Schweizer Konzern greift nach Süd-Chemie

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Luftaufnahme des Werks Heufeld der Süd-Chemie mit dem europäischen Katalysezentrum

München/Bruckmühl - Der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant International will über 95 Prozent der Aktien der Süd-Chemie AG erwerben. Was bedeutet das für das Werk in Heufeld?

Der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant International Ltd, Muttenz, hat jetzt mitgeteilt, dass er sich mit den Großaktionären der Süd-Chemie AG, München, auf die Übernahme von insgesamt über 95 Prozent der Anteile geeinigt hat. Die Transaktion hängt von einer Reihe von Bedingungen ab, zu denen neben der kartellrechtlichen Freigabe die Durchführung einer von der Generalversammlung der Clariant zu beschließenden Kapitalerhöhung zählt.

Gemäß der unterzeichneten Vereinbarung wird One Equity Partners (OEP) seinen Mehrheitsanteil für 121 Euro je Aktie veräußern, während die Traditionsaktionäre, deren Familien zum Teil seit über einem Jahrhundert bei der Süd-Chemie investiert und unternehmerisch engagiert sind, für eine Aktie der Süd-Chemie AG 8,84 Aktien der Clariant AG erhalten werden.

Vorstand, Mehrheitseigentümer OEP und die Traditionsaktionäre der Süd-Chemie sind von den hervorragenden weiteren Entwicklungsmöglichkeiten für die Geschäfte der Süd-Chemie durch diese Transaktion überzeugt.

In den Laboren der Süd-Chemie werden innovative Anwendungen für Katalysatoren und Adsorbentien entwickelt, die eine schonende, effiziente und intelligente Nutzung natürlicher Ressourcen ermöglichen.

Die Süd-Chemie hat sich in den vergangenen Jahren zu einem weltweit starken Spezialchemieunternehmen mit hoher Wachstumskraft und Profitabilität entwickelt. Für das Geschäftsjahr 2010 ist nach dem vorläufigen und noch nicht von den Wirtschaftsprüfern testierten Konzernabschluss von einem Umsatzvolumen von 1,225 Mrd. Euro und einem um Sondereinflüsse bereinigten EBIT von 100,5 Mio. Euro auszugehen. Insbesondere infolge des 2010 erzielten Sonderertrags im Zusammenhang mit der zum 1. Dezember 2010 erfolgten Gründung des globalen Joint Ventures im Gießereichemikalienbereich mit Ashland Inc., Covington/USA, wird das Konzernergebnis (EBIT) einschließlich Sondereinflüsse voraussichtlich bei 124,4 Mio. Euro liegen und das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) bei 190,8 Mio. Euro. Die Nettofinanzverbindlichkeiten einschließlich der Pensionsrückstellungen erhöhten sich zum Bilanzstichtag auf 462,4 Mio. Euro (Vorjahr 442,1 Mio. Euro).

Der Vorstandsvorsitzende der Süd-Chemie AG, Dr. Günter von Au, sagt: "In den vergangenen Jahren hat sich die Süd-Chemie in ihren Kerngeschäften hervorragend entwickelt. Außerdem haben wir beständig in neue Wachstumsfelder investiert. Ich bin davon überzeugt, dass wir als Teil des Clariant-Konzerns unsere aussichtsreichen Geschäfte erfolgreich weiterverfolgen können. Wir begrüßen die Aussage des Vorstandsvorsitzenden von Clariant, dass er die Süd-Chemie mit ihren wachstumsstarken und zukunftsgerichteten Bereichen als ideale Ergänzung für Clariant ansieht, um in den kommenden Jahren schneller profitabel zu wachsen."

Gemäß der Vereinbarung wird sich Süd-Chemie Mehrheitsaktionär One Equity Partners (OEP) nach fünf Jahren als größter Einzelaktionär der Süd-Chemie von seinen Anteilen trennen. OEP hatte im Januar 2006 zunächst rund 39,19 Prozent der Aktien übernommen und im August 2007 den Anteil auf 50,41 Prozent aufgestockt. Seit Juni 2006 ist OEP im Aufsichtsrat der Süd-Chemie AG vertreten.

Christoph Giulini, Partner von One Equity Partners Europe GmbH, sagt: "Wir freuen uns, dass wir nach einer sehr erfolgreichen Zusammenarbeit mit Management und Traditionsaktionären ein erstklassig aufgestelltes und wachstumsstarkes Unternehmen übergeben können, um ihm neue strategische Perspektiven zu eröffnen." Die Traditionsaktionäre bleiben über den Aktientausch als zukünftige Aktionäre von Clariant an der Entwicklung der Süd-Chemie Geschäfte beteiligt. Der Vertreter der Traditionsaktionäre und ehemalige Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende der Süd-Chemie AG, Dr. Karl Wamsler: "Wir sind uns unserer Verantwortung für die Süd-Chemie bewusst. Entsprechend sorgfältig haben wir alle Möglichkeiten geprüft und sind von der Richtigkeit unserer Entscheidung überzeugt. Durch den geplanten Aktientausch bleiben wir dem Unternehmen weiterhin eng verbunden und werden seine Entwicklung aktiv mitgestalten." "Dass bereits heute über 95 Prozent der Aktionäre der Transaktion zustimmen, spricht für sich", ergänzt Professor Dr. Utz-Hellmuth Felcht, Aufsichtsratsvorsitzender der Süd-Chemie AG.

„Wir sind davon überzeugt, dass Süd-Chemie die richtige strategische Ergänzung für Clariant ist. Mit der geplanten Akquisition wird unser Portfolio mit wachstumsstarken und weniger zyklischen Geschäftsfeldern ergänzt und Zugänge zu neuen attraktiven Marktsegmenten erschlossen. Süd-Chemie wird unser profitables Wachstum in den kommenden Jahren zusätzlich vorantreiben“, findet Hariolf Kottmann, CEO der Clariant AG. „Der geplante Erwerb bringt zudem deutliche Vorteile für beide Unternehmen, denn mit unseren Investitionen können wir die Forschung insbesondere in den Zukunftsmärkten Neue Materialien und Biotechnologie gezielt stärken“, so Kottmann.

Wie ist der Standort Heufeld betroffen?

Das Süd-Chemie Werk in Heufeld: Im oberbayerischen Heufeld befindet sich das europäische Katalysezentrum der Süd-Chemie. Am hochmodernen Standort wurde vor fast 150 Jahren ein erstes Chemiewerk errichtet.

Die Süd-Chemie AG beschäftigt am Standort Heufeld aktuell 375 Mitarbeiter, darunter rund 20 Auszubildende. Müssen sie jetzt um ihre Arbeitsplätze zittern? Süd-Chemie-Pressesprecher Jochen Orlowski dazu: "Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch nicht im Detail absehbar, ob und welche Auswirkungen eine Übernahme auf Heufeld haben wird. Der Vorstandsvorsitzende von Clariant hat sich aber über den Geschäftszweig dort sehr positiv geäußert. Was in Heufeld, passiere, sei eine perfekte Ergänzung für Clariant, deshalb rechnen wir im Moment nicht mit negativen Auswirkungen." Die endgültige Entscheidung, ob Süd-Chemie von Clariant übernommen wird, fällt am 31. März 2011 bei der Clariant Generalversammlung.

Erfahren Sie mehr dazu in der morgigen Ausgabe des Oberbayerischen Volksblatts.

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