Kein Rückzug aus der Fläche

Was die Sparkassen in Bayern planen

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München - Die Sparkassen in Bayern gehören zu den Gewinnern der Finanzkrise: Sie konnten zahlreiche neue Kunden gewinnen und ihre Geldeinlagen steigern. Wie geht es weiter?

Die Sparkassen in Bayern haben im vergangenen Jahr zahlreiche neue Kunden gewonnen und mehr Kredite vergeben. „Für viele Kunden steht nach der Finanzkrise die Sicherheit an erster Stelle“, sagte der Präsident des Sparkassenverbandes Bayern, Theo Zellner, der Nachrichtenagentur dpa. Auch die Mini-Zinsen, die derzeit für Spareinlagen gezahlt werden, nehmen die Kunden dafür in Kauf: Die Geldeinlagen bei den bayerischen Sparkassen wuchsen im vergangenen Jahr um 2,6 Prozent auf mehr als 138 Milliarden Euro. Das Kredit-Neugeschäft legte um fast 13 Prozent zu.

Die extrem niedrigen Guthabenzinsen von derzeit unter einem Prozent sieht Zellner aber langfristig als Problem. Wenn der Zinssatz für Spareinlagen auf Dauer unterhalb der Inflationsrate liege, schmelze das Vermögen der Menschen zusammen. „Wir müssen aufpassen, dass die Niedrigzinsphase nicht zu einer Wertminderung der Ersparnisse führt“, warnte Zellner. Auch auf Bundesebene hatten die Sparkassen sich vor kurzem für einen Ausstieg aus der Krisenpolitik des billigen Geldes ausgesprochen. Zinsen auf Rekordtief dämpften den Reformdruck und verminderten das Vermögen der Sparer, sagte Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon.

Die Sparkassen wie auch die Volks- und Raiffeisenbanken erleben seit Jahren ein Comeback. Viele Kunden wechselten nach dem Beginn der Finanzkrise vor fünf Jahren von ihren Privatbanken zu Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken. Ein wichtiger Grund für den Zuwachs ist aus Sicht von Zellner neben dem Wunsch nach Sicherheit auch die regionale Verankerung der Sparkassen im Land. Mit rund 2400 Geschäftsstellen haben sie das dichteste Filialnetz in Bayern nach den Volks- und Raiffeisenbanken mit rund 3000. Vor zehn Jahren gab es in Bayern allerdings noch rund 450 Sparkassen-Geschäftsstellen mehr als heute. Meist wurden sie durch Selbstbedienungs-Automaten und Beratungscenter ersetzt. Eine Schließung von Filialen im großen Stil steht aber nicht zur Debatte. „Ein Rückzug aus der Fläche findet an keiner Stelle statt“, betonte Zellner.

Das Online-Banking werde zwar auch für die Sparkassen immer wichtiger, dennoch könne es das persönliche Gespräch mit einem Bankberater nicht ersetzen. Um mehr junge Kunden anzusprechen, setzen die Sparkassen aber auch auf das Banking über Smartphones. „Bei den Apps für das Banking gehören die Sparkassen zu den Vorreitern“, sagt Zellner. Auch eine Ausbildung bei der Sparkasse sei bei jungen Leuten gefragt. Im vergangenen Jahr begannen rund 1300 junge Leute ihre Ausbildung bei den Sparkassen. Mit rund 45 000 Beschäftigten in Bayern sind die Sparkassen nach Angaben von Zellner der größte Arbeitgeber nach BMW und Siemens.

Durch die Übernahme der Bausparkasse LBS gewinnen die Sparkassen in diesem Jahr nochmals mehrere hundert Beschäftigte hinzu. Die Sparkassen mussten der Bayern LB die LBS auf Druck der EU-Kommission Anfang Januar für rund 820 Millionen Euro abkaufen, um damit ihren Beitrag zur Rettung der Bayern LB zu leisten. Künftig werden sie zudem wieder stärker an der Landesbank beteiligt sein - von rund 4 Prozent könnte der Anteil auf bis zu 25 Prozent steigen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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