RWE-Zukunftstochter

Innogy plant trotz Ergebnis-Flaute keinen Stellenabbau

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Hohe Kosten für die Instandhaltung der Energienetze setzen der RWE-Tochter Innogy zu. Foto: Roland Weihrauch

Wenn der Wind weht, klingt beim Ökostromkonzern Innogy die Kasse. Wenn nicht, wie im vergangenen Jahr, müssen die Essener Strommanager Gewinnrückgänge verkünden. Stellenabbau ist aber nicht geplant. Derweil soll der Energiekonzern Engie eine Übernahme erwägen.

Essen (dpa) - Die neue RWE-Ökostromtochter Innogy hat im ersten Jahr gleich die tückischen Seiten der Energiewende zu spüren bekommen: Weil 2016 ungewöhnlich wenig Wind wehte, ging die Stromproduktion aus den Windkraftwerken und damit der Gewinn des Unternehmens zurück.

"Auch im Geschäft mit der Energiewende fällt das Geld nicht vom Himmel", sagte Konzernchef Peter Terium am Montag bei der Bilanzpressekonferenz in Essen. Mehr als 80 Prozent des von Innogy produzierten Stroms kommen aus Windkraftwerken. Gleichzeitig musste das Unternehmen viel Geld für den Erhalt der Stromnetze ausgeben.

Das betriebliche Ergebnis (um Sondereffekte bereinigtes Ebitda) schrumpfte um 7 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro, das Nettoergebnis um gut 6 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr rechnet Innogy aber wieder mit einem steigenden Ergebnis, wie Terium ankündigte.

Grund für die Flaute war die sogenannte Nord-Atlantische Oszillation, wie der Konzernchef erklärte: Kräftigen Wind habe es deshalb nur im Mittelmeerraum gegeben, aber nicht im Nord-Westen. Terium nahm es mit Humor: "Wetterschwankungen gehören zum Geschäft wie der Stau zur A40" - der Autobahn, die mitten durch Essen führt.

Für die Aktionäre plane Innogy 1,60 Euro Dividende und damit eine maximale Ausschüttung von rund 80 Prozent des bereinigten Nettoergebnisses, sagte Terium. Stellenabbauprogramme seien trotz des geschrumpften Gewinns für 2017 und 2018 nicht geplant. Innogy beschäftigt mehr als 40 000 Menschen.

Mit dem neu geschaffenen Konzern hat RWE 2016 sein Zukunftsgeschäft mit Netzen, Vertrieb und Ökostrom gebündelt. Bei RWE selbst verblieben die Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke sowie der Großhandel mit Strom. Innogy war erst im Oktober an die Börse gegangen. RWE hält mit knapp 77 Prozent weiterhin deutlich die Mehrheit.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg erwägt der französische Strom- und Gaskonzern Engie eine Übernahme von Innogy. Der frühere Staatskonzern berate sich derzeit mit Experten, berichtete Bloomberg am Montagabend unter Berufung auf gut informierte Kreise. Eine finale Entscheidung sei noch nicht getroffen worden, der Deal könne auch noch abgeblasen werden. An der Börse ist Innogy derzeit etwa 18,6 Milliarden Euro wert. Weder Engie noch Innogy oder RWE wollten sich zu den Spekulationen äußern. "Marktgerüchte kommentieren wir nicht", sagte eine Innogy-Sprecherin.

Innogy zählt mit 23 Millionen Gas- und Stromkundenverträgen zu den großen Anbietern in Europa. Auf Deutschland entfielen stabile 6,8 Millionen. Zweitgrößter Markt ist Großbritannien mit 2,9 Millionen nach fast 3 Millionen Kunden im Vorjahr.

Dort hatte eine misslungene Umstellung eines Computerprogramms für Abrechnungen das Geschäft massiv belastet und für rote Zahlen gesorgt. Innogy bemüht sich um Abhilfe. Für 2016 sei der operative Verlust im Land von 137 bereits auf 109 Millionen Euro eingedämmt worden. Für 2017 rechne er dort wieder mit einem kleinen Gewinn, sagte Terium. Unter Konkurrenzdruck steht der Innogy-Vertrieb auch in den Niederlanden.

Wichtigste Sparte des Unternehmens sind die Netze: Sie erwirtschafteten mit 2,6 Milliarden Euro deutlich mehr als die Hälfte des Betriebsergebnisses. Bei den erneuerbaren Energien schrumpfte der Betriebsgewinn um fast ein Fünftel auf 671 Millionen Euro. Innogy habe hier aber neue Investitionspläne auch in den USA, sagte Terium. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier unser erster Windpark ans Netz geht."

Die wenig energiewendefreundliche Haltung der Regierung von US-Präsident Donald Trump hindere ihn dabei nicht, sagte Terium. Die Energiepolitik liege stark in der Verantwortung der Bundesstaaten. Windreiche US-Staaten wie Texas hätten ein starkes Eigeninteresse am Ausbau der Windkraft.

Mitteilung

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