Kuriose neue Vorschriften

EU-Verordnungs-Wahn bei Staubsaugern & Co

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Energieeffizienz ist der EU nicht nur bei Waschmaschinen, sondern auch bei Staubsaugern wichtig

München - Aktuell sorgt die Regelungswut der EU wieder für viel Wirbel. Besonders bei einigen Haushaltsgeräten stehen Veränderungen an. Was die Folgen der neuen Verordnung sind:

Wieviel Salz darf im Brot sein? Welcher Krümmungsgrad ist bei Gurken gerade noch ok? Sind Energiesparlampen tatsächlich besser als Glühbirnen? Muss man die Verbraucher vor in Kännchen aufbewahrtem Speiseöl im Restaurant schützen? Die Liste der EU-Verordnungen, die in den letzten Jahren erlassen wurden und mindestens für Kopfschütteln gesorgt haben, ist lang.

Immer wieder gelingt es den EU-Beamten aber auch, Gesetze quasi klammheimlich zu erlassen. So geschehen im Juli 2013:  Damals wurde die sogenannte EU-Ökodesign-Verordnung beschlossen. Ein sperriges Wort, hinter dem sich unter anderem eine Regelung für Staubsauger verbirgt. Die EU-Ökodesign-Verordnung ist die Grundlage für alle Verordnungen, die Kleingeräte betreffen. Als sie herausgegeben wurde, war jedoch noch unklar, welche Haushaltsgeräte genau und in welchem Umfang betroffen sein werden. Vielleicht auch deshalb schaffte es die EU-Verordnung nicht sofort in die Schlagzeilen - trotz ihrer weitreichenden Folgen.

Mittlerweile steht aber fest, dass laut EU nicht nur Kühlschränke, Waschmaschinen und Lampen energieeffizient sein müssen. Auch die rund 39 Millionen Staubsauger, die es allein in deutschen Haushalten gibt, müssen in den kommenden Jahren für den Klimaschutz optimiert werden. Die EU-Kommission hat deshalb beschlossen, dass Staubsauger ab 2014 zunächst auf 1600 Watt gedrosselt werden. Bis September 2017 müssen alle Staubsauger mit mehr als 900 Watt Leistung vom Markt verschwinden. Zum Vergleich: Ein momentan handelsüblicher Staubsauger läuft mit  2000 bis 2400 Watt.

Mehr Stromverbauch durch EU-Verordnung?

An dieser Stelle seien der Vollständigkeit halber auch die Kritikpunkte des Unterfangens genannt: Experten fürchten, dass durch die verminderte Wattzahl der Staubsauger zwar weniger Strom verbraucht wird, die Saugleistung aber ebenfalls abnimmt. Um das auszugleichen, müsste eventuell länger gestaubsaugt werden, was unter Umständen unterm Strich zu einem höheren Stromverbrauch als zuvor führen kann. Das Ziel, den Klimawandel zu stoppen, wäre damit zumindest bei diesem Haushaltsgerät verfehlt.

Auch mit der Glühbirnen-Verordnung hat sich die EU keine Freunde gemacht. Jahrelang gab es Proteste gegen die Abschaffung der gewöhnlichen Glühbirne mit ihrem "warmem" Licht zugunsten der "kühlen" Energiespar-Lampe. Für den Europa-Wahlkampf 2009 wurde das Thema auch von den EU-Parlamentariern wieder zur Debatte gestellt, allerdings ohne Erfolg. So verglimmte eine jahrhundertelange Erfolgsgeschichte der Menschheit.

Keime in der Waschmaschine dank EU

Welche zum Teil sogar gefährlichen Folgen für die Gesundheit die Öko-Design-Verordnung mit ihrem Energielabel mit sich bringt, zeigt sich bei den Waschmaschinen. Stiftung Warentest hat vergangenes Jahr eine Studie zur Waschleistung mit 14 verschiedenen Maschinen durchgeführt. Das Ergebnis überraschte: Keine einzige erreichte im 60 Grad Waschgang die geforderte Temperatur von 60 Grad.

Der Grund dafür liegt auf der Hand: Um die Energieklasse A+++ zu erhalten, müssen die Maschinen extrem stromsparend arbeiten, was bei hohen Temperaturen nicht der Fall ist. Also sparen die Hersteller an dieser Stelle ein, um das begehrte Label zu erhalten. Hygienisch sauber wird die Wäsche so allerdings nicht mehr: Keime, wie Pilzsporen, und Viren (zum Beispiel das Norovirus) werden bei niedrigen Temperaturen nicht abgetötet.

Nun auch noch die Wäschtrockner

Den Klimawandel zu verhindern, ist ein hehres Ziel. Deshalb sollte natürlich nach Möglichkeit von allen Seiten Emmissionen eingespart werden. Warum dann aber schärfere CO2-Grenzwerte für Autos im EU-Ministerrat abgelehnt werden, erschließt sich den Bürgern auch auf den zweiten Blick nicht ganz.

Den nächsten Coup hat die Europäische Union übrigens bereits geplant: Am 1. November soll, laut der Zeitung "FAZ", eine neue Verordnung erlassen werden: Diesmal sind die Wäschetrockner dran. Darüber hinaus soll es auch noch für andere Haus- und Bürogeräte künftig niedrigere Grenzwerte geben. Betroffen könnten demnach Elektroherde, Dunstabzugshauben, Fernseher, Warmwasserbereiter, Ventilatoren und Computer sein.

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VF/AFP

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