Arbeitslosigkeit auf niedrigstem Stand des Jahr

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Rosenheim - „Die Konjunktur läuft nach wie vor gut“, so die Agenturleiterin Dr. Nicole Cujai bei der Bekanntgabe der aktuellen Arbeitsmarktdaten der Agentur für Arbeit Rosenheim.

Gute Konjunktur beschert einen „goldenen Oktober“ auf dem Arbeitsmarkt

„Mittlerweile liegen uns auch die neuesten Beschäftigtendaten vom März dieses Jahres vor. Sie weisen gegenüber dem Vorjahr eine Zunahme bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung aus und zwar ein Plus von 3 400 auf insgesamt 165 680. Im Agenturbezirk Rosenheim, der die kreisfreie Stadt Rosenheim sowie die Landkreise Rosenheim, Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen umfasst, geht diese stabile Konjunkturlage mit einem kontinuierlichen Abbau der Arbeitslosigkeit einher und hat jetzt im Oktober mit 7 670 arbeitslosen Männern und Frauen den niedrigsten Stand in diesem Jahr erreicht. Die Arbeitslosenquote ist auf 2,8 Prozent (Vormonat 2,9 und Vorjahr 2,7 Prozent) zurückgegangen.

Statistiken:

Von September auf Oktober sinkt üblicherweise die Zahl der Arbeitslosen. In diesem Jahr ergibt sich ein Minus von 410 und bewegt sich damit in einer ähnlichen Größenordnung wie im vergangenen Jahr. Maßgeblichen Anteil daran hat nicht nur die stabile Konjunktur, sondern auch der goldene Oktober mit seinen warmen Temperaturen. Viele „Außenberufler“, wie zum Beispiel Maurer, Betonbauer, Forstwirte, Gärtner können bei diesem Wetter unproblematisch weiterarbeiten. Gleichzeitig haben die Betriebe die entsprechenden Aufträge, um sie zu beschäftigen. Die vielen Klein- und Mittelbetriebe im Agenturbezirk tragen mit ihrer Branchenvielfalt zum guten Arbeitsmarkt bei.

O-Ton Dr. Nicole Cujai:

O-Ton

Betrachtung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen: Bei den arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren zeichnet sich ein positiver Trend ab. Zur Monatsmitte (Stichtag 15. Oktober) waren 170 junge Menschen weniger gemeldet als noch im September. Die Zahl insgesamt ist auf 675 zurückgegangen, die Arbeitslosenquote beträgt 1,9 Prozent. Bei den älteren Erwerbslosen (55 Jahre und älter) ist die Zahl zwar nur marginal auf 1 980 gesunken, auch hier ist aber eine erfreuliche Entwicklung erkennbar. Die Arbeitslosenquote dieser Personengruppe liegt bei 4,5 Prozent. Von den insgesamt 7 670 Arbeitslosen haben 1 360 eine andere als die deutsche Staatsangehörigkeit, sie sind vom Status her „Ausländer“. Bei ihnen errechnet sich eine Arbeitslosenquote von 5,5 Prozent.

Insgesamt betrachtet haben sich in diesem Monat mehr Menschen bei der Arbeitsagentur und den Jobcentern abgemeldet als neu dazugekommen sind. In Zahlen ausgedrückt waren es 2 905 Abgänge und 2 520 neue, beziehungsweise erneute Anmeldungen (Zugänge).

Die Arbeitslosen werden je nach Anspruch auf Arbeitslosengeld entweder von der Arbeitsagentur oder den Jobcentern betreut. Diese sind nach Rechtskreisen aufgeteilt und zwar Arbeitsagentur (Rechtskreis SGB III) und Jobcenter (Rechtskreis SGB II). Die Arbeitsagentur ist derzeit für 4 080 Arbeitslose zuständig, ein Minus zum Vormonat um 300 Personen. Von den vier Jobcentern (einschließlich der Optionskommune Miesbach) werden 3 590 Arbeitslose betreut, das sind 110 Personen weniger als im Vormonat.

