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Wirecard: Vorläufiges Insolvenz-Verfahren vor Abschluss – diese Firmenteile dürften am schnellsten weg sein

Wirecard-Zentrale in Aschheim: Der Dax-Rauswurf des einstigen Überfliegers ist nur eine Frage von Tagen.
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Wirecard-Zentrale in Aschheim.

Bei Wirecard steht das vorläufige Insolvenz-Verfahren vor dem Abschluss. Dann könnte es bei den Verkäufen von Unternehmensteilen ganz schnell gehen.

München - Beim Zahlungsdienstleister Wirecard* steht das vorläufige Insolvenz-Verfahren kurz vor dem Abschluss. Voraussichtlich bis Ende August werde das Gutachten des vorläufigen Insolvenzverwalters Michael Jaffé beim Amtsgericht München eintreffen, heißt es aus informierten Kreisen.

Angesichts der verbleibenden Vermögenswerte werde sich Jaffé „aller Voraussicht nach für die Eröffnung eines Insolvenz-Verfahrens aussprechen“, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person gegenüber Merkur.de*. Üblicherweise folgen die Gerichte den Empfehlungen im Insolvenz-Gutachten.

Wirecard: Amtsgericht dürfte Empfehlung des Gutachters folgen

In der Branche gilt es daher als sehr wahrscheinlich, dass das Amtsgericht München das Insolvenz-Verfahren sehr zeitnah eröffnet und Jaffé gleichzeitig zum Insolvenzverwalter bestellt. Kern-Aufgabe des Insolvenzverwalters ist es, die verfügbare Insolvenzmasse zu ermitteln und unter den Gläubigern aufzuteilen. Mit dem so genannten Insolvenzeröffnungsbeschluss geht die Verfügungsgewalt dann auf den Insolvenzverwalter über. Im Fall Wirecard könnte Jaffé damit rechtsverbindliche Verträge schließen, etwa für den Verkauf von Teilgesellschaften.

Wirecard: Auslandstöchter in den USA und Brasilien kommen zuerst unter den Hammer

Unterdessen ist der Bieterprozess zum Verkauf der Landesgesellschaften in den USA (Wirecard North America) und Brasilien nach Informationen von Merkur.de* bereits weit fortgeschritten. Das Wirecard-Kerngeschäft um die Abrechnung von Kreditkartenumsätze (Acquiring) oder die Ausgabe von Prepaid- oder Debitkarten (Issuing) solle nach Möglichkeit im Paket verkauft werden.

Der Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München galt lange Zeit als Vorzeige-Unternehmen im Dax*. Mitte Juni hatte das Unternehmen jedoch einräumen müssen, dass Gelder im Volumen von 1,9 Milliarden Euro wahrscheinlich nur auf dem Papier existierten und daher Insolvenz beantragt.

Wirecard: Ein Vorstand ist weiter auf der Flucht

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft München I unter anderem wegen des Verdachts der Untreue, der unrichtigen Darstellung und der Marktmanipulation und des Verdachts  des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs.

Der frühere Vorstandschef Markus Braun* sitzt in Haft, nachdem ein erster Haftbefehl gegen Zahlung einer Kaution von fünf Millionen Euro Ende Juni zunächst außer Vollzug gesetzt wurde. Auch ein ehemaliger Finanzvorstand sowie der frühere Chefbuchhalter wurden inzwischen festgenommen. Nach dem für das Tagesgeschäft zuständigen Vorstand Jan Marsalek fahnden das Bundeskriminalamt und Interpol. Vor gut einer Woche hatte auch die ZDF-Sendung Aktenzeichen XY einen Fahndungsaufruf zu Marsalek veröffentlicht. Dem Österreicher werden auch Geheimdienstkontakte nachgesagt.

Mit diesen Anzeigen sucht die Polizei München, das BKA und Interpol nach Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek

In einer Sondersitzung des Bundesfinanzausschusses soll nun geklärt werden, wie es zu dem Skandal hat kommen können. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht im Kreuzfeuer. Insgesamt liegt der Schaden durch die Wirecard-Pleite laut Ermittlern nach ersten Schätzungen bei rund 3,5 Milliarden Euro. Dazu kommen Verluste bei geprellten Anlegern sowie Schadenersatz-Klagen in Milliardenhöhe. Jetzt steht die Wirecard-Aktie* unmittelbar vor dem Rauswurf aus dem Dax. *Merkur.de ist Teil des Ippen Digital Netzwerks.

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