Heizung modernisieren: Das sagt der Experte

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Rosenheim - Welche Heiztechnik ist für einen Neubau geeignet und wo kann ich eine kompetente Beratung erhalten? Diese Fragen klärt Herbert Kuschel im Interview:

Interview mit Herbert Kuschel, zertifizierter Energieberater und Energieexperte im Sanitär-, Heizung- und Klima-Handwerk (HWK) der Firma Vaillant, Remscheid. Der Meister der Fachrichtungen Heizung, Gas / Wasser und Lüftung verfügt über mehr als 40 Jahre Berufserfahrung und ist zudem studierter Betriebswirt des Handwerks.

Öl oder Gas, Pellets oder Wärmepumpe: Wovon würden Sie abhängig machen, welche Heizungstechnik für die jeweilige Immobilie am besten geeignet ist?

Herbert Kuschel: Die Entscheidung, welcher Wärmeerzeuger der richtige ist, muss immer individuell entschieden werden. Die Gebäudestruktur, die Art der Beheizung, die Ansprüche des Eigentümers und sicherlich die Investitionsbereitschaft spielen bei der Auswahl eine wesentliche Rolle und sollten immer gemeinsam mit dem Fachhandwerker besprochen werden. Angenommen, der derzeit noch betriebene Ölkessel ist bereits über 20 Jahre alt. Mit welchen Investitionen muss der Hauseigentümer rechnen – und wann macht sich die Investition aufgrund der eingesparten Heizkosten für ihn bezahlt? Herbert Kuschel: Alte Ölkessel werden heute in der Regel durch moderne, sparsame Öl-Brennwertkessel ersetzt. Die Kosten für einen einfachen Tausch sind überschaubar und liegen zwischen 5.500 und 7.000 Euro. Der Einspareffekt hängt von vielen Faktoren ab. So spielt unter anderem auch das eigene Heizverhalten eine wesentliche Rolle für den Energieverbrauch. Welche Voraussetzungen erfordert eine moderne Gas-Brennwertanlage bei der Altbaumodernisierung? Herbert Kuschel: Bedingt durch ihre Konstruktion arbeiten Brennwertfeuerstätten fast immer im Niedertemperaturbereich. Dabei passt sich die Vorlauftemperatur stets der jeweiligen Witterung an und sorgt für einen optimalen Betrieb. Damit das anfallende Kondensat, resultierend aus den geringen Abgastemperaturen, den Schornstein nicht beschädigt, muss ein zugelassenes Kunststoffrohr in den vorhandenen Kamin eingezogen werden. Des Weiteren sollte das Heizungssystem bis hin zu den Heizkörpern angepasst werden, beispielsweise durch einen hydraulischen Abgleich der Wassermengen. Würden Sie empfehlen, eine moderne Heizungsanlage zusätzlich mit erneuerbaren Energien zu koppeln? Herbert Kuschel: Wenn immer es die baulichen Möglichkeiten erlauben, kann man diese Frage mit einem ganz klaren Ja beantworten. Es ist davon auszugehen, dass durch die Knappheit der fossilen Brennstoffe unsere Energie immer teurer wird. Deshalb ist es schon jetzt ratsam, Energie einzusparen, um nicht nur die Umwelt zu schonen, sondern auch den Geldbeutel.

Ist die Installation einer Wärmepumpenanlage auch im Altbau sinnvoll?

Herbert Kuschel: Der Einsatz einer Wärmepumpe im Altbau ist immer individuell durch den Fachmann vor Ort zu prüfen. Die heutige Technik bietet einige Möglichkeiten, eine derartige Anlage sinnvoll und effizient zu betreiben.

Wo können Verbraucher einen verlässlichen und aktuellen Überblick über Fördermöglichkeiten erhalten?

Herbert Kuschel: Dazu empfehle ich die Internetseiten des Bundesamtes BAFA unter www.bafa.de und der KfW Bank unter www.kfw.de. Zusätzlich bieten viele Energieversorger regionale Förderungen an. Eine gute und einfache Möglichkeit, sich einen Überblick zu verschaffen, ist das „Vaillant Förderwunder“ unter www.foederwunder.de. Hier kann der Eigentümer mit Unterstützung des Fachhandwerkers für die individuelle Anlage einen kompletten Überblick aller Förderungen erhalten. Informationen zu allen technischen Möglichkeiten und eine individuelle Beratung erhalten Verbraucher zudem in einem der bundesweiten Vaillant-Kundenforen.

Wie sieht es bei Mietobjekten hinsichtlich der Fördermittel aus? Wie und von wem wird eine Heizungsmodernisierung unterstützt?

Herbert Kuschel: Auch hier geben die Internetseiten www.bafa.de und www.kfw.de Auskunft. Sinnvoll ist es zudem, eine Energieberatung durch einen Fachmann vornehmen zu lassen. Daraus lassen sich nicht nur Fördermöglichkeiten für die Heizung ableiten, sondern für das gesamte Gebäude bis hin zu Fassade, Fenster, Dach und vielem mehr.

Welche Formalien sind zu beachten, wenn jemand Fördermittel beantragen möchte? Muss beispielsweise erst der Antrag gestellt werden, bevor die Modernisierung begonnen wird?

Herbert Kuschel: Die Bedingungen für eine Förderung sind individuell und können nicht pauschal dargestellt werden. Wichtig ist es jedoch, sich immer zunächst zu informieren, bevor eine Baumaßnahme beginnt. Erfahrungen haben gezeigt, dass es oft sehr schwierig ist, nachträglich Fördermittel zu erhalten.

Welche Heiztechnik würden Sie heute für einen Neubau empfehlen?

Herbert Kuschel: Alle Neubauten müssen heute den Forderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) entsprechen und haben somit einen sehr geringen Primärenergiebedarf. Passend dazu bietet es sich an, beispielsweise eine Wärmepumpe oder eine thermische Solaranlage mit eventueller Heizungsunterstützung einzusetzen.

Wie finden Verbraucher einen erfahrenen und kompetenten Handwerksbetrieb, der sie fachkundig und individuell beraten kann?

Herbert Kuschel: Jeder renommierte Hersteller in Deutschland betreibt in der Regel auf seiner Internetseite wie beispielsweise auf www.vaillant.de ein Portal, in dem sich Endkunden über Handwerker in der Nähe informieren können. Oft kann über die Eingabe der eigenen Postleitzahl ein Handwerker im Umfeld ermittelt werden. Mein Tipp: Möchten Sie etwas über die Qualität erfahren, fragen Sie Ihre Nachbarn, Ihre Freunde oder Bekannten nach ihren Erfahrungen mit den örtlichen Handwerksbetrieben.

Pressemitteilung djd

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