Bodenpersonal legt Arbeit nieder

Warnstreiks an Flughäfen: Zahlreiche Flugausfälle in Berlin

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Die Mitarbeiter des Bodenpersonals streiken für eine bessere Bezahlung.

Berlin/Hamburg - Wegen Warnstreiks des Bodenpersonals haben Reisende an den Flughäfen in Berlin, Hamburg und Stuttgart am Mittwoch mit erheblichen Verzögerungen zu kämpfen.

Wie Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi der Nachrichtenagentur AFP am Morgen sagten, gab es in Berlin und Stuttgart bereits starke Einschränkungen durch die Streiks.

Verdi-Vertreterin Katharina Wesenick sagte, der Berliner Flughafen Tegel sei wegen des Streiks "zwischen sechs und acht Uhr komplett vom Netz genommen" worden. Die Gewerkschaft Verdi hatte die Bodenservice-Beschäftigten in Tegel und Schönefeld - etwa im Check-in und in der Gepäckabfertigung - zwischen 5.00 und 11.00 Uhr zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Nach Angaben des Airport-Betreibers blieb ein „großes Chaos“ aber aus: „Viele Passagiere sind durch gute Information gestern und heute erst gar nicht zu den Flughäfen gekommen.“ Die Flughäfen waren zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Am Airport Tegel fielen nach Angaben des Betreibers 112 und in Schönefeld 22 Flüge aus. Damit hatte der Ausstand Folgen für fast alle frühen Verbindungen der Gesellschaften Lufthansa, Air Berlin, Germanwings und Eurowings in der Hauptstadt.

Abgefertigt werden konnte am frühen Morgen in Berlin lediglich eine Air-Berlin-Maschine von Tegel nach Düsseldorf. Die Billigflieger Ryanair und Easyjet hatten die meisten Verbindungen auf nach 11.00 Uhr verschoben. So sollten vor allem internationale Routen wie nach Lissabon, London, Istanbul oder Oslo aufrechterhalten werden.

Berlin: 550 Mitarbeiter des Bodenpersonals streiken

„Etwa eine Handvoll Menschen arbeiten derzeit beim Bodenpersonal, das sind vor allem Führungskräfte“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Enrico Rümker in Tegel. An dem Warnstreik beteiligten sich seinen Angaben zufolge an den beiden Hauptstadt-Flughäfen rund 550 Mitarbeiter.

In Hamburg begann der Verkehr trotz des Ausstands laut Verdi nach dem Start der Frühschicht um 4.00 Uhr zunächst planmäßig. Die ersten Flieger seien pünktlich abgehoben. Der Airport wolle die Auswirkungen auf den Flugverkehr so gering wie möglich halten, hieß es. Um den Personalmangel auszugleichen, seien Leiharbeiter eingesetzt worden. Laut Verdi nahmen rund 100 Mitarbeiter an den Aktionen teil. Dazu aufgerufen waren Beschäftigte der Flugzeug- und Gepäckabfertigung, des Terminal-Busverkehrs sowie der Reinigungsdienste.

Am Flughafen Stuttgart wurde der Warnstreik nach Angaben von Verdi-Vertreter Andreas Schackert von den rund 300 Beschäftigten zu "100 Prozent" befolgt. Von 20 Abfertigungsschalter seien lediglich vier mit Hilfe von Notbesetzungen geöffnet. Vor den Schaltern hätten sich lange Schlangen von Passagieren gebildet. Mehrere Flüge wurden dort am Morgen gestrichen, viele andere waren verspätet. Der Betreiber rief die Passagiere auf, mehr Zeit einzuplanen, möglichst online einzuchecken und sich auf Handgepäck zu beschränken. Die Arbeitsniederlegungen starteten hier mit der Frühschicht um 3.30 Uhr.

Gewerkschaft fordert einen Euro mehr pro Stunde

Die Gewerkschaft hatte das Bodenpersonal in Stuttgart mit Beginn der Frühschicht um 03.30 Uhr zu einem mehrstündigen Warnstreik aufgerufen, in Berlin für die Zeit von 05.00 bis 11.00 Uhr. Verdi will in dem Tarifkonflikt eine bessere Bezahlung und bessere Aufstiegsmöglichkeiten für die Beschäftigten erreichen.

Bei den Berliner Tarifgesprächen über einen Vergütungstarifvertrag zeichne sich trotz mehrerer Verhandlungsrunden kein Ergebnis ab, begründete die Gewerkschaft den Ausstand an den Hauptstadt-Flughäfen. Die Beschäftigten wollten nun die Arbeitgeber dazu bewegen, "ein verhandlungsfähiges Angebot zu unterbreiten".

Verdi fordert für die mehr als 2000 Beschäftigten in den Bodendiensten der Berliner Flughäfen einen Euro mehr pro Stunde. Derzeit verdienten sie ungefähr elf Euro in der Stunde. Die nächste Verhandlungsrunde ist für Freitag geplant. Für die Beschäftigten am Flughafen Stuttgart will die Gewerkschaft Gehaltssteigerungen von zwei Euro pro Stunde durchsetzen. „Der letzte gültige Tarifvertrag stammt aus dem Jahr 2013, jetzt haben wir 2017“, meinte Rümker. Verdi fordert unter anderem einen Euro mehr Geld pro Stunde.

Der Chef des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel, nannte die Aktionen unangemessen: „Es ist nicht hinzunehmen, dass Verdi die Flughäfen als öffentlichkeitswirksame Bühne zur Durchsetzung ihrer Forderungen schädigt und die Belange der Reisenden dabei völlig ausblendet.“

Auch Passagiere aus München betroffen

Die Warnstreiks des Bodenpersonals an anderen deutschen Flughäfen hat am Mittwoch auch Passagiere am Münchner Airport getroffen. Von insgesamt 53 geplanten Starts und Landungen der Fluggesellschaften Lufthansa und Air Berlin zwischen München und Berlin-Tegel seien 17 gestrichen worden, sagte ein Flughafensprecher. Die Passagiere wurden vorab über die Ausfälle informiert, daher seien viele erst gar nicht zum Flughafen gekommen.

In Bayern dagegen gab es keinen Warnstreikaufruf, wie Verdi-Landesfachbereichsleiter Verkehr Manfred Weidenfelder sagte. Hier seien die für die Flughäfen München und Nürnberg vereinbarten Tarifabschlüsse für das Bodenpersonal noch für mehrere Jahre gültig.

dpa/afp

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