5,6 Billionen Euro Schulden

Strafzölle gegen Gläubiger-Staaten: Schießt Trump ein fatales Eigentor?

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Washington - Mit etwa 5,6 Billionen Euro stehen die USA im Ausland in der Kreide. Die größten Gläubiger sind Japan und China. Ausgerechnet diesen Ländern droht Trump mit hohen Strafzöllen. Ein fatales Eigentor?

Es ist ein gigantischer Schuldenberg: Mit rund 6 Billionen Dollar - umgerechnet etwa 5,6 Billionen Euro - stehen die USA im Ausland in der Kreide. Die Gläubiger sind vor allem Japan und China. Dennoch droht Präsident Donald Trump Peking mit Strafzöllen von 45 Prozent auf sämtliche Waren. Auch Japan und Deutschland sind ins Visier des Republikaners geraten, weil sie deutlich mehr in die Vereinigten Staaten exportieren als von dort einführen. Wären die Schulden ein Druckmittel in einem Verhandlungspoker mit Trump?

Wer sind die wichtigsten Gläubiger der USA?

Mit 1,1 Billionen Dollar im November steht das Land nach einer Statistik des US-Finanzministeriums am stärksten bei Japan in der Schuld. China rangiert mit 1,05 Billionen Dollar auf Rang zwei der Gläubigerliste. Allerdings liegen die zwei Länder so dicht beieinander, dass sie regelmäßig die Plätze tauschen. Mit großem Abstand folgt Irland (275 Milliarden Dollar). Deutschland kommt auf Rang 15 mit 86,8 Milliarden Dollar.

Warum sind die Vereinigten Staaten im Ausland so stark verschuldet?

Verbraucher und die öffentliche Hand in den USA leben seit Jahren über ihre Verhältnisse. Sie konsumieren mehr als sie sparen. Dieses Leben auf Pump wird zum Teil aus dem Ausland finanziert, indem China und andere Länder US-Staatsanleihen kaufen. „In Deutschland dagegen hinken die Investitionen von Privathaushalten, Unternehmen und der öffentlichen Hand den Ersparnissen hinterher“ erklärt Gabriel Felbermayr, Leiter des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft.

Welche Rolle spielt dabei der Handel?

Die USA kämpfen seit Jahrzehnten mit einem extremen Leistungsbilanzdefizit: Die Importe übersteigen deutlich die Exporte - die Auslandsverschuldung ist entsprechend hoch. Bezahlt werden dieProdukte aus China, Japan oder Deutschland in Dollar. „Die Länder haben einen Dollar-Überschuss, den sie investieren oder anlegen müssen“, erläutert Holger Görg, Leiter des Kiel Centre for Globalization am Institut für Weltwirtschaft. Jahrelang wurden die Exportüberschüsse in US-Staatsanleihen gesteckt.

Wer kauft die US-Schulden?

Banken, Versicherungen und andere institutionelle Investoren sowie Privatanleger und Unternehmen, die Geld anlegen wollen, aber auch Notenbanken verschiedenster Länder stecken Geld in US-Staatsanleihen. Viele Investoren kommen um die Papiere praktisch nicht herum. Die US-Bonds gelten als sichere Anlage. „China versucht seit Jahren vergeblich, Alternativen zu finden“, berichtet Felbermayr.

Könnten die Gläubiger den USA den Geldhahn zudrehen?

Theoretisch könnten etwa China oder Japan von heute auf morgen keine neuen US-Anleihen mehr kaufen oder im großen Stil Papiere auf den Markt werfen. Die Folge dürften jedoch drastische Verluste bei der Bewertung der Bonds sein. „Die Banken in China und Japan haben sich vollgesogen mit amerikanischen Staatsschulden. Sie haben ein großes Interesse daran, dass diese nicht an Wert verlieren“, argumentiert Felbermayr. „Mit der Drohung, den Geldhahn zuzudrehen, lässt sich kaum Druck aufbauen.“

Wie könnten die Gläubiger noch reagieren?

Sie könnten ihr Engagement schrittweise verringern. Standen die USA im Mai noch mit 1,24 Billionen Dollar gegenüber China in der Kreide, waren es im November 1,05 Billionen. „Derzeit lässt sich allerdings noch nicht absehen, ob sich China bewusst zurückhält, oder ob es eine Entwicklung innerhalb der normalen Schwankungsbreite ist“, sagt Görg. Sollten sich die wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA deutlich verschlechtern, würde die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wohl versuchen, stattdessen ihren Handel mit Europa und Asien auszubauen.

Nach Einschätzung von Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg-Bank, besteht das „ernsthafte Risiko einer Konfrontation mit China, die über gewöhnliche Handelskonflikte hinausgehen könnte“. Görg rechnet damit, dass Peking US-Zölle mit Abgaben auf US-Produkte beantworten würde. Die Exporte „made in USA“ nach China würden dadurch sinken. Kritiker der US-Politik befürchten eine gefährliche Spirale gegenseitiger Handelsbeschränkungen, die einsetzen könnte.

Weniger und teurere US-Exporte hätte allerdings nicht den von Trump gewünschten Effekt, den gigantischen Schuldenberg der Vereinigten Staaten zu verkleinern - im Gegenteil. „Eigentlich müssten die USA mehr exportieren, um das Leistungsbilanzdefizit zu verringern“, argumentiert der Ökonom. „Die entscheidende Frage ist: Will man dem anderen wehtun, auch wenn man sich damit selbst schadet?“

Chinesische Wirtschaft fürchtet Trump 

dpa/snacktv

Rubriklistenbild: © dpa

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