Farbe bekennen und Wohlfühlstimmung schaffen

+
Deutschlands einziger Farben-Professor Axel Venn gibt Tipps zur Gestaltung der eigenen vier Wände.

Rosenheim - Menschen nehmen mehr als 80 Prozent der Reize über das Sehen wahr. Deutschlands einziger Farben-Professor Axel Venn gibt Tipps zur Gestaltung der eigenen vier Wände.

Die Wissenschaft bestätigt: Menschen nehmen mehr als 80 Prozent der Reize über das Sehen wahr. Vor allem Farben wirken unterschiedlich auf die persönliche Stimmung. So vermitteln beispielsweise warme Sommertöne ein Gefühl des Wohlbefindens, der Behaglichkeit und des Komforts. Knallige Bonbonfarben dagegen können eine sorglose und dynamische Stimmung fördern. Pink oder knallrot zählen zu diesen Farben, die für Spaß und Lust am Ungewöhnlichen und Extravaganten stehen. Axel Venn, Professor für Farbgestaltung und Trendscouting an der Hochschule Hildesheim berät das Baumarktunternehmen Hornbach. Er weiß genau, worauf es bei der Gestaltung der eigenen vier Wände ankommt und welche immense Bedeutung die Welt der Farben auf das eigene Wohlbefinden hat.

Warum ist es wichtig, sich in den eigenen vier Wänden wohlzufühlen?

Prof. Axel Venn: Die eigene Wohnung ist ein willkommener Rückzugsort, an dem man sich gerne aufhält, sich erholt und neue Kräfte sammelt. Man ist wieder gerne zu Hause, lädt Freunde und Bekannte ein und verbringt eine gute Zeit. Die Ausgehgesellschaft trifft sich heutzutage zu Hause. Diesen Trend bezeichnen die Experten als „Homing“. Ein weiterer Punkt: Wohnen wird zunehmend zum Teil der Identität. Sage mir wie Du wohnst, und ich sage Dir, wer Du bist. Eine schöne Wohnung ist heute mehr denn je ein Statussymbol.

Welche Trends sehen Sie im nächsten Jahr?

Venn: Der Farbtrend wird sich verändern. Im nächsten Jahr wird die Farbe Blau das aktuell moderne Violett ablösen. Vor allem Marineblau, welches ins Graue geht, kombiniert mit gelben Elementen, wird bei Wohntrends wieder zu finden sein.

Wie wichtig ist die richtige Farbe Zuhause?

Venn: Farben im Zimmer werden oft unterschätzt. Häufig findet man weiße Wände vor, oder die Farben werden zu pointiert eingesetzt. In-between-Töne lautet das Zauberwort. Dabei handelt es sich um Zwischentöne, die weder zu intensiv noch zu sanft und zudem psychologisch sehr wirksam sind. Hierbei geht es um Farben, die zumeist leicht getrübt sind, so dass wir Ocker vor Beige, Blass-Gelb vor Zitronengelb, Grau-Blau vor reinem Azur bevorzugen und uns Terrakotta angenehmer als Knallrot erscheint. Das sind die ergonomisch-komfortablen und als „wohnlich“ bezeichneten Favoriten der Wohnenthusiasten.

Gibt es eine bestimmte Farben-Rezeptur für die Wohnung?

Venn: Die Gestalter sollten Farb-Schwerpunkte für ihre Wohnung setzen. Die Wiederaufnahme vorhandener Farben schafft Vertrauen und einen angenehmen Wiedererkennungswert: Wenn das Schlafzimmer beispielsweise die Töne Matt-Blau und Bananen-Gelb aufgreift, so bietet sich im Wohnzimmer eine Farbkombination von diesem Blau-Ton und einem begleitenden Terrakotta-Rot an. Diese drei Töne sollten immer wieder in unterschiedlicher Gewichtung verwandt werden und so eine Art Markenzeichen einer Wohnung darstellen.

Wer entscheidet eigentlich in Deutschland, wie die eigenen vier Wände gestaltet werden: eher die Frauen oder die Männer?

Venn: Meistens gewinnen die Frauen die Diskussion um die schönsten Farben. Männer sind nach dem Zusammenziehen oft zunächst überrascht und überfordert von soviel sanften, weichen Gestaltungsvorstellungen der Frauen. Wichtig ist, dass „Männer“ einen eigenen Rückzugsraum für sich haben, wo es keine rosa Kissen und bunte Schleifchen gibt. Bei der Gestaltung des Eigenheims sind den Heimwerkern keine Grenzen gesetzt. Je nach gewünschtem Wohlfühlfaktor, können Räume kühl, warm, leicht, licht und heiter gestimmt sein. Der Einsatz unterschiedlichster Farbkombinationen ist wie ein Spiel, an dem jeder mitmachen und seine eigene Persönlichkeit einbringen kann.

Pressemeldung

Zurück zur Übersicht: Wohnen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser