„Die richtige Krise im richtigen Moment“

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Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher

Rosenheim - Mit einem fesselnden Vortrag über die derzeitigen Begebenheiten und wirtschaftlichen Entwicklungen in der Welt begeisterte jetzt Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher im KU’KO.

Fast 600 Gäste waren der Einladung der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling gefolgt, die den renommierten Wirtschaftswissenschaftler und Globalisierungsvisionär nach Rosenheim holte.

Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Alfons Maierthaler freute sich über das Wiedersehen mit Franz-Josef Radermacher, der vor einigen Jahren schon einmal als Referent für eine Vortragsreihe der Sparkasse auf der Bühne stand. „In was für einer Welt leben wir und in was für einer Welt wollen wir leben?“ fragte Maierthaler das Publikum. Er betonte die große Bedeutung der Nachhaltigkeit, um die Welt und unsere Zukunft positiv zu gestalten. „Zukunft braucht Nachhaltigkeit“ sei die These der Sparkasse und ihr Schlüssel zum Erfolg.

Prof. Franz-Josef Radermacher, der für sein Engagement für eine weltweite ökosoziale Marktwirtschaft vielfach ausgezeichnet wurde und als Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen und politischen Gremien mitwirkt, knüpfte an Maierthalers Plädoyer an und wagte einen Blick in die Zukunft.

Als einer der Väter der „Global Marshall Plan Initiative“ setzt er sich für eine gerechtere Globalisierung ein. Auf welchem Weg die Welt sich befindet und ob und wie ein gerechtes globales Miteinander möglich ist, war Kernthema seines Zukunfts-Referats „Die Welt im Jahr 2050“.

Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher

Mit zahlreichen aktuellen Beispielen zeichnete Prof. Radermacher die Situation der Welt nach, in der wir heute leben – eine Welt, die geprägt ist von Wissen und Fortschritt, trotzdem aber mit Armut, Hunger und Ungerechtigkeit zu kämpfen habe. „Der Mensch kann mit seinem Verstand fast alles“, so Radermacher, „das heißt aber nicht, dass er die Probleme der Welt lösen kann.“

Insbesondere der „Bumerang-Effekt“ trage dazu bei: „Die Lösung von Problemen trägt ein Problem in sich, das größer ist als das eigentlich zu lösende Problem“, erklärte er. „Deswegen haben wir so viele Probleme, obwohl wir so viele Werkzeuge hätten, um sie zu lösen.“

Einen weiteres Hindernis sieht Radermacher in einem schwer zu erreichenden globalen Konsens: „Wir haben eine Struktur, die nicht in der Lage ist, die Meinungen aller Menschen auf der Welt zusammenzuführen.“ Blicke man in die Zukunft, könne es durchaus sein, dass sich globale Spannungen in einer Zweiklassengesellschaft auflösen, so der Wirtschaftswissenschaftler.

Ob es so weit komme, hänge davon ab, wie wir die Welt politisch organisieren wollen. Positive Ansätze für eine „Welt in Balance“ gäbe es. So führte Radermacher etwa die Lehren und Konsequenzen aus der Finanzmarktkrise an oder beschrieb die Moralisierung der Märkte durch ethischen Konsum.

Insgesamt zog er ein positives Fazit: „Wir haben eine gute Chance.“ Den Lerneffekten, die durch Krisen entstehen, sprach er dabei eine große Bedeutung zu: „Wir brauchen die richtigen Krisen im richtigen Moment, in der richtigen Reihenfolge und in der richtigen Dimensionierung.“

Pressemitteilung Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling

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