Wirtschaftskrise erreicht den Arbeitsmarkt

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Die Zahl der Arbeitslosen ist im Oktober weniger gesunken als in den Vorjahren.

Nürnberg - Der Arbeitsmarkt zeigte sich bislang in der Krise erstaunlich robust. Der Herbstaufschwung fiel nach Berechnungen von Experten im Oktober aber deutlich schwächer aus als in den Vorjahren.

Die Zahl der Arbeitslosen sei um etwa 43 000 gesunken, berichteten Volkswirte in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. In den vergangenen drei Boom-Jahren war die Zahl durchschnittlich noch um knapp 116 000 zurückgegangen. Die offiziellen Daten für Oktober gibt die Bundesagentur für Arbeit nächsten Donnerstag (29.10.) bekannt. “Der Rückgang ist durchaus noch typisch für die Jahreszeit, aber weniger ausgeprägt als in den Vorjahren - das sind die konjunkturellen Schleifspuren“, erläuterte Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank. “Das ist der Beginn des Umschwungs auf dem Arbeitsmarkt.“

Bislang hätten die Arbeitgeber in nicht gekanntem Ausmaß an ihren Mitarbeitern festgehalten, vor allem auch mit Hilfe der Kurzarbeit. Doch diese hat nach Einschätzung vieler Volkswirte ihren Höhepunkt nun erreicht - wo sich die Auftragsbücher nicht füllen, stehen demnächst Entlassungen an. Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt läuft mit bis zu neun Monaten Verspätung der wirtschaftlichen Lage hinterher. Deshalb rechen die Experten damit, dass der Höhepunkt der Arbeitslosigkeit erst 2010 erreicht sein wird - über den genauen Zeitpunkt herrscht jedoch Uneinigkeit. Das Münchner ifo-Institut sieht die Spitze zu Beginn des Jahres 2010, die Hypovereinsbank erwartet in der Mitte des Jahres 4,250 Millionen Jobsuchende, während die Allianz mit dem Überschreiten der Vier-Millionen-Marke erst 2011 rechnet.

Nah beieinander liegen die Experten jedoch in ihrer Schätzung für die Oktoberzahlen. Am optimistischsten sieht Rolf Schneider von der Allianz die Entwicklung mit einem Rückgang von 63 000. Ihmzufolge unterscheidet sich die Situation in den einzelnen Unternehmen derzeit stark: “Es sieht von Branche zu Branche sehr unterschiedlich aus: In einigen wie in der Chemie spürt man schon eine Erholung, in anderen wie dem Autobau nicht.“ Saisonbereinigt erwarten die Fachleute einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um durchschnittlich 37 000. Im September waren in Deutschland 3,346 Millionen Menschen auf Jobsuche, 150 000 weniger als im Juli. Die Arbeitslosenquote nahm um 0,3 Punkte auf 8,0 Prozent ab.

dpa

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