Initiative gegen Facharbeitermangel

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Freuen sich über das Ergebnis der ersten internen Ausbildung zu Keramikfacharbeitern bei der Firma Haldenwanger: die neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die Ausbildung erfolgreich abschlossen, und Geschäftsführer Joachim Mayer (hinten Dritter von links).

Waldkraiburg - Um dem Problem des Facharbeitermangels zu begegnen und die vergleichsweise niedrige Facharbeiterquote zu steigern, setzt die Firma Haldenwanger auf Eigeninitiative:

Sie bietet ungelernten Mitarbeitern eine betriebsinterne Facharbeiterausbildung an. Die ersten neun Teilnehmer haben ihr Zertifikat in der Tasche.

Keine Frage, die interne Facharbeiterausbildung bei W. Haldenwanger Technische Keramik GmbH wird fortgesetzt. Geschäftsführer Joachim Mayer ist mit dem Verlauf der ersten Ausbildungsrunde und den Ergebnissen der Pilotgruppe sehr zufrieden. Alle neun Teilnehmer, die sich angemeldet hatten, waren mit großer Motivation dabei und schafften die theoretische und praktische Prüfung. 15 Monate lang durchliefen sie bei vollem Lohn die verschiedenen Abteilungen des Unternehmens und opferten alle zwei Wochen am Freitagnachmittag ihre Freizeit für den Theorieunterricht.

Beide Seiten profitieren davon. Die Mitarbeiter erhalten bei Ausbildungserfolg bis zu 500 Euro Prämie und werden eine Lohngruppe höher eingestuft, verdienen brutto also rund 150 bis 160 Euro mehr im Monat. Und das Unternehmen habe "Mitarbeiter mit mehr Wissen gewonnen" und damit in Zukunft auch größere Flexibilität. Denn bei Auftragsschwankungen können Beschäftigte mit Zertifikat in andere Produktionsbereiche wechseln.

Um fünf Prozent wurde die Facharbeiterquote durch diese Initiative bereits erhöht. Auf herkömmlichem Wege hätte das die Firma, die früher überwiegend auf ungelernte Mitarbeiter in der Produktion setzte, nicht erreichen können, so Mayer. Erst seit er den Hersteller von Hochleistungskeramik leitet, bildet Haldenwanger aus. Derzeit machen 17 Azubis eine Lehre, darunter vier Industriekeramiker. Noch könne die Firma die Ausbildungsstellen besetzen, doch es wird immer schwerer, sagt der Geschäftsführer. Nicht zuletzt die Tatsache, dass angehende Industriekeramiker zum Blockunterricht nach Selb müssen, hält so manchen Jugendlichen von dieser Ausbildung ab. "Wir sind weit und breit das einzige Unternehmen, das in diesem Bereich ausbildet."

Es ist also nicht möglich, in kurzer Zeit die Facharbeiterquote allein über die klassische Ausbildung nach oben zu bringen. Bei 27 Prozent lag die Quote Ende 2011. Nur 45 von 169 Arbeitern im Unternehmen waren Facharbeiter.

Mit der neuen Qualifizierungsinitiative machte sich die Firma daran, das nachhaltig zu ändern. Max Helldobler, der 2010 bester Keramiker-Azubi Deutschlands geworden war und damit als Beispiel für die gute Ausbildung im Unternehmen steht, machte sich Gedanken über die Inhalte einer internen Ausbidung. Ein Ausbildungsplan wurde entwickelt, der sich an der normalen Ausbildung orientiert und zugleich an den betriebsspezifischen Anforderungen von Haldenwanger. Die Teilnehmer sollten wie die Azubis alle Abteilungen durchlaufen. Den Theorieunterricht in Bereichen wie Materialkunde, Auftragsbearbeitung, Berechnungen oder Office-Programme übernahmen interne Referenten: Produktionsleiter, Meister, Entwicklungsingenieure.

Neun Teilnehmer zwischen 25 und 50 Jahren, drei Frauen und sechs Männer, meldeten sich für den Pilotkurs. Als Voraussetzungen dafür hatte die Firma eine abgeschlossene Schulausbildung sowie mindestens drei Jahre Betriebszugehörigkeit festgelegt. Drei Fehltage, mehr durften sich die Teilnehmer im Theorieunterricht nicht leisten.

Die theoretische ebenso wie die praktische Prüfung, die an die Prüfung der Azubis angelehnt war, wurde im Haus abgenommen und von allen bestanden.

Die nächste Ausbildungsrunde mit dann sechs Mitarbeitern wird im März beginnen. Nach den Erfahrungen der ersten Runde wird sie auf ein Jahr angelegt. Und weitere Kurse sollen folgen. Bis 2015 ist damit eine Facharbeiterquote von mehr als 40 Prozent realistisch, als Fernziel gibt Joachim Mayer eine Steigerung bis auf 60 bis 70 Prozent an. 

hg/Waldkraiburger Nachrichten

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