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Trotz Atom-Aus: Solarbranche in der Krise

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München - Es scheint geradezu paradox: Ganz Deutschland redet von der Energiewende, doch die heimische Solarbranche steckt in der Krise. Die Problematik:

Auf der Branchenmesse "Intersolar" in München ist die Stimmung gerade bei vielen Photovoltaikfirmen auf dem Nullpunkt. Auch  Carsten Körnig ist sauer. “Wenn man ‹A› wie Atomausstieg sagt, muss man auch ‹B› wie Beschleunigung sagen.“ Stattdessen werde die Solarenergie ausgebremst, wettert der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW). Die europäische Vereinigung Eurosolar unter ihrem deutschen Präsidenten Peter Droege spricht von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) bereits als dem “Totengräber der erneuerbaren Energien“.  

Grund sind Überlegungen der Bundesregierung, bei der Novellierung des Gesetzes zur Förderung der Erneuerbaren Energien (EEG) die Einspeisevergütung für Sonnenstrom im Frühjahr 2012 um weitere sechs Prozent zu kürzen - zusätzlich zu den bereits vereinbarten bis zu 24 Prozent. Die Solarbranche mit ihren rund 130 000 Beschäftigten weiß, was das bedeutet. Vor der ersten großen Förderkürzung im vorigen Sommer hatten tausende Bundesbürger sich noch schnell eine Solaranlage aufs Dach montieren lassen. 7,8 Gigawatt Leistung, fast so viel wie die von acht Atomkraftwerken, wurden 2010 neu installiert.

Heuer erwartet Frank Asbeck, Chef des mit Larry Hagman alias J.R. Ewing werbenden Photovoltaikunternehmens Solarworld, weniger als vier Gigawatt. “Eine erneute Kürzung würde zu einem absoluten Abwürgen der PV-Nachfrage führen“, warnt Asbeck.

“Viele deutsche Unternehmen haben sich auf der attraktiven Förderung zu sehr ausgeruht und zu wenig nach vorne geschaut“, urteilt Sven Diermeier von Independent Research, einer Firma für unabhängige Finanzmarktanalyse. “Vor drei, vier Jahren gehörten sie noch zu den Weltmarktführern, jetzt werden sie von der ausländischen Konkurrenz stark in Bedrängnis gebracht.“

Der Forschungsverbund Erneuerbare Energien beklagt verpasste Innovationen, wodurch deutsche Hersteller ins Hintertreffen geraten seien. Tatsächlich stammt fast jedes zweites Solarmodul schon heute aus chinesischer Produktion. Die sind preislich günstiger. Taiwan, zweitgrößter Fertigungsstandort für PV-Module, ist auf der diesjährigen “Intersolar“ bereits mit 65 Firmen vertreten.

“Der deutsche Ausstieg aus der Atomenergie ist für unsere Unternehmen eine große Chance“, sagt Frieda Hung, Direktorin des Münchner Büros des Taiwan Trade Centers. Für deutsche Unternehmen wie Q-Cells, Conergy oder SMA sieht es dagegen mau aus. Die Kurssprünge an den Aktienmärkten nach der Ankündigung zum Atomausstieg in der vergangenen Woche können nicht darüber hinweg täuschen, dass sie mit Mühe ins Jahr gestartet sind. Auch ein Plus von mehr als 40 Prozent wie bei Conergy-Aktien sieht nur gut aus, wenn man den Kurs von 23 Euro aus dem Jahr 2007 unterschlägt. Am Montag waren es 32 Cent. Solarworld dagegen hält sich wacker - dank eines frühzeitigen Auslandsengagements, vor allem in den USA.

Deutsche Unternehmen, die diesen Schritt verpasst hätten, seien heute finanziell auch meist nicht mehr in der Lage, ihre Kapazitäten deutlich auszubauen, sagt Diermeier von Independent Research. “Es wird sehr wahrscheinlich Insolvenzen geben.“

 Die deutsche Solarbranche sieht die Verantwortung für eine zusätzliche Förderkürzung derweil bei den großen Stromversorgern. “Das ist ein letztes Aufbäumen der konventionellen Energiewirtschaft“, sagt ein Branchenvertreter. Auch BSW-Mann Körnig schimpft: “Der Eindruck drängt sich auf, dass die Regierung nicht den innovativen Mittelstand fördern will, sondern in neuem Gewand weiter das Oligopol der großen Energieversorger hofiert.“ Diese gelten als die Profiteure einer stärkeren Förderung der Offshore-Windanlagen. Wegen der hohen Investitionskosten sind sie zumeist nur für Großkonzerne zu finanzieren.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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