Siemens-Lichttochter Osram: Zukunft unklar

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München - Auch im neuen Jahr darf sich die Siemens-Führung keine Hoffnungen auf einen baldigen Börsengang der Lichttochter Osram machen.

Seit der Schritt auf das Parkett im September aufgrund der turbulenten Finanzmärkte verschoben wurde, laufen die Vorbereitungen dafür offiziell zwar “unverändert“ weiter. Wie die Nachrichtenagentur dpa aus Konzernkreisen erfuhr, rechnen die Münchner aber zumindest nicht im ersten Halbjahr mit der Realisierung ihrer Pläne. Aus heutiger Sicht hält Oliver Drebing, Analyst bei Alsterresearch, einen Börsengang sogar im gesamten Jahr 2012 für unwahrscheinlich. “Die Aufnahmefähigkeit der Kapitalmärkte ist nicht gegeben“, sagte er der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX. Drebing geht vielmehr davon aus, dass es einen sogenannten Spin-Off geben könnte. Dabei werden die Aktien direkt an die Aktionäre des Mutter-Unternehmens verteilt.

Siemens-Chef Peter Löscher und sein Finanzchef Joe Kaeser hatten diese Variante in den vergangenen Wochen immer wieder ausgeschlossen. Nach Drebings Einschätzung wäre sie für Siemens jedoch keine schlechte Option. Der Konzern sei sehr liquide und nicht auf die Einnahmen aus einem Börsengang angewiesen. Kaeser hatte erst vor wenigen Tagen in einem Interview auf Reserven von 12 Milliarden Euro verwiesen. Osram soll sich seine Zukunft aber selbst verdienen.

Der globale Lichtmarkt birgt laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey zwar enormes Potenzial: Getrieben durch das weltweite Bevölkerungswachstum, dem Trend zum Leben in der Stadt und Energie-Sparbemühungen werde der Jahresumsatz bis 2020 auf jährlich rund 110 Milliarden Euro zulegen. Zwischen 2010 und 2016 geht McKinsey dabei von jährlich sechs Prozent Wachstum aus. Zwischen 2016 und 2020 seien dann jeweils noch drei Prozent mehr drin. Die moderne Leuchtdioden-Technik (LED) werde 2020 mit 65 Milliarden Euro fast 60 Prozent des weltweiten Lichtmarkts ausmachen.

Allerdings sind auf dem Weg dorthin massive Investitionen nötig. In den Markt, den bis vor kurzem nur eine Handvoll mit wertvollen Patenten ausgestattete Unternehmen kontrollierten, drängen immer mehr Wettbewerber. Die gerichtlichen Auseinandersetzungen, die sich Osram seit Monaten mit seinen südkoreanischen Konkurrenten Samsung und LG liefert, sind ein Vorgeschmack auf künftige Verteilungskämpfe. Dabei geht es vor allem um Patente für LED zur Erzeugung von weißem Licht, wie sie etwa in Fernsehern oder Computermonitoren stecken.

“In einem solchen Massenmarkt fährt höchstens der Kostenführer Gewinne ein“, schätzt Analyst Drebing. Wenn der Börsengang nicht klappe, werde Siemens zu Investitionen gezwungen sein. Dass die Konzernführung sie scheue, liege auf der Hand: Als Beispiele für Produktmärkte, die sich trotz rasanter Nachfragedynamik zu einem Milliardengrab entwickelten, nannte Drebing das Bildschirm-Geschäft mit Plasma- und LCD-Technologie, oder auch die Solarindustrie. Ähnliche Risiken versuche Siemens über eine Trennung von Osram zu umgehen. “Eine Rückintegration wäre eine Blamage, die aber auch passieren kann“, sagte der Analyst. “Eine Panikaktion hat Siemens nicht nötig.“

dpa

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