Kathrein-Sohn Anton junior im Interview

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von links: Anton Kathrein, Walter Staniszewski, Frank Ullmann, Christian Harel und Norbert Schindler

Rosenheim - Er ist 28 Jahre alt und übernimmt jetzt die Leitung der Kathrein KG: Die OVB-Heimatzeitungen haben mit Anton Kathrein gesprochen.

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Die Redaktion der OVB-Heimatzeitungen hat sich mit dem neuen persönlich haftenden Gesellschafter der Kathrein KG, Anton Kathrein, mit Norbert Schindler, zuständig für den Bereich Finanzen, Personal und Informationstechnologie, und Pressesprecher Rudolf Sonnleitner unterhalten.

Vor einem Jahr hat der verstorbene Professor Dr. Anton Kathrein die Verantwortung auf mehr Schultern verteilt. Aus welchem Anlass?

Kathrein: Es gab eine alte Firmenstruktur und deshalb schon seit Längerem Überlegungen, etwas zu ändern nach dem Motto: Geschwindigkeit beschleunigen, Qualität garantieren.

Schindler: Den Stein ins Rollen gebracht haben dann die Ereignisse bei der Firma Katek (Anmerkung der Redaktion: In dem zu Kathrein gehörenden Betrieb gab es erhebliche Unregelmäßigkeiten).

Was die Menschen in der Region am meisten interessiert: Sind die Arbeitsplätze sicher?

Kathrein: Es sind keinerlei Veränderungen geplant. Insofern sind die Arbeitsplätze sicher. Wir können natürlich nicht sagen, wie es in 15 Jahren aussieht. Wir müssen uns stets den Märkten anpassen.

Herr Kathrein, war es für Sie immer klar, dass Sie in die Fußstapfen Ihres Vaters treten würden?

Kathrein: Zu Schulzeiten habe ich mir diese Frage schon gestellt. Ich wollte mich da nie unter Druck setzen lassen und mir auch selber keinen Druck machen. Aber mir war schnell klar: Das ist auch mein Betrieb, und das ist mein Weg.

Sie haben Elektrotechnik studiert mit Schwerpunkt Hochfrequenztechnik. Sind Sie eher ein Techniker?

Kathrein: Ich habe mich nie in einem Labor sitzen und tüfteln sehen. Das technische Verständnis hilft auf jeden Fall, Weichen für Entscheidungen zu stellen. Mein persönlicher Plan war, eine wirtschaftliche Ausbildung draufzusetzen. Das möchte ich auf jeden Fall noch tun, eventuell mit einem berufsbegleitenden Studium.

Sonnleitner: Man muss dazu sagen, dass Anton Kathrein junior im Unternehmen eine sehr hohe Akzeptanz genießt. Sein Technikverständnis wird sehr geschätzt.

Bleibt es bei der bisherigen Gesellschaftsform für die Kathrein KG?

Kathrein: Ja – ohne Wenn und Aber. Durch den Wechsel gibt es keinen Handlungsbedarf.

Professor Kathrein war Mehrheitseigentümer von 61 Tochteruntenehmen weltweit. Was geschieht mit diesen Firmen?

Kathrein: Auch da gibt es keine Änderungen.

Ist ein Börsengang geplant oder wird man sich am Kapitalmarkt bedienen, möglicherweise Anleihen auflegen?

Schindler: Ein Börsengang ist ausgeschlossen. Dass man sich am Kapitalmarkt bedient, kommt immer wieder vor. Aber es wird keine Konstruktion geben, bei der irgendjemand anderer als die Eigentümerfamilie ein Mitspracherecht bekommt. Es gab ja Zeiten, da war es für Betriebe wie diese sehr schwierig am Kapitalmarkt. Heute wird ein Familienunternehmen positiv gesehen. Da küsst man uns die Füße.

Macht Ihnen das Erbschaftsrecht Probleme?

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Schindler: Es entsteht eine Steuerschuld, die in zehn Jahren getilgt ist, wenn die Arbeitsplätze erhalten bleiben, also eine bestimmte Lohnsumme erreicht wird. Dass es diese Regelung gibt, ist in ganz hohem Maß ein Erfolg von Professor Kathrein. Man kann schon sagen, dass er bei diesem Thema gegenüber seinen Gesprächspartnern oft bis an die Grenze des Erträglichen penetrant war. Aber die breite Front aus Bayern mit Kathrein war sehr wirkungsvoll. Heraus kam, dass Erbschaftsrecht keine Führungsstrukturen zerstören und keine Arbeitsplätze vernichten darf.

Sonnleitner: Und damit gibt es auch keine Abwanderung nach Österreich.

Wird es weiterhin einen Expansionskurs geben?

Kathrein: Jede Firma möchte wachsen. Wir sehen dafür derzeit gute Chancen im Mobilfunkbereich. In einer Partnerschaft mit Ericsson hat Kathrein eine Antenne auf den Markt gebracht, die technische Funktionen bündelt, ungemein energiesparend ist und zudem wesentlich schneller zu montieren ist. Einer der ersten großen Kunden dafür war T-Mobile in den Vereingten Staaten. Insgesamt setzen wir auf ein organisches Wachstum.

Schindler: Kathrein hat ja meistens keine Firmen dazugekauft, sondern neue gegründet. Eine der großen Ausnahmen war Blaupunkt. Da sind wir mit 700 Mitarbeitern im Bereich Autoantennen auf dem Weg, Weltmarktführer zu werden.

Stichwort Fachkräftemangel: Können Sie alle hochqualifizierten Arbeitsplätze besetzen oder müssem Sie an andere Orte ausweichen, vielleicht sogar in andere Länder?

Sonnleitner: Derzeit sind 31 Ingenieursstellen nicht besetzt. Wir suchen zwar ständig, aber ein echtes Problem ist es noch nicht, Leute zu finden.

Herr Kathrein, Ihr Vater war in der Region fest ins gesellschaftliche Leben eingebunden. Von Ihnen weiß man noch wenig. Wie sehen Sie sich selbst im Vergleich zu Ihrem Vater?

Kathrein: Auf keinen Fall will ich ihn kopieren. Er war er und ich bin ich. Aber auch ich bin sehr verbunden mit der Region.

Einige Vereine und Organisationen konnten sich stets auf Zuwendungen Ihres Vaters verlassen. Die warten sicher auf ein Signal von Ihnen.

Kathrein: Der Schwerpunkt liegt für mich erst einmal auf der Firma. Natürlich werde ich nicht über lange Jahre gewachsene Verbindungen von heute auf morgen kappen. Ich werde aber sicher nicht im gleichen Stil verfahren. Ich muss meinen eigenen Weg finden. Selbstverständlich weiß ich, dass wir als größter Arbeitgegeber in der Region eine gesellschafliche Verantwortung haben.

Sonnleitner: Es gibt ja auch viele langfristige Verträge. In diesen und vielen anderen Angelegenheiten wird man sicher nach einem Lieblingswort des verstorbenen Professors vorgehen – „unaufgeregt“.

re/OVB-Heimatzeitungen

Bilder & Video aus dem Archiv:

Trauerfeier Anton Kathrein

Die Trauerfeier für Anton Kathrein

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