Stress für Banken: Durchgefallen oder nicht?

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Frankfurt - Europas Banken im Stress: Jetzt stellt sich heraus, wer dem Test der europäischen Bankenaufsicht gewachsen ist - ausgerechnet die solide Landesbank Hessen-Thüringen womöglich nicht.

Stunde der Wahrheit für Europas Banken: Die europäischen Aufseher veröffentlichen an diesem Freitag die Ergebnisse des jüngsten Banken-Stresstests. Die Bankenaufsicht EBA in London und die nationalen Behörden legen parallel die Daten für 91 Kreditinstitute vor. Unmittelbar vor der Veröffentlichung der Ergebnisse schlugen die Wellen in Deutschland hoch: Dass die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) voraussichtlich zu den Durchfallern des europaweiten Krisentests zählen wird, sorgte für Aufregung.

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Die Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin wollten sich in Frankfurt zu den Resultaten der 13 deutschen Kandidaten äußern. Der Test sollte prüfen, wie gut eine Bank eine Krisensituation aushalten kann und ob sie zusätzliches Kapital als Risikopuffer für harte Zeiten braucht.

Als Wackelkandidaten gelten vor allem die spanischen Sparkassen sowie Institute in den kriselnden Euro-Staaten Griechenland, Portugal und Irland. In Deutschland sollen die Landesbanken HSH Nordbank und NordLB nur knapp bestanden haben.

Ausgerechnet die solide Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) könnte überraschend als einziger deutscher Durchfaller beim EU-Bankenstresstest bewertet werden. Der Grund: Streit um die Gewichtung Stiller Einlagen. Die EBA zweifelt, dass diese Gelder im Fall von Verlusten herangezogen werden können. Daher hatte sich das Land Hessen verpflichtet, seine Stille Einlage bei der Helaba in hartes Kernkapital umzuwandeln. Doch diese Zusage erkannte die EBA nach Angaben der Helaba überraschend nicht an.

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Streit um die Stillen Einlagen gibt es seit Monaten. Die EBA bezweifelt, dass diese im Krisenfall als Kapitalpuffer herangezogen werden können. Eigentümer vieler Landesbanken brachten daraufhin eine Umwandlung dieser Einlagen in hartes Kernkapital auf den Weg - auch das Land Hessen. Im Fall der Helaba geht es um 1,92 Milliarden Euro. Die Bank betonte, dass sie die Prüfung unter Berücksichtigung der angepassten Stillen Einlagen klar bestanden habe.

Der Stresstest untersucht anhand hypothetischer Szenarien, wie eine Bank für den Krisenfall gerüstet ist: Einbruch von Wirtschaft und Aktienmärkten, höhere Zinsen für frisches Geld. Wer im schlimmsten Fall nicht mindestens 5,0 Prozent hartes Kernkapital übrig hat, ist durchgefallen.

Die EU-Staaten verlangen von Durchfallern, dass sie sich bis Jahresende mit frischem Kapital versorgen. Schafft ein Institut das nicht, sollen die Regierungen wie schon in der Finanz- und Bankenkrise in die Bresche springen.

Mit dem Stresstest will die Politik das Vertrauen der Märkte in die Finanzbranche stärken. In einer ersten Runde waren im vergangenen Jahr lediglich sieben Geldhäuser gescheitert, darunter die verstaatlichte deutsche Hypo Real Estate (HRE). Damals hatte es erhebliche Kritik gegeben, dass die Tests zu lasch gewesen seien. Denn kurz nach dem damaligen Test mussten irische Banken, die im Stresstest noch unauffällig waren, mit Milliardenbeträgen vom Staat vor dem Kollaps gerettet werden.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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