So klappt’s mit dem Haustausch

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Die heimischen vier Wände für ein paar Wochen mit einer Wohnung im Süden tauschen: Mit solch einer Privat-Aktion kann man sich viel Geld für die Urlaubskasse sparen.

Biete München, suche Mailand – weltweit tauschen Menschen während der Urlaubszeit ihr Zuhause. Das spart Geld und bringt persönliche Kontakte. Wir erklären, worauf Sie beim Tausch auf Zeit achten müssen.

Mit den Sommerferien beginnt wieder die Rechnerei für die Reisekasse. Nicht jeder kann sich einen Urlaub in der Ferne samt Hotelkosten oder Campingplatzgebühren leisten, da spielt so mancher mit dem Gedanken, seine vier Wände einfach zu tauschen. „Das scheint prima zu klappen“, sagt Petra von Rhein, Juristin der Verbraucherzentrale Bayern. Von massiven Beschwerden oder Ärger habe sie noch nie gehört.

Wie funktioniert ein Haustausch?

Das Prinzip ist simpel: Interessierte tauschen für eine begrenzte Zeit die eigenen vier Wände – ohne Bezahlung. Während Familie Hinterhuber den August in der schicken Stadt-Wohnung der Rossis in Rom verbringt, machen es sich die Rossis in dieser Zeit im Häuschen der Hinterhubers in Rosenheim bequem. Ein Haustausch eben, dessen Ursprung übrigens in den USA liegt.

Das Ganze kann natürlich privat über Bekannte laufen. Der Großteil findet sich aber über Internetplattformen von professionellen Tauschagenturen. Gegen einen Jahresbeitrag oder eine Provision können Mitglieder weltweit nach potenziellen Ferien-Partnern suchen. Die Agenturen sind Mittler und helfen auch bei Sprachbarrieren. Wie überall im Netz sollte sich jeder die Vertragsbedingungen der Agenturen aber genau durchlesen.

So einfach die Idee, so umfangreich sind die Vorbereitung. Von heute auf morgen geht nichts, schließlich sollten sich die Fremden vor dem Bettentausch bereits etwas kennen, per Telefon oder Mail. Hier gilt es, so viel wie möglich über den anderen zu erfahren – die Chemie muss stimmen und auch die „Proportionen“. Eine Familie mit vier Kindern ist in einem kleinen Stadtappartement nicht richtig aufgehoben.

Nicht zu unterschätzen ist auch der Hausputz kurz vor Abfahrt, die kleinen Zettelchen mit wichtigen Informationen für die Gäste (Eigenheiten der Wohnung, Gebrauchsanweisung für die Waschmaschine, Ausflugstipps, Gießanleitung usw.) und das Organisieren der Schlüsselübergabe mittels Nachbarn oder Freunde.

Wer kann mitmachen?

Im Prinzip jeder – egal ob Single, Familie, Ehepaar, Mieter oder Eigentümer. Allerdings muss man bereit sein, die eigenen vier Wände anderen zu überlassen – das kann nicht jeder. Eigentümer der Immobilie muss man aber nicht sein. Weil kein Geld zwischen den Urlaubern fließt, handelt es sich nicht um eine Untervermietung und auch ein Mieter darf Freunde zum Übernachten einladen – nichts anderes ist ein Haustausch.

Was sind die Vorteile bei dieser Art Urlaub?

Wer einen solchen Haustausch macht, spart zunächst Geld, schließlich ist die Unterkunft für die vereinbarte Zeit kostenfrei. Wenn ein Auto vorhanden ist und man es nutzen darf, entfallen zusätzlich Kosten für einen Mietwagen. Ein weiterer Pluspunkt: Tauschen Familien mit gleichaltrigen Kindern ihr Zuhause, sind Spielsachen oder Fahrräder meist vor Ort vorhanden – damit fällt das Reisegepäck erheblich kleiner aus.

Dazu kommt, man fühlt sich nicht wie ein x-beliebiger Tourist – schließlich wohnt man nicht in einer der Bettenburgen, sondern unter Einheimischen.

Was passiert bei Schäden?

Alle Teilnehmer am Tausch sollten unbedingt über eine private Haftpflicht- und Hausratversicherung verfügen – und das sollte man sich auch schriftlich geben lassen, betont der Rechtschutzversicherer Arag. Bei Unsicherheiten – die wenigsten wissen wohl, wie eine italienische geschweige denn eine mexikanische Hausratspolice aussieht – helfen die Agenturen oder die eigene Versicherung weiter.

Schäden an der Wohnung oder an Gegenständen sind durch diese Policen abgedeckt. Nicht aber, wenn doch eine Mietzahlung vereinbart wurde – denn für Schäden an einer Mietsache kommt die Haftpflichtversicherung nicht auf.

Um keine unangenehmen Überraschungen zu erleben, ist es sinnvoll, die eigene Versicherung vorab über den Tausch zu informieren, rät Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Um Missverständnisse zu vermeiden, kann es auch ratsam sein, dem Nachbarn Bescheid zu geben, dass nun vorübergehend Fremde einziehen.

Wer außer Haus und Garten den Tausch-Partnern auch noch das Auto zur Verfügung stellt, darf keine Klausel in seiner Kfz-Police haben, dass nur der Halter oder nur Familienangehörige mit dem Wagen fahren. „Es muss geregelt sein, dass auch Dritte damit fahren dürfen“, betont Rudnik. Ist dem nicht so und passiert dem Gast mit dem Auto ein Unfall, drohen dem Fahrzeughalter empfindliche Vertragsstrafen – maximal zwei Jahresbeitragssummen. Also auch hier besser nochmal beim Versicherer nachfragen oder in die Vertragsunterlagen schauen.

Wie sicher ist ein solcher Tausch?

Absolute Sicherheit gibt es natürlich nicht, ein bisschen Wagemut und eine gehörige Portion Vertrauen gehören dazu – auch wenn die Tauschagenturen betonen, dass ihnen auch nach hunderttausenden gelungenen Wechseln kein Diebstahl gemeldet wurde oder einer der beiden Tauschwilligen vor verschlossenen Türen stand. Klare Regeln und schriftliche Checklisten können allerdings vieles vereinfachen. „Ein solcher Tausch ist Vertrauenssache, aber man sollte großen Wert darauf legen, die Dinge, die einem wichtig sind, schriftlich festzuhalten“, betont Juristin von Rhein. Egal ob es um das Benutzen des Computers, der Stereoanlage sowie des Kleiderschranks geht oder um die Endreinigung, das Entleeren des Briefkastens oder die Mülltrennung.

Mehr Informationen gibt es im Internet:

- www.haustausch.de

- www.haustauschferien.com

Stefanie Backs

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