Strukturwandel im Einzelhandel und im boomenden Online-Handel

Laden-Sterben in Bayern beschleunigt sich

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In Bayern sterben immer mehr Supermärrkte weg.

München - Das Supermarkt-Sterben in Bayern wird so schnell kein Ende finden, vermutet der Handelsverband Bayern. Gerade kleinere Orte seien stark betroffen.

Das Supermarkt-Sterben in Bayern wird nach Einschätzung des Handelsverbandes Bayern in den kommenden Jahren an Tempo gewinnen. „Gerade in kleineren Orten und Stadtbezirken wird sich die Situation verschärfen“, sagte Vizepräsident Matthias Zwingel am Mittwoch in München. Darunter leide die örtliche Nahversorgung und auch die Lebensqualität der Menschen.

Derzeit gebe es in Bayern noch rund 9000 Lebensmittelgeschäfte. Zum Vergleich: Noch 2003 waren es laut Handelsverband 11 500 Läden. Damit ist die Zahl der Lebensmittelgeschäfte binnen 14 Jahren um mehr als 20 Prozent geschrumpft. „Diese Zahl wird in den kommenden Jahren durch den Strukturwandel im Einzelhandel und den boomenden Online-Handel weiter abschmelzen“, glaubt Zwingel.

Unter Strukturwandel versteht der Verband: Die Supermärkte werden immer größer, statt im Ortskern oder in der Stadtmitte siedeln sich die Riesen-Läden im Gewerbegebiet an. Wo es noch Dorfläden gibt, werden sie von Kunden gemieden, gekauft wird bei Discountern und den Groß-Supermärkten mit ihrem riesigen Sortiment.

Die drohende Konkurrenz aus dem Internet könnte vielen noch bestehenden kleinen Läden den Todesstoß verpassen: „Wegen des ungebrochenen Siegeszugs des Online-Handels gerät der stationäre Handel weiter unter Druck“, sagte Zwingel. Er wies aber darauf hin, dass das Online-Geschäft mit Lebensmitteln bislang noch kaum eine Rolle spielt. „Während in anderen Ländern Europas der Online-Umsatz mit Lebensmitteln wächst, dümpelt bei uns der Einkauf von Butter und Brot oder Schnitzel per Mausklick weiter vor sich hin“, sagte Zwingel. In Großbritannien liege der Umsatzanteil bei 4,4 Prozent, in Frankreich bei 3,6 Prozent – in Deutschland würden 0,8 Prozent aller Lebensmittel-Umsätze online gemacht.

Grund dafür: Die Nahversorgung in Deutschland sei trotz Defiziten noch immer besser als im europäischen Ausland. „Außerdem scheuen gerade die Deutschen als Schnäppchen-Weltmeister die Versandkosten bei Online-Lebensmitteln“, vermutet Zwingel. Viele zweifelten zudem an der Frische der Lebensmittel oder wollten nicht lange auf eine bestellte Lieferung warten. Zwingel verweist jedoch auf Studien, wonach der Online-Anteil bei Lebensmitteln in Deutschland bis 2020 auf zehn bis 20 Prozent steigen wird. „Durch den steigenden Online-Anteil wird sich in Bayern das Sterben der Supermärkte beschleunigen.“

Dabei sind die Lebensmittel-Händler mit ihrer aktuellen Lage durchaus zufrieden. Die Umsätze stiegen im vergangenen Jahr in Bayern um 2,1 Prozent auf 27,4 Milliarden Euro. Eine Rekorderwerbstätigkeit, niedrige Arbeitslosenquote, stabile Preise, steigende Realeinkommen und die kräftige Zuwanderung hätten die Entwicklung forciert.

Ein Nischengeschäft bleibt in Bayern der Verkauf von Bio-Lebensmitteln – trotz Zuwächsen: Zwar sei der Umsatz mit Bio-Produkten 2016 im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent auf 1,3 Milliarden gestiegen. „Aber der Anteil der Bio-Produkte am gesamten Lebensmittelmarkt in Bayern liegt damit nur bei etwa 4,6 Prozent“, sagte Zwingel. Anders gesagt: Über 95 Prozent ihrer Lebensmittel-Umsätze machten die bayerischen Händler mit konventionell hergestellter Ware.

„Bei den Kunden immer beliebter werden vegane Produkte“, hat Zwingel beobachtet. 24 Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr hätten die Händler mit veganen Produkten gemacht. „Allerdings liegt der Anteil am gesamten Lebensmittelumsatz mit 167 Millionen Euro bei nur 0,6 Prozent“, sagte Zwingel.

Aus der Nische raus seien dagegen regionale Produkte. Der Umsatzanteil mit heimischen Produkten sei nach Berechnungen des Verbandes auf rund sechs Milliarden Euro gestiegen.

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