Nach Ergebniseinbruch

Siemens senkt Prognose

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Siemens hat im ersten Quartal weniger verdient als erwartet.

München - Siemens hängt die Messlatte tiefer. Projektpannen und die Konjunkturflaute lasteten im zweiten Quartal schwer auf der Bilanz. Deshalb muss Konzernchef Löscher nun die Prognose zurückschrauben.

Der Elektrokonzern Siemens muss wegen weiterer Belastungen aus Problem-Projekten und der Konjunkturflaute bei seinen Jahreszielen zurückrudern. Statt der ursprünglich angepeilten 4,5 bis 5 Milliarden Euro Gewinn im fortgeführten Geschäft geht das Unternehmen nun nur noch davon aus, sich dem unteren Ende der Spanne anzunähern. Beim Umsatz stellt sich der Konzern jetzt auf einen moderaten Rückgang ein, nachdem sich die Erlöse bisher den 78,5 Milliarden Euro aus dem Vorjahr annähern sollten. „Der Welt fehlt ein Wachstumsmotor“, sagte Siemens-Chef Peter Löscher „Bloomberg TV“. Auch für das zweite Halbjahr erwartet er nur flaue Geschäfte. Beim Milliarden-Sparprogramm legt Siemens deshalb noch einmal nach.

Der Elektrokonzern muss sich damit bereits das zweite Jahr in Folge von seinen ursprünglichen Zielen verabschieden. Zwischen Januar und März sackte das operative Ergebnis im Kerngeschäft um 29 Prozent auf knapp 1,4 Milliarden Euro ab. Der Umsatz ging um sieben Prozent auf 18 Milliarden Euro zurück. Der Gewinn im fortgeführten Geschäft, den Siemens bei seiner Gewinnprognose zugrunde legt, blieb dagegen unter anderem dank Verbesserungen beim Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks mit 982 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 979 Mio) stabil.

Lichtblick für das zweite Quartal

Unter dem Strich verdiente Siemens eine Milliarde Euro, nach 938 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Lichtblick im zweiten Quartal war der Auftragseingang. Getrieben von Großaufträgen für Züge und Windkraftturbinen legte der Bestelleingang im zweiten Quartal um 20 Prozent auf knapp 21,5 Milliarden Euro zu.

Neben einem schwierigen Marktumfeld litt Siemens unter weiteren Belastungen durch die verspätete Auslieferung von Hochgeschwindigkeitszügen und durch die Probleme bei der Anbindung von Windparks auf hoher See. Hinzu kamen Belastungen durch das verlustreiche Solargeschäft sowie durch das Sparprogramm. Insgesamt schlugen die negativen Effekte zwischen Januar und März mit 370 Millionen Euro zu Buche.

Die Hoffnung auf einen raschen Verkauf des Solargeschäfts hat Siemens inzwischen aufgegeben, deshalb soll es ins Tagesgeschäft zurückgebucht werden. Im Gesamtjahr dürften die Probleme mit 500 Millionen Euro auf das Ergebnis drücken. Sollte sich kein Käufer finden, so stehe auch eine Schließung dieses Geschäfts im Raum, sagte Löscher. Unter den vier Sektoren Energie, Industrie, Gesundheit und Infrastruktur und Städte bekommt Siemens die Konjunkturschwäche vor allem im Industriegeschäft, beispielsweise mit Industrieautomatisierung, zu spüren.

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Den Großteil der Lichttochter Osram will Siemens derweil im Juli an seine Aktionäre abgeben, nachdem ein klassischer Börsengang im vergangenen Jahr nicht geklappt hatte. Siemens hat Osram mit einem Wert von 3,2 Milliarden Euro in den Büchern stehen. Der Lichtkonzern kämpft wie die gesamte Branche mit dem starken Wandel im Lichtmarkt hin zu Leuchtdioden, während gleichzeitig das Stammgeschäft mit klassischen Lampen schrumpft.

Konzernchef Peter Löscher sprach mit Blick auf das Quartal von einem „gemischten Bild“. Umso mehr konzentriere man sich nun auf die konsequente Umsetzung des Sparprogramms, bei dem Siemens nun noch einmal nachsteuert. Da die Wachstumsannahmen für das laufende Jahr etwas zurückgenommen werden mussten und das Renditeziel von mindestens zwölf Prozent im kommenden Jahr beibehalten werde, sei es nötig, die Kosten um weitere 300 Millionen Euro zu drücken.

Hier setzt Siemens vor allem auf niedrigere Rohstoffpreise. Damit würden sich die angepeilten Einsparungen bis 2014 auf 6,3 Milliarden Euro summieren. Das Programm geht auch mit dem Abbau tausender Arbeitsplätze einher. Weil es dafür keine fixen Zielvorgaben gebe, nenne man dazu weiter keine Gesamtzahl, sagte Löscher. Voraussichtlich im vierten Quartal sei man aber so weit, Bilanz zu ziehen.

dpa

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