Geheimtipp

Sparen mit der Baugenossenschaft

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Frankfurt/Main - Zu den mickrigen Zinsen der meisten deutschen Geldinstitute gibt es eine attraktive Alternative: Sparen bei Wohnungsbaugenossenschaften.

Dort gibt es vielfach um die zwei Prozent Zinsen aufs Ersparte und noch deutlich mehr. Im Vergleich zu den momentan üblichen 0,5 oder gar nur 0,25 Prozent bei vielen Banken und Sparkassen seien das gute und solide Angebote, betont Max Herbst von der unabhängigen Frankfurter Finanzberatung FMH: „Ein echter Geheimtipp.“

„Kaum ein Bürger kennt diese Alternative“, sagt auch Andrea Heyer, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen. Dabei bieten bereits 50 der bundesweit etwa 2.000 Wohnungsgenossenschaften attraktive Verzinsungen für Spareinlagen wie Festgeld oder Sparbücher an. Und es werden immer mehr. Doch die Gesellschaften mit jahrzehntelanger Tradition wie etwa die Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft, Einheit Erfurt, die Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 oder der Spar- und Bauverein Solingen machen keine Reklame für ihre Angebote. „Wer mit den mageren Zinsen seiner Filialbank unzufrieden ist und ausländischen Banken kein Geld anvertrauen will, sollte die Chance nutzen“, betont Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Auch Kinder und Enkel dürfen sparen

Die meisten Genossenschaften stehen allen Sparern offen. Die meisten haben schon eine lange Tradition und wurden bereits im 19. Jahrhundert gegründet. Niemand muss Mieter sein, um sein Geld bei den Wohnungsunternehmen anlegen zu können. Wer ein Festgeldkonto, einen Sparplan für Teenager oder zur Altersvorsorge eröffnen will, muss allerdings zuerst Mitglied der Wohnungsgenossenschaft werden und einmalig Pflichtanteile erwerben. Die Kosten dafür liegen zwischen fünf und 300 Euro. Wird die Spareinlage wieder aufgelöst, bekommen die Kunden das Geld zurück. „In der Regel auch noch verzinst“, sagt Herbst. Zusatzvorteil: Auch die Angehörigen von Mitgliedern, also Kinder, Ehepartner, Geschwister oder Enkel können meist Geld anlegen, ohne selbst beitreten zu müssen.

Wie attraktiv die Zinsen bei den Genossenschaften sind, zeigt eine aktuelle Auswertung des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW). So gibt es für Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist bis zu 1,9 Prozent Zinsen, bei Ratensparverträgen bis zu 2,75 Prozent, wie die Analyse von 20 Spareinrichtungen ergab.

Für Festgeld mit einem Jahr Laufzeit gibt es bis zu 2,6 Prozent Zinsen, für fünfjährige Anlagen in der Spitze sogar 3,5 Prozent. So lässt sich der Inflationsrate, die im August beispielsweise um 2,1 Prozent lag, einigermaßen paroli bieten. Unschlagbar scheinen auch einige Langzeit-Sparangebote zu sein: Wer beispielsweise bei der Wohnungsgenossenschaft Einheit Prämiensparer wird und 20 Jahre lang monatlich 30 Euro einzahlt, wird im elften Jahr mit 20 Prozent Zinsen belohnt. Sparer sind bereits ab zehn Euro monatlich dabei. Niemand muss große Summen auf die hohe Kante legen, wie Heyer betont. Tagesgeldangebote gibt es gründsätzlich nicht.

Kein Risiko

Um die Sicherheit der Ersparnisse müsse sich keiner wirklich Sorgen machen, betont Oelmann. Die Genossenschaften haben zwar eine eingeschränkte Bankerlaubnis, aber im Gegensatz zu anderen Geldinstituten keine gesetzliche Einlagensicherung zu bieten. Trotzdem sind die Kundengelder sicher. Die Genossenschaften stehen dafür mit ihrem Immobilienbesitz gerade. Sie vergeben keine riskanten Kredite und halten sich von spekulativen Finanzmanövern fern. Die Spareinlagen werden allein in die Modernisierung oder den Neubau von Wohnungen investiert.

Sollte eine Genossenschaft wider Erwarten finanziell in Schieflage geraten, springt der Selbsthilfefonds des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen ein, wie Heyer erläutert. Dieser Fonds existiere seit 1974, habe aber noch nie aushelfen müssen. Kontrolliert werden die Wohnungsunternehmen von der Berliner Bankenaufsicht BaFin.

Aufpassen sollten Sparer nur bei Offerten von einigen Wohnungsgenossenschaften, die keine Spareinlagen annehmen, aber Beteiligungen am Unternehmen verkaufen, warnt Heyer. Solche Angebote seien riskant, weil sie nicht der staatlichen Aufsicht unterliegen.

dapd

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