So sieht die Rettung Portugals aus

Portugal - Wochenlang wurde dementiert, jetzt bittet Portugal die EU doch um Hilfe bei der Bewältigung seiner Finanzkrise. Kein Grund zur Sorge, lautet der Tenor in Europa. Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Das hoch verschuldete Portugal bekommt als drittes Euro-Land seine Finanzen nicht mehr ohne Hilfe in den Griff. Nach Griechenland und Irland nimmt Lissabon nun Notkredite in Anspruch. Der Euro-Rettungsfonds steht bereit, allerdings sind Hilfen an strikte Auflagen geknüpft. Die Summe, die Portugal braucht, ist noch nicht bekannt. Einige Details zur Rettung:

Kommt der Antrag Portugals überraschend?

Nein, absolut nicht. Portugal war an den Finanzmärkten immer mehr unter Druck geraten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen stiegen auf neue Rekorde, Ratingagenturen stuften die Kreditwürdigkeit des ärmsten Landes in Westeuropa mehrfach herab. “Die zunehmende Anspannung in Portugal war nicht zu übersehen“, sagte die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro der Nachrichtenagentur dpa.

Wie viele Milliarden benötigt Lissabon?

Konkrete Zahlen gibt es nicht. Der Chef der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, nannte jüngst die Summe von 75 Milliarden Euro.

Woher kommt das Geld?

Seit fast einem Jahr gibt es den Euro-Rettungsschirm, der Pleitekandidaten vor dem Bankrott retten soll. Der Fonds namens EFSF mit Sitz in Luxemburg hat einen Umfang von 750 Milliarden Euro. Er gibt im Notfall an den Finanzmärkten Anleihen aus und reicht das Geld an einen klammen Staat weiter. Euro-Länder - darunter Deutschland - garantieren mit bis zu 440 Milliarden Euro für die Papiere. Die EU-Kommission steuert 60 Milliarden Euro bei und der Internationale Währungsfonds (IWF) 250 Milliarden Euro.

Die Schuldensünder der Euro-Länder im Ranking

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Wer nutzt den Rettungsschirm schon?

Portugal ist nach Irland das zweite Land, das darunter schlüpft. Irland wird von einer Bankenkrise erschüttert und nimmt 85 Milliarden Euro Finanzhilfe von der EU und dem IWF in Anspruch. Griechenland profitiert von einem Extra-Paket von 110 Milliarden Euro.

Was kostet die Rettung den deutschen Steuerzahler?

Zunächst einmal nichts. Berlin überweist kein Geld nach Lissabon, sondern stellt nur Bürgschaften - für die Kredite, die der Krisenfonds EFSF am Markt aufnimmt und an Portugal weiterreicht. Die deutschen Garantiezusagen belaufen sich auf maximal 120 Milliarden Euro. Nur für den Fall, dass Portugal seine Schulden nicht bezahlen könnte, würde die Bürgschaft fällig.

Kann Lissabon sich das Geld einfach abholen?

Ganz so einfach ist es nicht. Kredite gibt es nur gegen harte Auflagen - auch deshalb hat die portugiesische Regierung so lange mit ihrem Hilfsangebot gezögert. Bevor der EFSF und der Währungsfonds IWF Kredite bewilligen, muss Portugal ein Sanierungsprogramm vereinbaren. Die Auszahlung einzelner Tranchen ist an bestimmte Ziele, zum Beispiel Haushaltseinschnitte, geknüpft. Für die Kredite zahlt Portugal Zinsen; diese dürften ähnlich hoch wie bei Irland und Griechenland sein und rund fünf Prozent betragen.

So wollen die EU-Staaten sparen

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Wie wirkt die Notfallhilfe?

Mit dem Geld bekommt Portugal Luft, seinen Haushalt und Bankensektor zu sanieren. Die Forderungen ausländischer Geldgeber sind sicher. Somit dürfte der Schritt wie eine Beruhigungspille auf die Finanzmärkte wirken. Die Aktivierung des Rettungsschirms soll eine Ausbreitung der Krise verhindern.

Reicht der Rettungsschirm aus oder muss jetzt aufgestockt werden?

“Das Volumen des EFSF ist groß genug, um mehrere Euro-Staaten vorübergehend mit Notfallhilfe zu versorgen“, schreibt der Fonds auf seiner Webseite. Nach den Worten von EFSF-Chef Klaus Regling ist der Rettungsschirm “grundsätzlich für verschiedene Notfälle gerüstet“. Die Ausleihkapazität des Schirms wurde bereits aufgestockt. Zudem wird der neue Rettungsfonds ESM, der Ende 2013 den jetzigen Fonds ablöst, eine Kapitalbasis von 700 Milliarden Euro haben.

Welcher Dominostein könnte als nächster fallen?

Trotz Reformen gilt das Nachbarland Spanien seit Monaten als nächster möglicher Kandidat für Finanzhilfe. Doch Spanien ist ökonomisch besser aufgestellt und verfolgt einen strikten Sparkurs, lobt die EU-Kommission. Das sehen auch Investoren so, die Spanien als “sicheres“ Euro-Land bewerten. Die Risikoaufschläge, die der Staat für seine Anleihen an Zinsen zahlen muss, sind seit Jahresbeginn um 30 Prozent gesunken. “Die Gefahr, dass ein Land in der Krise ein anderes ansteckt, ist signifikant niedriger als vor sechs Monaten“, betont EFSF-Chef Regling. “Spanien scheint auf sicheren Grund zu kommen“, sagt Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) dem dpa-audiodienst.

Und was wird aus Griechenland?

Griechenland profitiert bereits von einem 110 Milliarden Euro schweren Hilfspaket. Immer wieder gibt es Spekulationen, dass Athen seine Schulden nicht wird zurückzahlen können und es einen Schuldenschnitt geben muss - der dann auch private Gläubiger treffen würde. “Das ist absolut kein Thema“, lautet der Kommentar aus Brüssel. Denn eine solche Umschuldung wäre ein Tabu-Bruch. Zudem würde er die Märkte verunsichern und die

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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