Beim Hausbau selbst mit anpacken: Chancen und Risiken

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Berlin - Der Traum vom Eigenheim mit Garten ist bei vielen Familien ein Dauerthema. Besonders junge Menschen sehnen sich nach den eigenen vier Wänden, wie eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa in Berlin zeigt.

Von den 18- bis 29-Jährigen, die derzeit zur Miete wohnen, wollen laut Studie vier von fünf am liebsten in einer eigenen Immobilie leben. Doch Bauen ist für viele zu teuer. Mancher Bauherr liebäugelt deshalb damit, fehlendes Kapital durch eigene Arbeit und kostenlose Mithilfe von Angehörigen, Bekannten oder Nachbarn zu ersetzen.

“Viele Fertigbauunternehmen bieten für solche Fälle Ausbau- und Mitbauhäuser an“, sagt Achim Hannott vom Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) in Bad Honnef bei Bonn. Das Angebot reiche vom Rohbau, der noch komplett ausgebaut werden muss, bis hin zu Häusern, bei denen nur noch das Streichen und Tapezieren vom Bauherren übernommen werden müssen. Manche Haushersteller liefern sogar das benötigte Material mit.

“Die Entscheidung für ein Aus- oder Mitbauhaus sollte aber jeder sehr überlegt treffen und dabei sich nichts selbst vormachen“, warnt Hannott. Denn oft unterschätzten angehende Bauherren das notwendige Fachwissen und den Zeitaufwand. Eine umgangssprachlich auch als “Muskelhypothek“ bezeichnete Eigenleistung könne fehlendes Kapital zwar ausgleichen. Sie sei aber nicht ohne Risiko, wenn es dem Bauherrn an handwerklichem Können fehlt.

“Die Möglichkeit von Eigenleistungen am Bau - ganz gleich ob mit Fertigbauunternehmer, Bauträger oder Architekt - sollte realistisch eingeschätzt werden“, rät auch die Architektin Eva Reinhold-Postina vom Verband der privaten Bauherren (VPB) in Berlin. Der Bauherr müsse vor Baubeginn genau abwägen, was er neben der normalen Berufstätigkeit überhaupt noch schaffen kann. Um späterem Ärger vorzubeugen, müssen die beabsichtigten Eigenleistungen - möglichst mit Hilfe eines Sachverständigen - bereits im Bauvertrag geregelt und die dafür zu verrechnenden Gutschriften beziffert und festgeschrieben werden.

Mit Eigenleistungen lässt sich oft allerdings weniger Geld sparen als Laien annehmen. Der VPB hat den Zeitaufwand am Beispiel eines Reihenhauses in München mit drei Etagen einschließlich Keller und 140 Quadratmetern Wohnfläche berechnet. Von den reinen Baukosten von rund 275 000 Euro ließen sich etwa 25 000 Euro einsparen. Diese Summe entspreche aber fast 850 Arbeitsstunden. “Solch monatelanges Schuften als Freizeit-Handwerker belastet auch die Beziehung“, warnt Reinhold-Postina. Manche Ehe habe solch einen Hausbau nicht überlebt.

Ein weiteres Risiko: Eigenleistungen müssen exakt in den zeitlichen Bauablauf integriert werden, damit es nicht zu Verzögerungen kommt. “Dies gilt besonders dann, wenn der Bauherr mit einem Generalunternehmer oder Bauträger baut“, erläutert Reinhold-Postina. Besser sei es, nur das Streichen oder Bodenarbeiten zu übernehmen: Tätigkeiten, die immer am Ende eines Hausbaus stehen.

Vom selbstständigen Verlegen der Elektrik rät Reinhold-Postina ab. Hier fallen nach der Eigenleistung noch weitere Handwerkerarbeiten wie Verputzen oder Verkleiden an. Der Bauherr läuft dann nicht nur Gefahr, den Zeitplan nicht einzuhalten und für die Verzögerung zu haften. Er kann auch Gewährleistungsansprüche verlieren, da im Nachhinein nicht mehr nachweisbar ist, wer eventuelle Baumängel zu verantworten hat.

“Eine Muskelhypothek kann erfahrungsgemäß nicht ausreichen, um fehlendes Eigenkapital voll zu ersetzen“, warnt Stefan Speicher von der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Sollen Eigenleistungen in den Finanzierungsplan einfließen, dürften mögliche Einsparungen nicht zu hoch veranschlagt werden. In der Regel würden bei entsprechender Begründung bis zu fünf Prozent der Baukosten von den Geldinstituten als Eigenleistungen anerkannt. Höhere Eigenleistungen würden in der Regel nur dann akzeptiert, wenn sie plausibel nachgewiesen und beispielsweise von einem Architekten bestätigt werden können.

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