Siemens rüstet sich für neue Herausforderungen

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Siemens-Vorstandsvorsitzender Peter Löscher denkt von Projekt zu Projekt

München - Einen besinnlichen Jahreswechsel gönnt sich Siemens nicht. Am 1. Oktober startet der Elektroriese nach einem weiteren Umbau ins neue Geschäftsjahr. Und weitere Projekte stehen am Start.

Siemens hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Und das an diesem Samstag beginnende neue Geschäftsjahr dürfte kaum ruhiger werden. Zwar hat Konzernchef Peter Löscher in den vergangenen Monaten etliche der Dauerbaustellen abgeschlossen, die den Elektroriesen teils seit Jahren in Atem hielten. Darunter spektakuläre Einschnitte wie der Ausstieg aus der Atomtechnik oder die mittlerweile wieder verschobenen Pläne für den Börsengang der traditionsreichen Lichttochter Osram. Über zu wenig Arbeit wird sich Löscher auch künftig nicht beklagen können. Für die mehr als 330 000 Siemensianer weltweit wird es ein spannendes Jahr.

Neben dem weiteren Umbau seines Riesenreichs, dürften die dunkleren Wolken am Konjunkturhimmel den Spitzenmanager umtreiben. Siemens rüstet sich längst für schwierigere Zeiten. Bereits im April warnte Finanzchef Joe Kaeser, dass sich die rasante Aufholjagd nach der Krise nicht im gleichen Tempo fortsetzen werde und irritierte dabei zunächst manche Branchenbeobachter. Siemens werde sich mehr anstrengen müssen, um seine Wachstumsziele zu erreichen. “Der Rückenwind der Krisenerholung ist nun wohl vorbei“, sagte Kaeser dann im Juni. Inzwischen zweifelt kaum jemand an Kaesers Vorhersage.

Siemens-Experte Oliver Drebing von Alsterresearch sieht im Falle eines Abschwungs vor allem das schnell auf Umschwünge reagierende Geschäft von Osram betroffen. “Hier gibt es ja kaum Vorlauf in Form von Bestellungen“. Auch die Industrieautomatisierung oder Teile des Antriebsgeschäfts könnte es erwischen. Er glaubt aber nicht an einen Einbruch. “Es gibt eine Normalisierung im Geschäft, nach dem extremen Nachholbedarf im vergangenen Jahr“. Zudem sei Siemens mit seiner Banklizenz und Krediten in der Lage, seinen Kunden unter die Arme zu greifen und verfüge so über einen “gewissen Fallschirm“.

Für Siemens wäre es trotzdem unerfreulich, denn ein Konzernumbau geht in guten Zeiten natürlich leichter von der Hand. Billig sind die meisten Projekte nicht und längst nicht bei allen ist ausgemacht, dass sie schnell wieder Geld bringen. Für die ungeliebte Tochter Nokia Siemens Networks (NSN) musste Kaeser kurz vor Ende des Geschäftsjahrs 500 Millionen Euro überwiesen. Partner Nokia steuerte auch eine halbe Milliarde bei. NSN soll - nachdem Siemens vergeblich nach einem Käufer suchte - fit gemacht werden. Dann könnte irgendwann ein Börsengang oder Verkauf des Telekomausrüsters gelingen.

Auch bei Osram ist längst nicht alles klar. Neben den Börsen-Turbulenzen, die derzeit weltweit fast alle Unternehmen vor einem Börsengang zurückschrecken lassen, gibt es auch offene Fragen im Geschäft. Sie verhindern eine Platzierung des Unternehmens auf dem Parkett mit einer möglichst hohen Bewertung. Finanzchef Kaeser hatte bereits im Sommer gesagt, dass es schwer abzuschätzen sei, ob der Lichtmarkt lediglich von kurzfristigen Nachfrageschwankungen beeinflusst ist oder das Hoch des Zyklus hinter sich gelassen hat.

Eine andere Baustelle hat Löscher im vergangenen Jahr erfolgreich geschlossen. Den kriselnden IT-Dienstleister SIS war Siemens Ende 2010 nach jahrelangen vergeblichen Sanierungsbemühungen an die französische Atos Origin losgeworden. SIS passte zum einen nicht mehr zur Strategie Löschers und litt zum anderen seit Jahren unter scharfem Wettbewerb und Preisdruck. Dabei zahlte Siemens noch drauf und versorgte SIS mit einem Outsourcing-Vertrag mit einer Laufzeit von sieben Jahren und einem Volumen von rund 5,5 Milliarden Euro.

In das neue Jahr startet Siemens mit einer runderneuerten Struktur. Ein vierter Sektor nimmt seine Arbeit auf und soll Siemens auf dem Weg zum “Grünen Riesen“ nachhaltig voranbringen. Mit dem “Infrastructure & Cities“ genannten Sektor will Siemens das Geschäft in den Megametropolen der Erde vorantreiben. “Wir richten unser Geschäft konsequent auf Wachstum aus“, sagte Löscher kurz vor dem Start. Eine rasant wachsende Zahl von Menschen lebt in Städten, in 20 Jahren werden es 60 Prozent der Weltbevölkerung sein. Deren wachsende Bedürfnisse sollen Siemens dabei helfen, die Marke von 100 Milliarden Euro beim Umsatz zu knacken. Wie schnell ist noch offen.

Größere finanzielle Sorgen immerhin dürften den Konzern auf absehbare Zeit nicht plagen. Das Auftragsbuch ist so gut gefüllt wie nie zuvor und angesichts der Milliardengewinne der vergangenen Jahre verfügt Siemens über eine bestens gefüllte Kasse: Anfang des Sommers beliefen sich die flüssigen Reserven auf 13 Milliarden Euro.

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