Nach Personalchaos

Mayrhuber neuer Aufsichtsratschef der Lufthansa

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Wolfgang Mayrhuber

Köln - Am Tag nach dem Lufthansa-Personalchaos bleibt die Kritik auf der Hauptversammlung verhalten. Das Verwirrspiel um die Mehrheit für den doch gewählten Aufsichtsratschef Mayrhuber kommt schlecht an.

Im Ergebnis ist es dann doch noch so gelaufen, wie sich „Mr. Lufthansa“ Jürgen Weber das vorgestellt. Auch als Chefaufseher der Airline lässt sich der 71-Jährige von Wolfgang Mayrhuber beerben, der ihm 2003 bereits als Vorstandschef gefolgt war. Doch der am Dienstag von der Hauptversammlung mit dem schwachen Ergebnis von 63,22 Prozent in das Kontrollgremium gewählte Österreicher musste auf seinem Weg heftige Kritik einstecken und ist nach Ansicht mancher Investoren bereits beschädigt.

Mayrhubers Rücktritt vom Rücktritt war neben der ausgefallenen Dividende das heißeste Thema auf der Hauptversammlung der Deutschen Lufthansa AG in Köln. Erneut lobte sein Vorgänger und künftige Lufthansa-Ehrenvorsitzende Jürgen Weber die Verdienste des 66 Jahre alten früheren Lufthansa-Vorstandschefs, der künftig an führender Stelle das Management kontrollieren soll.

Ob er das vorbehaltlos kann, hatten vor allem ausländische Investoren in den vergangenen Tagen angezweifelt. Am Montag zog Mayrhuber mangels Rückhalt zunächst seine Kandidatur zurück, um sie noch am Abend doch wieder aufzunehmen. Am Dienstag saß der Österreicher scheinbar unbewegt in der ersten Zuhörerreihe. Die Kritik an ihm blieb einigermaßen milde, doch bei der Abstimmung fuhr er mit Abstand das schwächste Ergebnis aller zehn Kandidaten der Anteilseignerseite ein.

Lufthansa hat die beispiellose Volte um die Spitze ihres obersten Kontrollgremiums mit Missverständnissen über das dualistische deutsche Unternehmensmodell zu erklären versucht, das die Amerikaner so nicht einschätzen könnten und daher allzu simpel die eigenen Kriterien angewendet hätten. Ohne die US-Beratungsgesellschaft Institutional Shareholder Services (ISS) namentlich zu nennen, wetterte „Mr. Lufthansa“ Jürgen Weber über „rein formalistische Kriterien einer blinden Corporate Governance-Auslegung durch ein trotziges Beratungsunternehmen“, die man mühsam aus dem Weg habe räumen müssen.

ISS hat an seiner Einschätzung zu fehlender Abkühlzeit und Ämterhäufung Mayrhubers aber kein Komma geändert. Die Lufthansa-Spitze wählte dem Vernehmen nach am Montag das direkte Gespräch mit großen internationalen Investoren wie Franklin Resources oder Blackrock, die jeweils über 9 Prozent an dem Unternehmen halten. Offenbar stand erst am Montagabend der Eindruck fest, dass die Mehrheit für Mayrhuber steht. Am Ende reichte es nicht für zwei Drittel.

Die deutschen Aktionärsschützer machten sich die Kritik der Angelsachsen nicht zu eigen. Nach einer fünfjährigen Abkühlzeit würden „Täter als Tattergreise“ im Aufsichtsrat wirken, spottete Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung institutioneller Privatanleger (VIP). „Tiefgekühlt statt abgekühlt“ lautete ein anderer Spruch in der nüchternen Köln-Arena. Durchaus ernst mahnte Buhlmann dann doch eine verbesserte Kommunikation mit den Investoren an, auch wenn sie außerhalb der deutschen Grenzen residierten.

Wer ist im DAX?

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Mayrhuber musste sich nach dem Chaos vom Vortag einige bohrende Fragen der Aktionäre gefallen lassen: „Wie kann es sein, dass sich Ihre Einstellung zur Lufthansa innerhalb des gestrigen Tages zweimal grundlegend ändert, Herr Mayrhuber? Morgens der Rücktritt, abends der Rücktritt vom Rücktritt. Das wirft bereits jetzt einen Schatten auf Ihr zukünftiges Amt“, schimpfte beispielsweise Ingo Speich von der kritischen Fondsgesellschaft Union Investment, die rund ein Prozent der Lufthansa-Aktien verwaltet.

Bei den Kleinaktionären kam das Verwirrspiel schlecht an. „Das schadet dem Unternehmen“, ist sich Pensionär Wolfgang Stelzner aus Frankfurt sicher. Eine andere Aktionärin mit rund 600 Anteilen ist eigentlich froh, dass es Mayrhuber mit seinem unbestrittenen Fachwissen nun doch antreten will. „Aber ein kleiner Makel bleibt doch“, sagt die 55-Jährige. „Ich habe gedacht, Weber muss es noch ein Jahr machen“, meinte ein weiterer Aktionär bei Wurst und Brezel. An der Person Mayrhuber habe er nun schon seine Zweifel, will aber dennoch einen bestimmten anderen Luftverkehrsmanager keinesfalls bei Lufthansa sehen. „Solange keiner Mehdorn sagt, ist alles gut.“

dpa

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