Umsatz des Einzelhandels 2009 zurückgegangen

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Der Umsatz des deutschen Einzelhandels ist im Jahr 2009 zurückgegangen.

Wiesbaden - Der deutsche Einzelhandel hat im Krisenjahr 2009 das stärkste Umsatzminus seit sieben Jahren erlebt, erwartet vorerst aber keinen weiteren Rückschlag. Der Umsatz wird 2010 wohl gehalten.

Deutschland friert und kauft warme Winterkleidung. Das frostige Wetter mit viel Schnee und Eis sorgt zumindest im Winterschlussverkauf für klingelnde Kassen. Vor allem Mode- und Textilgeschäfte freuen sich derzeit über gute Geschäfte. Baumärkte berichten von ausverkauften Schlitten und Schneeschiebern. Doch trotz des recht vielversprechenden Jahresauftakts blickt der Einzelhandel mit seinen fast 2,9 Millionen Beschäftigten eher skeptisch in die Zukunft.

“Das Jahr 2010 wird kein Zuckerschlecken“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands HDE, Stefan Genth. Die Branche erwarte zwar nach dem schlechten Ergebnis des vergangenen Jahres keinen weiteren Rückschlag. Die Lage bleibe aber angespannt. Preisbereinigt könnte höchstens ein Umsatzminus von 0,5 Prozent erreicht werden. Das setze aber voraus, dass sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt nicht dramatisch verschlechtert. Mit einem realen Umsatzminus von 1,8 Prozent hatten die Einzelhändler bereits 2009 die Krise herb zu spüren bekommen. Das Ergebnis kam allerdings nicht überraschend und fiel letztendlich sogar leicht besser aus als erwartet.

Weiter Preisschlacht im Lebensmittelhandel

Insgesamt erwirtschafteten die Supermärkte, Fachhändler und Kaufhäuser dem HDE zufolge einen Umsatz von 292,1 Milliarden Euro. Laut Genth hat den einzelnen Branchen geholfen, dass die Deutschen “sich trotz oder gar wegen der Krise das Eine oder Andere gegönnt haben“. Und auch die Preisentwicklung insbesondere bei Lebensmitteln und Energie habe sich positiv ausgewirkt. Diese werde sich zwar in dem Maße nicht wiederholen. Dennoch sei nur mit einer moderaten Teuerung zu rechnen. Vor allem im Lebensmittelhandel rechnen Experten mit einer Fortsetzung des “mörderischen“ Preiskampfs. Bereits im Januar wurde dieser mit zwei Preissenkungsrunden fortgesetzt.

Textilhändler durchaus optimistisch

Durchaus positiv beurteilen hingegen einige Teilbranchen ihre Aussichten. “Der kalte Winter bescherte uns einen tollen Januar“, sagt Jürgen Dax vom Textileinzelhandelsverband. Die allerletzten Reste an Winterware seien schon verkauft, die Lager fast leer. In den ersten vier Wochen sei ein Umsatzplus von 5 Prozent erzielt worden. Das Geschäft werde sich allerdings sicher nicht in dem Tempo weiterentwickeln. Es könnte aber durchaus das Ergebnis des Vorjahres erreicht werden.

Im vergangenen Jahr setzten die rund Textilhändler nach vorläufigen Schätzungen etwa 60 Milliarden Euro um. Positiv werde sich im Frühjahr auswirken, dass die Konsumenten mehr Geld in der Tasche haben. “Die Benzinpreise sind noch relativ niedrig und es gibt Erleichterungen bei Steuern und Sozialversicherung“, betont Dax. Ebenso zuversichtlich ist der Versandhandel, der für dieses Jahr ein Umsatzwachstum von zwei Prozent erwartet. Vor allem das Onlinegeschäft könnte zweistellig zulegen.

Unterschiedliche Prognosen

Die teils auch positiven Prognosen werden nicht zuletzt von der noch relativ guten Konsumstimmung getragen. So ermittelte die Gfk in Nürnberg zuletzt eine noch recht hohe Anschaffungsneigung. Dabei wirkte sich die Fülle von Rabatten nicht nur im Lebensmittelhandel aus. Pessimistisch beurteilen hingegen Banken-Analysten die Aussichten. So erwartet UniCredit-Volkswirt Alexander Koch einen Rückgang des privaten Konsums von etwa 1,5 Prozent. Zum Risiko für das Konsumklima wird sich in jedem Fall der Arbeitsmarkt erweisen. Der Gfk zufolge macht sich die zunehmende Angst vor Arbeitslosigkeit bei den Konsumenten schon bemerkbar. Deutlich werde das an der gestiegenen Sparneigung.

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