Die zu besetzenden Arbeitsstellen werden vom gemeinsamen Arbeitgeberservice unter der kostenlosen Hotline-Nummer 0800 4 5555 20 entgegen genommen. 950, davon 890 sozialversicherungspflichtige Stellenangebote sind in diesem Monat eingegangen. Die meisten sind für sofort zu besetzen. 990 wurden im selben Zeitraum aus dem Fachverfahren beziehungsweise der Jobbörse herausgenommen, weil Bewerbungs-Stopp war, die Stelle besetzt werden konnte oder sie eventuell storniert wurde. Zur Monatsmitte gab es noch 2 760 Offerten. Gute Chancen bieten sich für alle Verkaufsberufe (einschließlich Lebensmittel allgemein, sowie Bäckerei und Metzgerei), handwerkliche und industrielle Metall- beziehungsweise Elektroberufe, darüber hinaus für alle Jobs, die im Hotel- und Gaststättengewerbe angesiedelt sind. Bei den Arbeitsstellen, die in der Alten- und Krankenpflege angeboten werden, ist die Situation inzwischen so, dass sich deroder die Bewerber/in die Stelle, die die besten Konditionen bietet, aussuchen kann. Hier konkurrieren viele Häuser um die Gunst weniger.

Der Arbeitsmarkt in den einzelnen Regionen des Agenturbezirkes Rosenheim:

In der Stadt Rosenheim ist die Zahl der Arbeitslosen mit 1 486 Betroffenen gegenüber dem Vormonat um 101 Personen gesunken. Die Arbeitslosenquote fiel um 0,3 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent. Von den betroffenen Personen werden derzeit 567 (minus 56) im SGB III – Bereich von der Agentur für Arbeit in Rosenheim betreut. Die Zahl der durch das Jobcenter Rosenheim Stadt betreuten Kunden im SGB II – Bereich ist mit 919 gegenüber dem Vormonat um 45 gesunken.

Der Landkreis Rosenheim weist eine Arbeitslosenquote von 2,5 Prozent auf (Vormonat 2,6 Prozent). Hier sind mit 3 203 erwerbslosen Personen 216 weniger gemeldet als im September. Von den Beschäftigungslosen werden 1 862 Personen durch die Hauptagentur in Rosenheim (SGB III) betreut, 180 weniger als im September. Das Jobcenter Landkreis Rosenheim (SGB II) ist für 1 341 Frauen und Männer zuständig, 36 weniger als im Vormonat.

Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen verzeichnet mit 1 687 gemeldeten Arbeitslosen eine Abnahme (minus 60) bei der Arbeitslosigkeit. Die Quote ist mit 2,6 Prozent um 0,1 Prozentpunkte gesunken. Die Arbeitsagenturen Bad Tölz und Wolfratshausen betreuen insgesamt 917 Erwerbslose, 30 weniger als im Vormonat. Das Jobcenter Bad Tölz-Wolfratshausen kümmert sich um 770 SGB II – Kunden (minus 30 gegenüber dem Vormonat).

Im Landkreis Miesbach ist die Arbeitslosenquote mit 2,6 Prozent gegenüber dem Vormonat gleichgeblieben. Hier sind derzeit 1 293 Personen erwerbslos gemeldet, 32 weniger als im Vormonat. 737 Männer und Frauen werden von der Agentur für Arbeit in Holzkirchen betreut, 31 weniger als im September. Im SGB II-Rechtskreis ist die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat in etwa gleich geblieben, aktuell sind 556 SGB II – Kunden als arbeitslos gemeldet.

Allgemeine Hinweise:

  • Ab Berichtsmonat Mai 2012 wurden die Bezugsgrößen zur Berechnung der Arbeitslosenquote aktualisiert.
  • Seit Berichtsmonat März 2011 ist die statistische Berichterstattung zu Arbeitslosigkeit und Arbeitsuche auf eine integrierte Datenbasis umgestellt. Die Daten aus VerBIS und XSozial werden in den Statistik-IT-Verfahren nun so zusammengeführt, dass ein zutreffender Verlauf der einzelnen Arbeitslosigkeitsperioden zugrundegelegt wird – auch dann, wenn Arbeitslose in einen anderen Trägerbezirk wechseln. Insbesondere können durch das neue Verfahren Doppelerfassungen von Arbeitslosen vermieden werden.

