Leiharbeit, Mindestlöhne und Olympia

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„Billigkonkurrenz mit obskuren Qualifikationen“ wegbekommen. Dies werde durch die Einführung eines gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohnes erreicht, zeigte sich MdB Dr. Bärbel Kofler überzeugt.

Traunstein - Die vielschichtige Problematik rund um die aktuelle Arbeitsmarktsituation beschäftigte heute MdB Bärbel Kofler und MdL Günther Knoblauch in einer Diskussionsrunde.

Im Rahmen der Präsentation des monatlichen Arbeitsmarktberichts sowie des Jahresberichts zum Ausbildungsmarkt (der Agentur für Arbeit Traunstein diskutierte die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur, Jutta Müller mit Dr. Bärbel Kofler (MdB) und Günther Knoblauch (MdL) am Mittwoch Vormittag in den Räumlichkeiten der Traunsteiner Agentur über die regionale Beschäftigungs- und Ausbildungssituation. Werden diese Zahlen doch in bestimmten Abständen immer wieder mit Vertretern der Landes- und Bundespolitik diskutiert.

Plädierte für „altersgemischte Teams“ in den Betrieben in denen auch die Stärken der älteren Arbeitnehmer ihre Berücksichtigung finden: MdL Günther Knoblauch.

Müller lobte die Dynamik des Arbeitsmarktes, was sich auch daran zeige, dass man viele Zu- und Abgänge im Berichtsmonat zu verzeichnen habe. Man sei zwar noch nicht bei einer Vollbeschäftigung angelangt, jedoch nahe dran. Gleichzeitig seien ihr weniger die abstrakten Zahlen wichtig, da man hinter jeder Statistik auch das jeweilige Individualschicksal sehen müsse. Einen breiten Raum nahm auch die Diskussion um die Altersgruppe der über 55-jährigen und die Forcierung der Aktivitäten um eine verstärkte Wiedereinbringung der Altersgruppe in den Arbeitsmarkt ein.

Landtagsabgeordneter Knoblauch sagte, die älteren Arbeitnehmer seien vielleicht nicht mehr die Schnelleren. „Aber sie kennen die Abkürzungen.“ Er plädiere für altersgemischte Teams, in den Betrieben. Dr. Kofler sah in dem Verhalten vieler Betriebe eine Wiederholung der Fehler der Vergangenheit: „Früher mussten wir dort für Auszubildende Klinkenputzen.“ Gerade vor dem Hintergrund des bestehenden Facharbeitermangels sehe sie die Notwendigkeit, dass Betriebe wieder verstärkt ältere Arbeitnehmer einstellen müssten.

Müller ging auf die diversen Strukturveränderungen in der Agentur ein. Die Umstrukturierungen hätten in den vergangenen Monaten Reibungsverluste gebracht. Nun sei man aber aus dem Gröbsten heraus. Mit der Mitarbeiterkampagne „Wenn nicht jetzt wann dann?!“ gehe man jetzt wieder verstärkt an die vier Hauptzielgruppen Jugendliche, Berufswiedereinsteiger, Berufstätige über 55 Jahre und die Arbeitgeber heran.

Leiharbeit und Mindestlöhne als Thema

Sie informierte über die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Oktober: Jutta Müller (links), Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Traunstein, daneben MdB Dr. Bärbel Kofler und Landtagsabgeordneter Günther Knoblauch.

Weitere Themen waren die politisch viel diskutierten Themen wie Leiharbeit, die flächendeckende Einführung von Mindestlöhnen sowie die Tatsache, dass Berufsbilder in den Köpfen der Bürger oft veraltet seien, wie der Beruf eines Kfz-Mechatronikers oder Müllner zeigen würde. Einig waren sich alle Beteiligten, dass eine Vergrößerung der räumlichen Distanzen vom Wohn- und Lehrstellenstandort und den Berufsschulen kontraproduktiv sei, und die Attraktivität von Berufen, die in der Gunst von jungen Auszubildenden eher am unteren Ende der Traumberufe stehen, weiter schwächen würden. Zur Leiharbeit – die laut Müller im Agentur-Bezirk weniger ausgeprägt sei, als in Regionen in denen beispielsweise große Automobilfirmen ihre Standorte hätten – regte Landtagsabgeordneter Knoblauch der vormals Bürgermeister der Kreisstadt Mühldorf war an, dass die Agentur diese Vermittlungen von Leiharbeitskräften selbst vornehme. Damit könne man auch den Leiharbeitern höhere Löhne bezahlen. In Sachen Mindestlohn sah Bundestagsabgeordnete Dr. Kofler die Chance, dadurch die „Billigkonkurrenz mit obskuren Qualifikationen“ wegzubekommen, wie sie am Beispiel des Friseurhandwerks erläuterte.

Paralympics wichtig für die Inklusion und den Arbeitsmarkt

Ein klares Plädoyer gab es zum Abschluss von der Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur, Jutta Müller zum Thema Olympia: Für die Region erwarte sie sich für den Arbeitsmarkt eine „Belebung in vielfältiger Hinsicht“, was insbesondere für die Infrastruktur aber auch für die Gastronomie und Hotellerie gelte. Daneben sehe sie durch die Ausrichtung von Wettbewerben der Paralympics die Chance eines veränderten Blickwinkels der Bürger und eine Förderung des Inklusionsgedankens. „Hier wird man sehen, was Menschen mit einem Handicap alles erreichen können.“

Andreas Wittenzellner

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