sparziele nicht eingehalten werden.

Eine Herabstufung der US-Bonität kommt nicht völlig überraschend. Die drei wichtigsten Ratingagenturen S&P, Moody's und Fitch hatten während des Haushaltsstreits in den USA mit einem entsprechenden Schritt gedroht. Experten erwarten nun, dass die Änderung der Bewertung zu Beginn der Handelswoche am Montag zu Verkäufen führen wird. Allerdings könnten jegliche Verluste von kurzer Dauer sein.

Chronologie: Schuldenkrise im Euroland

Euro-Schuldenkrise - Eine Chronologie

Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, sagte der Nachrichtenagentur dapd, er erwarte einen Ausverkauf amerikanischer Staatsanleihen und weitere Turbulenzen an den Märkten. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger versuchte hingegen zu beruhigen: “Die USA können nicht insolvent werden.“

China kritisierte Washington nach der Entscheidung von S&P scharf für seine “Schuldenabhängigkeit“ und forderte umfangreiche Sparmaßnahmen. Peking hält 1,2 Billionen Dollar an US-Schulden, mehr als jedes andere Land.

Als “größter Gläubiger der einzigen Supermacht der Welt“ habe China das Recht, von der US-Regierung zu fordern, dass sie ihre strukturellen Schuldenprobleme angehe, hieß es in einem von der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlichten Kommentar. Washington müsse außerdem eine internationale Aufsicht über US-Dollar-Angelegenheiten akzeptieren, zudem sei möglicherweise eine neue Weltreservewährung als Ersatz für den Dollar nötig.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte wegen der Verschärfung der Krise am Freitagabend ihren Urlaub unterbrochen, um sich mit wichtigen europäischen Partnern und den USA über die aktuellen Entwicklungen in der Eurozone und auf den Finanzmärkten zu beraten. Sie telefonierte mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, dem britischen Premierminister David Cameron und dem US-Präsidenten Barack Obama. Vertreter der G-7-Staaten wollen nach Informationen der Nachrichtenagentur AP wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten über eine Koordinierung von Maßnahmen ihrer Zentralbanken beraten.

dapd

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser