Keine gezielten Schwachstellen

Stiftung Warentest: Geräte-Lebensdauer verkürzt

München - Ob hohe Reparaturkosten, billige Verschleißteile oder zu viel Wärme: Es gibt einige Mittel, um die Lebensdauer von Produkten zu begrenzen. Gezielte Schwachstellen gibt es aber offenbar keine.

Die Stiftung Warentest sieht aber keinen Hinweis dafür, dass Hersteller gezielte Schwachstellen in ihre Produkte einbauen, damit diese vorzeitig kaputt gehen, wie die Zeitschrift "test" in der aktuellen September-Ausgabe berichtet.

Seit langem schwelt unter Verbrauchern der Verdacht, dass Hersteller die Lebensdauer ihrer Geräte gezielt verkürzen, um mehr zu verkaufen. Eine Auswertung von Dauertests der Stiftung Warentest aus den vergangenen zehn Jahren liefert dafür aber keine Belege. "Insbesondere Haushaltsgeräte gehen heute nicht schneller und nicht häufiger kaputt als früher", heißt es.

Nach Angaben der Tester planen die Unternehmen gleichwohl ein, wie lange eine elektrische Zahnbürste oder ein Staubsauger halten soll. In gewisser Weise gebe es damit einen geplanten Verschleiß. Die Konstrukteure planten dementsprechend die Einzelteile der Geräte, um die vorgesehene Gebrauchsdauer einzuhalten, wird Albert Albers vom Karlsruher Institut für Technologie zitiert.

Stiftung Warentest nennt weitere "Tricks", mit denen die Hersteller ihren Umsatz ankurbeln. Dazu gehören hohe Reparaturkosten, fest eingebaute Akkus oder fehlende Ersatzteile. Bei Kaufpreisen um die 40 Euro für einen billigen DVD-Spieler beispielsweise besorgen sich viele Kunden lieber gleich ein neues Produkt. Bei manchen Produkten ist eine Reparatur gar nicht erst vorgesehen. So sind Bauteile verklebt statt verschraubt.

In einem anderen Fall bot ein Fernsehhersteller dem Bericht zufolge für ein Produkt schon vier Jahre nach Markteinführung bestimmte Ersatzteile nicht mehr an. Eine klare gesetzliche Regelung, wie lange Hersteller Ersatzteile bereithalten müssen, gibt es nicht. Auch die Platzierung von wärmeempfindlichen Bauteilen an Stellen, an denen es zur Wärmeentwicklung kommt, führt demnach zu Verschleiß. Ähnliches gilt auch für Akkus von Notebooks, Elektrozahnbürsten und einigen Handys, die nicht durch den Nutzer gewechselt werden können.

Laut Stiftung Warentest sind im allgemeinen billige Geräte oft schneller kaputt als teure. Bei Waschmaschinen unter 550 Euro, Akkubohrern unter 50 Euro oder Staubsaugern unter 80 Euro sei die Gefahr groß, dass die Freude am neuen Gerät nicht lange währt. Eine Garantie ist der Preis allerdings nicht. Die Tester listen auch kostspielige Reinfälle auf, wie eine Espressomaschine für 985 Euro oder eine Küchenmaschine für 340 Euro, die sich als wenig robust und wenig ausdauernd erwiesen.

Bereits eine im Frühjahr im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen vorgelegte Studie hatte gezeigt, dass die Wirtschaft bei der Konstruktion und Herstellung ihrer Produkte einen frühen Verschleiß häufig schon mit einplant. Dies wird auch als "geplante Obsoleszenz" bezeichnet.

Als Alternative für die Entsorgung der Produkte empfiehlt Stiftung Warentest Eigeninitiative. Im Internet unter www.ifixit.com gibt es zum Beispiel - allerdings nur in englisch - Reparaturanleitungen für viele Geräte, vom Smartphone bis zur Spielkonsole. In vielen Städte entstehen aber auch immer mehr Selbsthilfe-Werkstätten, hier hilft www.repaircafe.de.

AFP

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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