Wirtschaft wartet auf die Initialzündung

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Von links: Dr. Wolfgang Friedrich, Vorsitzender der bayme vbm Region Südostbayern und Geschäftsführer der MBM Maschinenbau GmbH, Ludwig Baur, Geschäftsführer der bayme vbm Geschäftsstelle München-Oberbayern, Frank Eberle, Geschäftsführer der Alpma Alpenland Maschinenbau GmbH, Klaus Rutz, Geschäftsführer der Ecolab Engineering GmbH und Felix Kleinert, Geschäftsführer der Netzsch Pumpen und Systeme GmbH.
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Waldkraiburg - Schuldenkrise, Energiepreise, Lohnkosten: Die Metall- und Elektroindustrie in der Region blickt sorgenvoll in die Zukunft.

Im halbjährlich stattfindenden Pressegespräch von bayme vbm Region Südostbayern, der Interessensvertretung der bayerischen Metall- und Elektroindustrie in der Region, wurde ein bestenfalls durchwachsenes Bild von der konjunkturellen Lage in der Branche gezeichnet.

Aufschwung frühestens 2013

Die bayerische Metall- und Elektroindustrie habe ein weiteres konjunkturell schwaches Halbjahr hinter sich, konstatierte Dr. Wolfgang Friedrich, Vorsitzender der bayme vbm Region Südostbayern und Geschäftsführer der MBM Maschinenbau Mühldorf GmbH. Für die zweite Jahreshälfte sei allenfalls mit einer moderaten Erholung zu rechnen. "Dass sich die Konjunktur nachhaltig erholt, halten die Firmen erst für das kommende Jahr für wahrscheinlich", so Friedrich. Hier spiele allerdings die Hoffnung eine große Rolle, dass die Experten mit ihren Konjunkturprognosen recht behalten.

Exemplarische für die gegenwärtige Situation ist, dass kein einziges von bayme vbm Südostbayern befragtes Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte den Output erhöhen möchte. "Das finde ich schon bemerkenswert. Das haben wir, glaube ich, noch nie gehabt", sagte Friedrich.

Wirtschaft wartet auf die Initialzündung

Vor allem die Schulden- und Wirtschaftskrise in Südeuropa belastet die oftmals stark exportorientierten Metall- und Elektrounternehmen. Klaus Rutz, Geschäftsführer der Ecolab Engineering GmbH aus Siegsdorf, gab dafür ein anschauliches Beispiel. Das Unternehmen ist ein weltweit führender Anbieter von Produkten und Dienstleistungen im Bereich der industriellen Reinigung und Hygiene - unter anderem für Autowaschanlagen. In Südeuropa, wo sehr viele Menschen arbeitslos sind, wird eben nicht gerade in großem Stil in Waschstraßen investiert. "Da fährt keiner in die Autowaschanlage", so Rutz.

So bewertete die Branche die Konjunktur vor einem halben Jahr

Wie Dr. Wolfgang Friedrich berichtete, hätten die Kunden von MBM durchaus Pläne für künftige Investitionen. Sie warteten aber schlicht auf eine "Initialzündung". Das Geld sei ja da, nun brauche es eine Aufbruchstimmung. Für Ludwig Baur, Geschäftsführer der bayme vbm Geschäftsstelle München-Oberbayern, könnte die Initialzündung vom deutschen Verbraucher kommen. beispielsweise könnte die Bundesregierung Investitionen privater Haushalte in energiesparende Baumaßnahmen fördern. Indirekt könnte dies auch die Konjunktur außerhalb Deutschlands stärken. "Das Geld liegt ja da, man muss es einfach nur nehmen", so Baur.

Energie- und Lohnkosten werden zur Belastung

Neben schwächelnden Absatzmärkten belasten steigende Kosten die Metall- und Elektrounternehmen. Deutschlandweit seien die Lohnstückkosten in der Branche um 6,6 Prozent gestiegen, erläuterte Friedrich. Alleine der Anstieg der Arbeitskosten hat die Lohnstückkosten um 5,6 Prozent steigen lassen.

"Wir dürfen heute nicht Fehler begehen, die in fünf Jahren, in zehn Jahren Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten kosten", sagte Frank Eberle, Geschäftsführer der Alpma Alpenland Maschinenbau GmbH aus Rott am Inn. Konkret fordern die Metall- und Elektrounternehmen Zurückhaltung bei den Löhnen, aber auch bei den Sozialabgaben. "Wir müssen unter diesen 40 Prozent (Gesamtbeitragssatz zur Sozialversicherung, d. Red.) bleiben", forderte Friedrich.

Vorsicht ist nach Ansicht der Branche aber auch bei der Energiewende geboten. Für Friedrich könnte die Situation gar kritisch werden. Man sei bei den Energiekosten "an der Grenze der Belastbarkeit und Wirtschaftlichkeit". Die EEG-Umlage dürfe keinesfalls steigen, sondern müsste eher wieder sinken.

Branchenvertreter bewerten die Konjunkturlage

Felix Kleinert, Geschäftsführer der Netzsch Pumpen und Systeme GmbH aus Waldkraiburg, berichtete, dass das Unternehmen die Idee einer energieeffizienten Pumpe zurückgestellt habe und erst in ein oder zwei Jahren zu einem Produkt entwickeln werde. Energiekosten und Energieeffizienz seien weltweit schlicht nicht interessant.

Die Forderung der Metall- und Elektroindustrie an die Politik jedenfalls ist eindeutig - egal, ob es um Energieversorgung, Steuerpolitik und Sozialabgaben oder Arbeitsmarktregelungen wie etwa Zeitarbeit und Werksverträge geht: "Die neue Bundesregierung muss nach der Wahl - egal, wie sie sich zusammensetzen wird - alles unterlassen, was die Unternehmen zusätzlich belastet", so Friedrich.

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