Gartenmythen erklärt

Lohnt sich Mehrfelderwirtschaft im heimischen Gemüsebeet?

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Tomaten sind Starkzehrer. Das heißt, sie brauchen mehr Nährstoffe durch Dünger. Manche Gartenexperten raten, sie im Beet zuerst zu pflanzen, erst danach Schwachzerer. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Wer Fruchtfolgen beachtet, schützt sich auf längere Sicht vor Schädlingen und kann bessere Ernten einfahren, zumindest in der Landwirtschaft. Für den eigenen Garten gelten etwas andere Regeln. Experten empfehlen verschiedene Wege, die zum Pflanzerfolg führen.

Bonn (dpa/tmn) - Die Landwirte wechseln auf den Feldern jedes Jahr die Gemüse- und Getreidesorte. Denn sonst verliert die Anbaufläche viele Nährstoffe. Auch für das kleine Gemüsebeet im Garten raten einige Experten zum Fruchtwechsel. Ist das wirklich nötig?

Wer nur wenige Arten anbaut, entzieht dem Boden einseitig Nährstoffe, was Krankheiten und Schädlinge begünstigt, erklärt die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Sich zersetzende Überbleibsel alter Wurzeln im Boden hindern zusätzlich das Wachstum nachfolgender Pflanzen.

Allerdings muss man die Fruchtfolge im Garten nicht übertreiben, sagt der englische Bio-Gärtner Charles Dowding, der ein Buch zu Gartenmythen geschrieben hat. Das Prinzip sei für den privaten Pflanzenbau manchmal zu durchgeplant. "Zum Beispiel sind Gärten oft zu klein für einen Fruchtwechsel, denn alle Pflanzen sitzen hier ja viel zu eng nebeneinander." Die Folge: Es werden wieder die gleichen Nährstoffe entzogen.

Auch die Experten der Landwirtschaftskammer sehen das so: Anders als in der Landwirtschaft, wo nur alle drei oder gar fünf Jahre die gleiche Frucht auf einem Boden wachsen sollte, brauchen Hobbygärtner nur die Pflanzenfamilien zu berücksichtigen. Das heißt: Pflanzen aus der gleichen Familie sollten ein Jahr lang nicht auf dem gleichen Fleck wachsen.

Dowding schlägt zum Beispiel vor, dass auf Doldenblütler mit dem botanischen Familiennamen Umbelliferae - also Möhren, Pastinaken und Knollensellerie - Kohlpflanzen der Familie Brassica folgen können. Dazu zählen auch manche Rüben und Kohlrabi.

Allerdings wachsen viele Gemüsesorten schnell - und ihr Platz im Beet ist nach einer halben Saison wieder frei. Hier kann man den Pflanzplan eindampfen: In der zweiten Saisonhälfte kommt eine andere Pflanzenfamilie zum Zuge. "Im Sommer könnten Sie Möhren aussäen, nachdem im Frühling Spinat geerntet wurde", empfiehlt Dowding. Kohl folgt auf Rote Bete, Chinakohl auf Zwiebeln.

Aber der Gärtner betont auch: Man kann einfach bei der gleichen Familie bleiben. "Wenn der Boden gut mit organischen Stoffen versorgt ist, eine Weile in Ruhe gelassen wurde und sich erholen konnte, dann wachsen Pflanzen auch darin gut heran."

Zu einer leicht anderen Herangehensweise rät die Landwirtschaftskammer NRW: Die Reihenfolge im Beet bestimmt sich durch den Nährstoffbedarf der Pflanzen. Starkzehrer brauchen besonders viele Nährstoffe im Boden - das sind etwa die Kohlarten, Kartoffeln, Gurken, Kürbisse und Tomaten. Sie kommen daher zuerst in ein Beet, das eine Kompostdüngung mit etwa fünf Kilogramm je Quadratmeter erhält.

Es folgen Mittelstarkzehrer wie Salate, Sellerie, Rote Bete und Spinat. Der Boden erhält zuvor rund zwei Kilogramm Kompost je Quadratmeter. Danach kann man Schwachzehrer wie Hülsenfrüchte, Möhren, Zwiebeln sowie Kräuter pflanzen. Zu diesem Zeitpunkt ist keine Düngung mehr nötig.

Literatur:

Charles Dowding: Gelassen gärtnern - 99 Gartenmythen und was von ihnen zu halten ist, Oekom Verlag, München, 2016, 144 Seiten, Preis: 14.95 Euro, ISBN-13: 978-3-86581-769-3

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