Gute Chancen für Jugendliche, aber so manche Lehrstelle bleibt unbesetzt

„Für die Jugendlichen ist die Lage auf dem Ausbildungsmarkt sehr gut, Firmen dagegen können nicht mehr alle Ausbildungsstellen besetzen“, so Dr. Nicole Cujai, Leiterin der Agentur für Arbeit Rosenheim. Cujai weiter: „Am Ende des so genannten „Berufsberatungsjahres“, das immer vom 1. Oktober bis zum 30. September des darauffolgenden Jahres läuft, ziehen wir von der Agentur für Arbeit Bilanz über die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt. Die abschließenden Daten, die uns nun vorliegen, zeigen, dass sich die Situation gegenüber den letzten beiden Jahren nicht wesentlich verändert hat. Bei detaillierter Betrachtung sind allerdings deutliche Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage erkennbar. Positiv stellt sich die Situation für die jungen Menschen in unserem Agenturbezirk dar. Nahezu alle Jugendlichen konnten eine Ausbildungsstelle antreten, beziehungsweise haben eine Alternative ergriffen. Für die Firmen verschärft sich allerdings das Problem, dass sie ihre freien Ausbildungsplätze nicht mehr oder nicht mehr zu hundert Prozent besetzen können. Der eine oder andere Betrieb ging auch heuer wieder „leer“ aus. Ich kann nur alle Personalentscheider in Industrie, Handwerk und Dienstleistung ermuntern und aufrufen, schauen Sie sich auch Spätstarter an, junge Erwachsene, die gejobbt und noch nie eine Ausbildung begonnen haben, oder Studenten, die mit 25/26 Jahren ihr Studium abbrechen und nun gerne eine verkürzte Berufsausbildung machen möchten. Die Kampagne der Bundesagentur für Arbeit „AusBILDUNG wird was – Spätstarter gesucht“ zielt genau in diese Richtung.“

Der Ausbildungsstellenmarkt im Detail: Insgesamt hatten sich 3 341 Bewerber (1 834 junge Männer und 1 507 Mädchen) im Laufe des Berufsberatungsjahres bei der Agentur für Arbeit für die Vermittlung in eine Ausbildungsstelle vormerken lassen, darunter 449 Jugendliche mit ausländischer Nationalität. Damit liegt die Zahl der Bewerber etwas höher als im Vorjahr (plus 40). Cujai dazu: „Wir hier im Agenturbezirk Rosenheim, zu dem die kreisfreie Stadt Rosenheim, sowie die Landkreise Rosenheim, Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen gehören, profitieren davon, dass diese Region eine Zuzugsregion auch für junge Familien mit Kindern ist. Der Rückgang der Schulentlasszahlen fällt daher noch nicht so ins Gewicht.“

