Unkraut-Wachstum vermeiden

Soll man Gartenbeete vor der Wachstumsperiode umgraben?

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In seinem Buch "Gelassen gärtnern" widmet sich Charles Dowding 99 Gartenmythen. Foto: oekom verlag

Schon bald beginnt der Frühling, und viele Hobbygärtner werden wieder ihre Beete umgraben. Allerdings handeln sie sich damit neue Probleme ein. Welche Strategie besser ist, erklärt ein englischer Experte.

Berlin (dpa/tmn) - Ein gängiger Gartentipp lautet, die Erde des Gemüsebeetes vor dem Beginn der Wachstumsperiode im Frühling umzugraben. Das lockert die obersten Bodenschichten, Pflanzenreste gelangen in tiefere Erdschichten.

Doch Experten wie der englische Bio-Gärtner Charles Dowding sehen das anders: "Das ist absolut nicht notwendig, und es kann sogar Probleme wie das Wachstum von Unkraut fördern." Dowding hat ein Buch zu Gartenmythen geschrieben und gibt Kurse in seinem eigenen Garten. Dabei höre er immer wieder, dass Hobbygärtner Probleme damit haben, das Unkraut in ihrem Garten unter Kontrolle zu halten, nachdem sie den Boden umgegraben haben. Das geschieht auch, wenn die beim Auflockern gefundenen Wurzeln entfernt wurden. Aber etwa Giersch (Aegopodium podagraria) und die Kriech-Quecke (Elymus repens) kommen wieder.

Für Dowding ist die Störung des Bodens der Grund für das verstärkte Wachstum. Das Erdreich muss sich nach dem Umgraben erholen, was dem Unkraut die Möglichkeit gibt, zu wachsen. Zumal dessen Samen durch das Umgraben aus den Tiefen des Bodens erst ans Licht kommen und folglich gut austreiben können. "Man kann also sagen, das Lockern des Bodens zu jeder Zeit des Jahres ist ein Wachstumssignal an die Wurzeln mehrjähriger Unkrautpflanzen und lässt Samen sprießen", erklärt der Bio-Gärtner.

Er plädiert daher dafür, den Beetboden einfach so zu lassen, wie er ist: "Im Boden, der nie gelockert wird und der außerdem an der Oberfläche mit organischem Mulch bedeckt ist, kann die Population nützlicher Pilze auf ein hohes Niveau ansteigen, was das Sprießen von Unkrautsamen eindämmt."

Oftmals übernimmt die Natur auch selbst das Auflockern des Bodens, ohne dass dabei gleich die Schichten durcheinander geraten. Wenn die Erde im Winter durchfriert, tritt die sogenannte Frostgare ein. Dann brechen die Erdklumpen durch die kältebedingte Ausdehnung des Wassers im Boden auf. Sie zerfallen von selbst in kleine Krümel. Das lockert den Boden insgesamt auf und verbessert seine Struktur, erklärt die Bayerische Gartenakademie. Pflanzenwurzeln wachsen darin besser.

Service:

Charles Dowding: Gelassen gärtnern - 99 Gartenmythen und was von ihnen zu halten ist, Oekom Verlag, München, 2016, 144 S., 14.95 Euro, ISBN-13: 978-3-86581-769-3

Homepage von Charles Dowding

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