Die Ausbildungsbereitschaft ist gut und wird getragen von vielen Klein- und Mittelbetrieben mit einer breiten Palette an Ausbildungsberufen. Dennoch rangieren bei den Ausbildungswünschen, wie schon in den vergangenen Jahren, die kaufmännischen Berufe im Einzelhandel und im Bürobereich ganz oben. Bei den Jungs steht eine Ausbildung im Handel direkt an erster Stelle, gefolgt vom Kfz-Mechatroniker für PKWs, dann folgt der Industriemechaniker. Bei den Mädchen rangiert die Bürokauffrau ganz vorne, gefolgt von der Kauffrau im Einzelhandel und der medizinischen Fachangestellten (siehe Grafik). Die meisten Jugendlichen äußern in der Regel mehrere Berufswünsche, die Zuordnung erfolgt aber grundsätzlich nach dem Hauptberufswunsch. Unter der Gesamtzahl der Bewerber ist eine Reihe von „Altbewerbern“, damit sind die Jugendlichen gemeint, die bereits im Vorjahr oder schon vor längerer Zeit die allgemeinbildende Schule verlassen haben. Cujai dazu: „Wir wissen und verstehen auch, dass jeder Betrieb gerne einen Top-Bewerber möchte. An dieser Stelle ist jedoch auf Grund der demografischen Entwicklung und des Bildungsverhaltens gerade der guten Schüler/innen eine Umorientierung notwendig. Denn die Jugendlichen, die gute und sehr gute Noten haben, entscheiden sich mittlerweile häufig für eine weiterführende Schule oder direkt für ein Studium. Ich möchte den Betrieben daher zwei Strategien zur Nachwuchsgewinnung ans Herz legen. Prüfen Sie, ob Sie in Ihrem Unternehmen – unabhängig von der Betriebsgröße – für gute Bewerber/innen nicht ein duales Studium einrichten können. Unsere Hochschule in Rosenheim ist hier sehr aktiv und bietet verschiedenste Studiengänge in dieser Richtung an. Andererseits sollten Sie zu Zugeständnissen bereit sein, wenn sich junge Menschen bewerben, die nicht unbedingt zu den schulischen Olympioniken zählen. In ihnen schlummern Fähigkeiten, die vielleicht nur geweckt und gefördert werden müssen.“

Ein Blick auf die Angebotsseite: Seit Beginn des Berichtsjahres wurden der Rosenheimer Arbeitsagentur 3 595 Lehrstellen gemeldet, 3 510 für eine betriebliche Ausbildung und 85 in überbetrieblichen Ausbildungseinrichtungen. Damit haben Betriebe, Verwaltungen und die so genannten freien Berufe, 28 Stellen weniger gemeldet als im Berufsberatungsjahr 2011/2012. Ende September waren noch 340 Lehrstellen, fast 100 weniger als im Vorjahr zu besetzen. Stellen gibt es im Besonderen noch für Ernährungsberufe wie Koch/Köchin (21 Stellen), für Hotel- und Gaststättenberufe (21 Stellen für Hotelfachmann/frau, 10 für Restaurantfachmann/frau, 31 für Fachmann/frau Systemgastronomie), sowie für Ausbildungen im Handel, insgesamt 86 Stellen, davon viele im Lebensmittelbereich.

Martin Rippel, Teamleiter Berufsberatung, ergänzt: „Trotz des guten Stellenangebotes war es dennoch für so manchen Jugendlichen nicht einfach, eine Lehrstelle zu finden. Nach wie vor spielen der Schultyp, das Zeugnis und die darin enthaltenen Bemerkungen eine große Rolle bei der Erstauswahl der Bewerber. Umso erfreulicher fällt die Abschlussbilanz des Ausbildungsmarktes aus. Lediglich 26 Jugendliche blieben „unversorgt“, das heißt, sie haben (noch) keine Ausbildungsstelle angetreten und es konnte auch (noch) kein Alternativangebot unterbreitet werden. Insgesamt ist es so, dass von den 3 341 Bewerbern 2 132 eine Ausbildung begonnen haben. Es wurden aber auch andere Wege eingeschlagen. So haben sich 517 für eine weitere Schulbildung oder ein Studium entschieden. Wieder andere entschlossen sich für ein freiwilliges soziales/ökologisches Jahr (unter anderem Bundesfreiwilligendienst) oder jobben vorübergehend. Knapp 51 Jugendlichen konnte als Alternative zur Ausbildung eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme angeboten werden.“

Die Abschlussbilanz des Ausbildungsstellenmarktes in den einzelnen Regionen des Agenturbezirks Rosenheim sieht folgendermaßen aus:

Stadt und Landkreis Rosenheim: 232 unbesetzte Stellen, 25 „unversorgte“ Jugendliche.

Landkreis Miesbach: 45 freie Lehrplätze, nahezu alle Jugendlichen sind versorgt.

Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: 63 offene Stellen, alle Jugendlichen sind versorgt. 

Pressemeldung Agentur für Arbeit Rosenheim

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